Alles ist gut (2018)

Regie: Eva Trobisch
Original-Titel: Alles ist gut
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: Alles ist gut


„Echt jetzt?“ Das sind die genervt ausgesprochenen zwei Worte, die Janne (Aenne Schwarz) noch anbringt, ehe ihr Bekannter Martin (Hans Löw) nach einer Party mit etwas zu viel Alkohol in sie eindringt. Das Problem bei der Geschichte ist: Dieser Koitus beruht nicht auf Konsens. Eva Trobisch erzählt in „Alles ist gut“ von den Folgen einer Vergewaltigung. Vom Weitermachen, nachdem für einen kurzen Moment eine ganze Welt zusammengebrochen ist und sich alles ein Stück weit verschoben hat: die Alltagssorgen, die eigene Wahrnehmung, das Selbstvertrauen, die Beziehung. Und das alles beschreibt Trobisch sehr unaufgeregt und nicht einmal mit einem halben Auge auf die #metoo-Debatte schielend – und gerade deshalb vielleicht einer der relevantesten Beiträge dazu überhaupt. Denn hier wird sexuelle Gewalt im Alltäglichen gezeigt. Der Angreifer ist kein gesichtsloses Monster, kein Arschloch. Er ist eigentlich ein netter Typ, der danach selbst mit sich hadert und seine Schuldgefühle mit sich schleppt. Das Problem: Er hätte sich das vorher überlegen müssen. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, und verzeihen kann man eine solche Tat nicht. Und Janne muss nun damit leben. Sie verkriecht sich nicht, sie wirkt nicht wie gelähmt – im Gegenteil, sie versucht, diese Nacht in den Untiefen ihres Ichs wegzusperren und weiterzumachen, denn das Leben geht nun mal weiter mit all seinen Herausforderungen und Problemen und Aufgaben. Allerdings ist das, was man so hart zu sich selbst einfach wegsperrt, nie ganz weg. Irgendwann kommt es wieder hoch, und dann beginnen die seelischen Verwundungen zu bluten, lange nachdem sie zugefügt wurden. „Alles ist gut“ zeigt, was diese strukturelle Art der Gewalt auf eine subtile Weise mit den Betroffenen macht. Dass er das kann, liegt vor allem an Aenne Schwarz. Denn diese spielt diese herausfordernde und vielschichtig angelegte Rolle mit all der Überzeugungskraft, die es dafür braucht. Ihre Janne ist verletzlich und stark, sie ist wehrhaft und dann auch wieder wehrlos, und ein einziger Blick von ihr sagt mehr, als ihr der beste Drehbuchautor in diesem Moment in den Mund legen könnte. Ganz ehrlich: Wäre ich ein renommierter Autorenfilmer, ich würde ein Drehbuch für ein 4-stündiges Epos schreiben, das all die widersprüchlichen Untiefen der menschlichen Seele frei legt, und Aenne Schwarz mit der Hauptrolle besetzen. Wahrscheinlich würde es sogar reichen, vier Stunden lang einfach nur die Kamera auf ihr Gesicht zu halten, und damit wäre alles gesagt.


7,5
von 10 Kürbissen

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