Ringo (1939)

Regie: John Ford
Original-Titel: Stagecoach
Erscheinungsjahr: 1939
Genre: Western
IMDB-Link: Stagecoach


Fahren ein Outlaw, ein Sheriff, eine anständige Dame, eine Hure, ein Glücksspieler, ein Handelsvertreter für Whiskey, ein Banker und ein permanent besoffener Arzt in einer Postkutsche. Was wie ein Witz beginnt, ist eigentlich einer der großen Western-Klassiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einem gut gelaunten John Wayne in der Hauptrolle. Die Story ist so simpel, das sie selbst fast als Witz durchgeht: Diese bunt zusammengewürfelte Reisetruppe möchte von A nach B, hat aber das Problem, das die Apachen unter ihrem legendären Häuptling Geronimo gerade auf Kriegspfad sind, weshalb sie weiter müssen nach C und D, ehe es dann doch zum finalen Showdown mit den grimmigen Ureinwohnern kommt. Die Gründe für die Reise sind unterschiedlich, aber alle zwingender Natur, weshalb ein Aussteigen unterdessen nicht in Frage kommt. Und am Ende, wenn die Apachen wild heulend ihre Pfeile in die Postkutsche nageln, zeigt sich, wer im Angesicht der Gefahr seine Murmeln beisammen hält und wer sich als Aufschneider entpuppt, der in einer solchen Situation nicht zu gebrauchen ist. (Überraschungsfreier) Spoiler: John Wayne als Outlaw Ringo mit großem Herz und noch größeren Eiern ist natürlich am Ende der Held des Tages. Man kann an „Ringo“ so einiges kritisieren aus heutiger Perspektive: Die eindimensionale Darstellung der Apachen, die nur als gesichtslose Antagonisten herhalten müssen. Die dünne Story. Das Happy End. Aber geschenkt. „Ringo“ ist trotz seiner mittlerweile fast 80 Lenze auf dem Buckel immer noch ein erstaunliches Stück Kinogeschichte, mitreißend erzählt und gefilmt mit zum Teil abenteuerlichen Stunts. Der Überfall der Apachen auf die Postkutsche weiß auch im Jahre 2018 noch zu überzeugen. Im Höllenritt reiten die Angreifer neben der Kutsche her, werden von den Pferden geschossen, fallen spektakulär in den Staub und zwischen die Pferdebeine – das bekommt man heute auch nicht viel sehenswerter hin. Schön ist auch, dass sich der Film Zeit nimmt für seine Charaktere und die auch interessant und vielschichtig ausgestaltet. Eigentlich ist „Ringo“ ein Kammerspiel mit Pferden mit einem fulminanten Showdown. Und zu Recht ein Meilenstein der Filmgeschichte.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 43 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


8,0
von 10 Kürbissen

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