Womit haben wir das verdient? (2018)

Regie: Eva Spreitzhofer
Original-Titel: Womit haben wir das verdient?
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Komödie
IMDB-Link: Womit haben wir das verdient?


Fatima ist 16 Jahre alt, Muslima und hat gestern noch Nina geheißen, gekifft und die Schule geschwänzt. Jetzt zieht sie sich andere Drogen rein – Religion nämlich, und zwar den Islam. Was ihrer Mutter Wanda (Caroline Peters, die hier alle Register ihres Könnens zeigen darf) erst einmal sauer aufstößt, während der Vater und Ex-Mann (Simon Schwarz) gelassen reagiert. Aber eines lässt sich nicht leugnen: Der Haussegen der links-liberalen und atheistischen Patchwork-Familie hängt erst einmal schief, wenn da überhaupt jemals einer gehangen ist. Auf erstes Unverständnis folgt gut gemeinte, aber schlecht gedachte Toleranz und dann erst die eigentliche Beschäftigung mit dem Thema. Und die zeigt auf, dass Nina/Fatima (Chantal Zitzenbacher) auch noch nicht so richtig herausgefunden hat, worum es geht, was zu echt depperten Lebensentscheidungen führt. Und natürlich zu jeder Menge turbulenter Szenen und politisch inkorrekter, aber treffender Wortwitze. „Womit haben wir das verdient?“ von Eva Spreitzhofer ist eine überraschend gut gelungene Komödie, die die ganze Laufzeit über niveauvoll unterhalten kann und für etliche Lacher gut ist. Vor allem, wenn Simon Schwarz im Bild ist, der als Vater jede Szene stiehlt, in der er mitspielt, was aber Caroline Peters‘ Leistung nicht schmälern soll – sie muss vielschichtiger aufspielen, denn ihre Figur ist das Herzstück des Films. Auch der junge Angelo Konzett ist zu erwähnen – selten wurde ein mürrischer Teenager so authentisch verkörpert wie hier. Allerdings ist auch nicht alles rundum gelungen an diesem Film. Chantal Zitzenbacher wirkt als Nina/Fatima leider sehr aufgesetzt und anstrengend, und manche Dialogszenen sind zwar humorvoll vorgetragen, aber nicht immer stimmig. Auch die Demo am Ende regt zwar zum Schmunzeln an, aber man würde sich doch etwas mehr Biss wünschen. Wenn aber auf Youtube unter dem Trailer plötzlich überall blaune Wutbürger wie die Pilze aus dem Boden schießen und sich darüber echauffieren, dass der Film voller Klischees ist und gegen das arme Bürgertum hetzt, dann muss man doch ein bisschen schmunzeln und Eva Spreitzhofer zu einem gut gemachten und durchaus relevanten Beitrag zur aktuellen Islam-Diskussion gratulieren.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Luna Filmverleih)

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