Meine Filme des Jahres 2018

Ich war fleißig im Jahr 2018. Mit aktuell 292 gesichteten Filmen (davon 280 neuen und 12 Re-Watches) – und der eine oder andere Film wird heute Abend noch dazukommen – habe ich einen neuen Rekord aufgestellt. Der Dank gebührt den Filmfestivals Berlinale, Crossing Europe und /slash, die so freundlich waren, mir Presseakkreditierungen zu erteilen und damit den Wahnsinn zu befeuern. Für mein Best of 2018 habe ich mich nun auf jene Filme beschränkt, die ich 2018 neu in einem Kino gesehen habe (ihr wisst um meine Vorliebe für die große Leinwand) und die nicht im Rahmen einer Retrospektive gelaufen sind – immerhin eine stattliche Zahl von 143 Filmen. Es handelt sich dabei also nur um aktuelle Kinofilme, die 2018 regulär im Kino oder auf einem Festival liefen. (Einer meiner Lieblingsfilme des Jahres, Larisa Shepitkos „Aufstieg“ aus dem Jahr 1977, gesichtet im Gartenbaukino auf der Viennale, fällt damit durch den Rost, aber irgendwo muss man ja ansetzen). Wie letztes Jahr werde ich über meine Top10 etwas ausführlicher schreiben und bis zu den Top30 auflisten.

Und hier sind sie nun, die Top30 2018:

    1. Isle of Dogs – Ataris Reise (von Wes Anderson)
      Was soll ich sagen? Es ist Liebe. Hundeliebe. Der vielleicht Wes Anderson’schste Film, den Wes Anderson jemals gedreht hat. Wunderschöne, symmetrische Stop Motion-Bilder, die für Anderson typische Lakonie, die hier bis ins Extreme geführt wird, dazu eine herzergreifende Story und ein wundervoller Soundtrack. Es stimmt einfach alles bei diesem Film.
    2. Tito and the Birds (von Gabriel Bitar, André Catoto und Gustavo Steinberg)
      Eine absolute Überraschung des diesjährigen /slash-Festivals und erstaunlicherweise gleich der nächste Animationsfilm an der Spitze meiner Jahrescharts. Ein unglaublich vielschichtiger, kluger, relevanter und warmherziger Film. Ich hoffe, der ist auch außerhalb von Festivals irgendwann mal bei uns zu sehen.
    3. November (von Rainer Sarnet)
      Herausragend schöne Schwarz-Weiß-Bilder, dazu die interessante, befremdlich und doch vertraut wirkende baltische Mythologie und immer wieder recht lakonischer, schwarzer Humor. „November“ ist ein cineastisches Fest für die Augen, dessen Bilder noch lange präsent bleiben.
    4. A Woman Captured (von Bernadett Tuza-Ritter)
      Der eindrücklichste und am längsten nachhallende Dokumentarfilm, den ich dieses Jahr – und vielleicht sogar seit langem – gesehen habe. Ein absoluter Pflichtfilm in meinen Augen über ein tragisches Einzelschicksal, das stellvertretend für eine erschreckend hohe Zahl ähnlicher Schicksale steht, die mitten unter uns im Schatten verborgen sind.
    5. Leave No Trace (von Debra Granik)
      Ein wundervoller und zutiefst humanistischer Film über Familie, soziale Eingliederung und die Traumata, die wir mit uns schleppen. Großartig geschrieben und gespielt – und ich hoffe, das wird bei der kommenden Oscarverleihung auch honoriert.
    6. Der seidene Faden (von Paul Thomas Anderson)
      Handwerklich vielleicht das Beste, was ich dieses Jahr gesehen habe. Bilder, Ausstattung, Kostüme und vor allem der Sound ergeben ein wahres Kunstwerk von Film, das von exzellenten Schauspielerinnen und Schauspielern getragen wird. Der große Daniel Day-Lewis in seiner letzten Rolle haut noch einmal alles raus, was er kann.
    7. Glücklich wie Lazzaro (von Alice Rohrwacher)
      Der diesjährige Viennale-Eröffnungsfilm war gleichzeitig eines der ganz großen Highlights des Festivals. Eine wirklich ungewöhnliche und auch ungewöhnlich erzählte Geschichte, die lange nachwirkt und über die man anschließend noch stundenlang diskutieren kann aufgrund der vielen Ebenen und Deutungsmöglichkeiten.
    8. The Woman Who Left (von Lav Diaz)
      Mein erster Lav Diaz-Film, und wenn alle so gut sind, möchte ich seine ganze Filmografie nachholen ungeachtet der vielen Stunden, die es dafür benötigt. Eine Geschichte über Schuld, Rache und Vergebung – wunderbar unspektakulär und zutiefst humanistisch erzählt.
    9. Lady Bird (von Greta Gerwig)
      Der beste Coming of Age-Film seit Jahren, denn alle Figuren wirken durch und durch glaubhaft und werden unprätentiös gespielt. In diesem Film steckt viel Herzblut und großes Verständnis für die menschliche Seele und die kleinen und großen Probleme, die diese belasten.
    10. Avengers: Infinity War (von Anthony und Joe Russo)
      Schlicht und ergreifend DER Blockbuster des Jahres. Herausragend inszenierte Action, trotz des ganzen Figurengewusels immer mit Überblick, mit einem der interessantesten Schurken des Blockbuster-Kinos überhaupt, klug inszeniert und mit einem Ende, das auch heute noch wild diskutiert wird.
    11. The Killing of a Sacred Deer (von Giorgos Lanthimos)
    12. A Beautiful Day (von Lynne Ramsay)
    13. Augenblicke: Gesichter einer Reise (von Agnès Varda und JR)
    14. 303 (von Hans Weingartner)
    15. The Rider (von Chloé Zhao)
    16. Bohemian Rhapsody (von Bryan Singer)
    17. Duty (von Annemarie Jacir)
    18. Gegen den Strom (von Benedikt Erlingsson)
    19. Waldheims Walzer (von Ruth Beckermann)
    20. Zama (von Lucrecia Martel)
    21. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (von Martin McDonagh)
    22. Foxtrot (von Samuel Maoz)
    23. The Sisters Brothers (von Jacques Audiard)
    24. Our Time (von Carlos Reygadas)
    25. Brothers‘ Nest (von Clayton Jacobson)
    26. Teheran Tabu (von Ali Soozandeh)
    27. Matangi / Maya / M.I.A. (von Steve Loveridge)
    28. Don’t worry, weglaufen geht nicht (von Gus van Sant)
    29. I, Tonya (von Craig Gillespie)
    30. The Man Who Killed Don Quixote (von Terry Gilliam)

