Le Mans (1971)

Regie: Lee H. Katzin
Original-Titel: Le Mans
Erscheinungsjahr: 1971
Genre: Sportfilm
IMDB-Link: Le Mans


Steve McQueen – der alte Bleifuß. Eigentlich wollte er nur ein paar Runden in Le Mans beim legendären 24-Stunden-Rennen drehen und seine bübische Freude dokumentarisch festhalten. Weil das aber dann doch etwas schwer zu vermarkten war, bastelte er einfach eine rudimentäre Geschichte drumherum um einen Rennfahrer, der nach einem schlimmen Unfall zurückkehrt auf die Rennstrecke, und die Witwe eines Freundes, der bei einem weiteren Rennunfall ums Leben gekommen ist. „Racing is life. Everything in between is just waiting“, heißt einer der wenigen Sätze, die in diesem Film gesprochen werden. Und genau das ist Programm hier. Das erste Wort eines Schauspielers wird nach 38 Minuten gestoppt. Ansonsten hört man nur das Publikum, die Kommentatoren aus Fernsehen und Radio – und natürlich die Motoren der Rennwagen. Diese sind hier die Hauptprotagonisten. Porsche gegen Ferrari, das ist Brutalität! Der Mensch hinter dem Steuer: eine Nebenfigur. Der Film interessiert sich genau Nüsse für die Rennfahrer. Steve McQueen fasst diese Grundeinstellung ja eh im oben zitierten Satz zusammen. Am Ende ist es sogar egal, ob man gewinnt oder verliert. Hauptsache, man hat seine Runden gedreht und den Tod, der ständig auf der Schulter mitfährt, ein weiteres Mal bezwungen. Denn natürlich waren die Rennfahrer in den 70er-Jahren wilde Hunde, die genau wussten, dass nicht alle von ihnen das Karriereende erleben. Das spiegelt sich in ihren stoischen Bewegungen, den kargen Worten, den ausdruckslosen Blicken. Jeder kleinste Fehler kann tödlich sein. Dies vermittelt „Le Mans“ in seinem dokumentarischen Stil durchaus gekonnt. Auch die Rennszenen sehen extrem realistisch aus und sind auch nach heutigem Maßstab atemberaubend spannend inszeniert. Das Problem, das der Film hat, ist ein hausgemachtes: Dadurch, dass er eben den Aufbau einer Bindung mit den Protagonisten konsequent verweigert, ist das Ergebnis dann eigentlich auch egal. Und wenn sich nicht gerade packende Rad-an-Rad-Duelle auf der Rennstrecke ereignen, läuft er oftmals einfach ins Leere und ist schlicht fad. Wie gesagt: „Racing is life. Everything in between is just waiting.“ Das haben Lee H. Katzian und Steve McQueen ein bisschen zu wörtlich genommen.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 31 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

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