Die Zigarette (1919)

Regie: Germaine Dulac
Original-Titel: La Cigarette
Erscheinungsjahr: 1919
Genre: Drama
IMDB-Link: La Cigarette


Rauchen gefährdet die Gesundheit. Vor allem, wenn in der Zigarettenschachtel eine vergiftet ist wie der Apfel im Märchen von Schneewittchen. Diesen Zustand hat sich der Pariser Museumsdirektor Pierre selbst eingebrockt. Er selbst zählt schon einige Lenze und beschäftigt sich am liebsten mit der Mumie einer ägyptischen Königin, die der Legende zufolge einer blöden Eifersuchtsgeschichte zum Opfer gefallen ist. Womit sich Pierre weniger häufig beschäftigt: Mit seiner jungen und bildhübschen Frau. Die wird natürlich mit der Zeit empfänglich für die Ablenkungen, die die Welt da draußen so bietet. Das wiederum missversteht ein gelackter Dandy, der sich der Dame nun vehement anzunähern versucht. Sie selbst will nicht, denn trotz aller Langeweile liebt sie ihren verstaubten Professorengatten. Als aber eines Tages aufgrund eines Missverständnisses die Eifersucht in diesem entzündet wird, entschließt er sich, zur melodramatischsten aller Liebesbezeugungen zu greifen – dem Suizid. Eine vergiftete Zigarette soll sein Schicksal entscheiden. Nur eine einzige wird von ihm vergiftet und dann untergeschoben in die volle Zigarettenschachtel. Irgendwann, so der Plan, wenn er selbst nicht damit rechnet, soll ihm diese den Garaus machen. Suizid durch russisches Roulette, wenn man so will. Doch die Gattin wittert, dass da etwas faul ist – nicht nur im Staate Dänemark, sondern auch unter den Tabakgenussprodukten. Und so entspinnt sich ein dramatisches Katz-und-Maus-Spiel um das Leben des Professoren, seiner Frau und die Nerven der Zuseher. Und das ist durchaus modern inszeniert. Anders nämlich als viele anderer ihrer Zunft zur damaligen Zeit scheute sich Germaine Dulac, die „Die Zigarette“ inszenierte, vor dramatisch überhöhten Gesten und Mimiken. Ihre Figuren wirken angenehm geerdet und werden von den Schauspielern, allen voran Gabriel Signoret als Pierre, mit einer stoischen Zurückhaltung gespielt, die das ganze Drama noch viel greifbarer macht. Hier wird nicht gehampelt und gehüpft, und auch Augen werden nur in wirklich nachvollziehbaren Fällen aufgerissen. Und damit wird das Spiel naturalistisch und authentisch. Auch die Story selbst weiß mit dem gelungenen Einsatz von Suspense und wirklich tollen Twists zu überzeugen. So ist der Film auch heute noch, 100 Jahren nach seiner Entstehung, ein Meisterwerk, das man sich als Film-Aficionado keinesfalls entgehen lassen sollte. Sofern man nicht einer militanten Nichtraucher-Lobby angehört.


8,5
von 10 Kürbissen

3 Kommentare

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