Lampenfieber (2019)

Regie: Alice Agneskirchner
Original-Titel: Lampenfieber
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Lampenfieber


Der Friedrichstadt-Palast in Berlin ist die Heimat des größten Jugendtheaters Europas. Einmal im Jahr findet die große Aufführung vor 1.800 Menschen im Publikum statt. Alice Agneskirchner folgt mit ihrer Kamera einigen Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Jahren, die es geschafft haben, ins Ensemble aufgenommen zu werden, ein Jahr lang – von den Aufnahmeprüfungen bis zum großen Auftritt. Sie konzentriert sich dabei nicht ausschließlich auf die Proben und das Geschehen im Theater selbst, auch wenn diese natürlich einen großen Raum einnehmen, sondern folgt den Kindern auch nach Hause und stellt sie und ihre Lebensumstände den Zusehern vor. Und diese sind manchmal nicht einfach. Da gibt es frühe Krebstode von Eltern zu verkraften oder auch aktuelle Krebserkrankungen, da gibt es die syrische Migrantenfamilie, wo die Großeltern noch in Syrien leben und nur per Skype präsent sind, da gibt es Dreifachbelastungen durch Schule, Theater und weitere zeitaufwändige Tätigkeiten wie das Schauspiel oder Mode-Bloggen nebenbei. Schnell wird sichtbar, welchen Belastungen Kinder und Jugendliche heutzutage ausgesetzt sein können, ohne dass mit dem Finger auf Verantwortliche gezeigt oder auf die Tränendrüse gedrückt wird. Alice Agneskirchner hält einfach (und unprätentiös) fest: Das ist das Leben. Manches davon suchen wir uns selbst aus (und auch das kann belastend sein), manches kommt auf uns niedergeprasselt. Und manchmal ist es auch einfach zu viel. So zeigt Agneskirchner nicht nur den Erfolg der Kinder bei der Theaterproduktion, sondern auch den Misserfolg, das Scheitern, wenn ein Kind aufgrund der zu großen Belastungen dann doch aus dem Ensemble genommen wird, um es nicht noch mehr zu beanspruchen. Insgesamt ist „Lampenfieber“ eine erfrischende und sympathische Produktion, handwerklich solide und konventionell gemacht. Kein Meilenstein, aber auch kein Film, der mehr sein will als er ist – und damit eine Atempause zwischen all den symbolisch aufgeladenen dramatischen Filmen, die man auf der Berlinale sonst so serviert bekommt.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: gebrueder beetz filmproduktion)

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