Mary Shelley (2017)

Regie: Haifaa Al Mansour
Original-Titel: Mary Shelley
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Biopic, Drama, Liebesfilm, Historienfilm
IMDB-Link: Mary Shelley


Es hat eine Weile gedauert, bis dieser Streifen den Weg in unsere Lichtspielhäuser fand. Im September 2017 feierte „Mary Shelley“ von Haifaa Al Mansour in Toronto seine Premiere, im April 2018 lief der Film in Frankreich an, im Mai in den USA und nun, Ende Dezember, hat auch das deutschsprachige Publikum die Chance, der Entstehung eines Monsters beizuwohnen. Das Monster ist in diesem Fall die Liebesbeziehung zwischen Mary Godwin und Percy Shelley, deren emotionale Achterbahnfahrt schließlich in „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ mündet, vielleicht der beste und humanstischste Schauerroman, der jemals geschrieben wurde. Bis allerdings die Muse die 18jährige Mary (sehr bemüht verkörpert von Elle Fanning) packt, dauert es fast zwei Stunden. Denn im Grunde hat der Film wenig Interesse für den berühmten Roman, sondern fokussiert auf die Geschichte der späteren Mary Shelley, die in wilder Ehe gemeinsam mit ihrer Stiefschwester Claire Clairmont (Bel Powley) mit dem Dichter, Lebemann, Atheisten und rücksichtslosen Arschloch Percy Shelley (Douglas Booth, zu schön, um glaubhaft zu sein) zusammenlebt und versucht, an seiner Seite nicht komplett unterzugehen. In einem verregneten Sommer in Genf bei Lord Byron (Tom Sturridge) gehen schließlich die Wogen hoch, und ein Monster wird geboren. „Mary Shelley“ ist ein sehr bemühter Kostümfilm mit feministischer Agenda. Mary ist eine Suchende, die sich von gesellschaftlichen Konventionen nicht vorschreiben lässt, wie sie zu leben hat. Der Film hat allerdings ein gewaltiges Problem: Die Liebesgeschichte wird auf Rosamunde Pilcher-Niveau erzählt. Die Figuren, ihre Emotionen und Reaktionen, sind hoffnungslos überzeichnet, die Psychologie und damit die Glaubhaftigkeit leidet sehr darunter. Vor allem Douglas Booth ist überfordert, sein Percy Shelley gerät zur Witzfigur. Der Rest des Casts macht seine Sache gut, kann aber gegen diese schmalzige Inszenierung auch nicht viel ausrichten. Insofern: Wenn der Film am 14. Februar noch laufen sollte und ihr euer Valentinstag-Date klar gemacht habt, dann wäre dieser Anflug von Herzschmerz wahrscheinlich gerade passend. Ein guter Film ist „Mary Shelley“ trotz großem Potential allerdings nicht geworden.


4,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm Verleih)

5 Kommentare

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