Joy (2018)

Regie: Sudabeh Mortezai
Original-Titel: Joy
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: Joy


Man hat’s nicht leicht mit dem österreichischen Film. Wenn man versehentlich ein Werk wie „Joy“ von Sudabeh Mortezai in der falschen Stimmung ansieht, schlittert man ungebremst in eine veritable Existenzkrise. Die richtige Stimmung für einen solchen Film: Euphorisch, aufgekratzt, wie auf Wolken schwebend. Denn der Film zieht einen unweigerlich hinunter, sodass man Ende wie ein begossener Pudel aus dem Kino schleicht. Und jetzt stellt euch mal vor, was passieren würde, ginge man bereits mit einer depressiven Grundstimmung da hinein. Ich will es mir lieber nicht ausmalen. Jedenfalls ist „Joy“ ein interessanter Beitrag, aber schwere Kost. Der Film zeigt in seinem dokumentarisch wirkenden Ansatz (der leider dramaturgisch auch zu Verschleppungen und Redundanzen führt) das Leben der Wiener Prostituierten Joy, die über einen Schlepperring von Nigeria nach Österreich kam und nun die Schulden bei ihrer Zuhälterin abstottern muss. Das System ist fies. Jungen Mädchen werden in Nigeria Versprechungen von hochbezahlten und guten Jobs als Dienstmädchen, Köchinnen und Reinigungskräften in Aussicht gestellt, dann verlangt man für den Transfer nach Europa mehr, als sie sich jemals leisten können, also stehen sie bei ihren künftigen Zuhältern von Anfang an in der Kreide. Damit die Mädels nicht auf dumme Gedanken kommen, belegt sie eine Art Voodoo-Priester noch mit einem Fluch, der dafür sorgt, dass es ihrer Familie an den Kragen geht, wenn sie vor Rückzahlung des letzten Cents abhauen. Joy, die schon lange Jahre anschafft, ist ein alter Hase und weiß sich mittlerweile zu wehren. Sie bekommt die junge Precious unter ihre Obhut gestellt, um die sie sich fortan kümmern muss. Der Film zeigt dabei so ziemlich alle Widrigkeiten, die einer afrikanischen Prostituierten am Wiener Straßenstrich widerfahren können. Nichts wird ausgespart. Und trifft immer wieder die Magengrube des Zusehers. All das wirkt gut recherchiert und glaubhaft – und damit umso erschreckender. Leider aber schleppt sich der Film dramaturgisch mit einem Hinken durch seine Laufzeit. Viele einzelne Szenen greifen nicht wirklich ineinander, vieles hätte man auch einfach aussparen können. Aber dennoch ein durchaus sehenswerter Film – wenn man ihn eben, siehe oben, in einer gefestigten Stimmung sieht.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

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