Ehrenvolle Erwähnungen (mit einer Bewertung von 7,5 Punkten) gibt es für diese Filme, die es knapp nicht in die Top30 geschafft haben, die aber dennoch rundum zu empfehlen sind: Loving Vincent, Die dunkelste Stunde, Der Buchladen der Florence Green, Die defekte Katze, Draußen, Schwein, L’Animale, Ready Player One, Das Mädchen aus dem Norden, Something Useful, Cobain, Double Date, Good Favour, Deadpool 2, Tully, Am Strand, Nico, 1988, Border, Bad Times at the El Royale, Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen, Alles ist gut.

Und für alle, die es noch interessiert und die wissen wollen, wo auch nächstes Jahr die Wahrscheinlichkeit am größten ist, mir zu begegnen, hier noch die Auflistung, auf welche Kinos ich meine Kino-Liebe aufgeteilt habe (beschränkt auf Wien, aber inklusive der Wiener Filmfestivals):

Gartenbaukino: 18 Besuche
Filmmuseum: 12 Besuche
Haydn Kino: 11 Besuche
Filmcasino: 11 Besuche
Artis International: 10 Besuche
Metro Kinokulturhaus: 10 Besuche
Stadtkino im Künstlerhaus: 8 Besuche
Village W3: 8 Besuche
Burg Kino: 7 Besuche
Urania: 6 Besuche
Votivkino: 5 Besuche
Apollo: 4 Besuche
Admiral: 3 Besuche
Topkino: 3 Besuche
Actor’s Studio: 2 Besuche
DeFrance: 2 Besuche
Filmhaus am Spittelberg: 2 Besuche
Gasometer: 1 Besuch
Lugner Kino: 1 Besuch
UCI Millenium City: 1 Besuch
Kino wie noch nie / Augarten: 1 Besuch

Eines ist klar: 2019 werde ich etwas kürzer treten – immerhin steht auch noch der Re-Watch von Game of Thrones vor der finalen 8. Staffel an. ;-)

8 Kommentare

    1. Vielen Dank für deine netten Worte! Was den Blog betrifft, so betreibe ich den tatsächlich einfach, weil’s mir Spaß geht. Und wenn ich damit den einen oder anderen Leser unterhalten kann, ist eigentlich mein Ziel schon erreicht. :-) Jetzt würde mich aber natürlich noch interessieren, welche zwei Filme der Top30 du gesehen hast.

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      1. Three Billboards und I, Tonya, die mir beide sehr gut gefallen haben. Vom Rest steht noch einiges auf meiner gedachten Liste, was ich irgendwann ansehen werde. Aber Kino ist zur Zeit leider eher mau und selten angesagt.

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  1. Fast 300 Film! Unfassbar! Wie schaffst du das? Das ist ja fast jeden Tag ein Film. Von deiner Top-Liste habe ich fast noch nichts gesehen. Ist aber auch kein Wunder, da ich nur 2x im Kino war… ;)

    Danke für die Tipps! Da habe ich 2019 einiges nachzuholen.

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    1. Viel geht tatsächlich auf den Festivals. Auf der Viennale beispielsweise komme ich dann schon mal auf 25-30 Filme in zwei Wochen. Das sind dann immer so konzentrierte Phasen. Und ansonsten schaue ich halt gerne mal am Abend einen Film, wenn ich sonst gerade nichts vorhabe – mal im Rahmen eines spontanen Kinobesuchs nach der Arbeit, mal zuhause auf der Couch. Das sind dann drei bis vier Filme in der Woche (was sich nicht mehr ganz so verrückt anhört. ;-) ). Zusammen mit den Filmfestivals kommt dann eben diese Summe raus.

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      1. Okay, das ist verständlich. Und nicht falsch verstehen: Ich finde das super und würde es vermutlich gerne ähnlich machen (also zumindest drei bis vier Filme pro Woche), aber irgendwie haut das nicht hin. Klasse!

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      2. Nachdem ich gerade deinen Blogeintrag übers Laufen gesehen habe, ist mir auch klar, warum. Respekt für diese Sportlichkeit, wirklich! Das wäre für mich ein klassisches Suizidkommando, wenn ich auch nur versuchen würde, eine Woche von dir zu kopieren.

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      3. Wie schon drüben geschrieben: Laufen gehe ich ja eher morgens oder am frühen Abend — also zu Zeiten, zu denen ich keine Filme schauen würden. Diese beiden Hobbies kommen sich also eher weniger in die Quere… ;)

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