Die Sammler und die Sammlerin (2000)

Regie: Agnès Varda
Original-Titel: Les Glaneurs et la Glaneuse
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Les Glaneurs et la Glaneuse


Kritiker lieben Agnès Vardas selbstreflexive Dokumentation über Sammler. Ausgehend von jenen Sammlern, die in Frankreich legal nach der Ernte durch die Felder gehen und nicht abgeerntete Früchte auflesen dürfen, beleuchtet sie in ihrem Film schon bald verschiedene Aspekte des Sammelns: Sammeln als Lebensgrundlage, wenn man sonst nichts hat, Sammeln als Wertschätzung für alte Dinge, Sammeln als Wiederverwertung, Sammeln als Akt des Widerstands (so wie die Episode des Studenten, der von weggeworfenen, aber noch genießbaren Lebensmitteln lebt, um ein Zeichen gegen Verschwendung zu setzen) und schließlich – auf einer Meta-Ebene – das Sammeln von Erfahrungen. Dafür bringt Varda sich selbst ins Spiel mit einer kindlichen Freude an der kleinen Kompaktkamera, die sie erstmalig für einen Film verwendet. Immer wieder hält sie mit naiver Unschuld drauf, mit dem gleichen neugierigen Blick, der auch beispielsweise in ihrem späteren Werk Augenblicke: Gesichter einer Reise zu bemerken ist. Sie ist ganz nah dran – bei jenen, die sie filmt, und bei sich selbst. Immer dokumentiert sie auch, was das Dokumentierte mit ihr macht. Wenn man so will, kann man Varda als humanistische Filmemacherin bezeichnen – es wäre nicht falsch. Und das macht auch „Die Sammler und die Sammlerin“ zu einem interessanten und sehenswerten Film. Ich kann verstehen, warum sich die Kritiker dafür dermaßen begeistern. In einer Umfrage des Filmmagazins „Sight and Sound“ im Jahre 2014 wurde „Die Sammler und die Sammlerin“ als achtbeste Dokumentation der Geschichte ausgezeichnet, und auch die BBC setzte den Film 2016 auf die Liste der besten 100 Filme des 21. Jahrhunderts. So weit würde ich selbst nun nicht gehen. Denn für meinen persönlichen Geschmack mäanderte der Film dann doch ein bisschen zu sehr vor sich hin, und so sympathisch er auch jeden Moment lang anzusehen ist, am Ende fehlte mir ein wenig die Relevanz. Man kann natürlich nun argumentieren, dass sich diese Relevanz aus der Wertschätzung für das wenig Beachtete und Weggeworfene ergibt und der Film somit durchaus als Kommentar auf die heutige Lebensweise zu verstehen ist, aber sehr bewegt hat mich „Die Sammler und die Sammlerin“, anders als „Augenblicke: Gesichter einer Reise“, nicht.


6,5
von 10 Kürbissen

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