Daniel (2018)

Regie: Marine Atlan
Original-Titel: Daniel fait face
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: Daniel fait face


Daniel ist ein stiller, introvertierter Schüler, der gern allein durch das Schulgebäude streift. Als in einem Saal plötzlich eine Tür zuschlägt, flüchtet er panisch in den Umkleideraum. Dort ist seine Mitschülerin Marthe, die ihn nicht bemerkt. Sie zieht sich gerade für eine Theaterprobe um. Und Daniel versteckt sich, beobachtet sie, die Halbnackte: der erste Blick auf einen Mädchenkörper. Irgendwann treibt ihn das Schuldgefühl hoch, er zeigt sich ihr. Sie, geschockt, rennt davon. Dann die Probe. Daniel ist immer noch ziemlich aus dem Konzept. Und Marthe fand die Episode in der Umkleide gar nicht lustig, was Daniel schon bald zu spüren bekommt. „Daniel“, der erste Langfilm von Marine Atlan, ist sehr knapp und präzise gehalten. Dieser Film hat kein Gramm Fett. Mit wenigen Federstrichen sind die Figuren eingeführt und lebendig. Einzelne Andeutungen reichen aus, um dem Zuseher begreifbar zu machen, worum es in diesem Film geht: Nämlich nicht weniger als den Verlust der kindlichen Unschuld. Und wenn dann die Sirenen losheulen, um eine Terrorübung an der Schule anzukündigen, fühlt man den Bruch in Daniels Leben, der durch sein Spannen zu einem sexuellen Wesen geworden ist. Plötzlich hat das, was man tut, Konsequenzen, die man vielleicht sogar das ganze Leben mit sich schleppen muss. Die vage, kaum greifbare Atmosphäre der Bedrohung, die zu Beginn über dem Schulgebäude liegt und Türen und Fenster knallen lässt, entpuppt sich als Pforte ins Erwachsenenleben, und bedroht ist die Kindheit, die Unschuld. Nichts wird danach mehr so sein wie früher. „Daniel“ ist ein wunderbar konsequenter Film, der sich zunächst sehr unspektakulär anfühlt, aber dann doch lange nachhallt. Ein erstes Highlight meiner diesjährigen Berlinale.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: bathysphere)

2 Kommentare

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