Capernaum – Stadt der Hoffnung (2018)

Regie: Nadine Labaki
Original-Titel: Capharnaüm
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: Capharnaüm


Der Libanon hat cineastisch einen Lauf. Erst letztes Jahr wurde mit „The Insult“ von Ziad Doueiri der erste libanesische Film für einen Oscar nominiert, und dieses Jahr legt Nadine Labaki mit „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ diesbezüglich nach. Auch wenn die Chancen gegen den großen Favoriten Roma von Alfonso Cuarón schlecht stehen, kann sich diese Serie durchaus blicken lassen. Um den ehemaligen Skifahrer Rudi Nierlich zu zitieren: Wonn’s laft, donn laft’s. „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ ist ein aufwühlender und richtig guter Film, der sich zurecht in der Reihe der nominierten Filme befindet. Allerdings gehört er auch zu den Filmen, die man kaum mehr als ein einziges Mal sehen möchte. Und man sollte ihn nicht anschauen, wenn man gerade selbst mit Weltschmerz zu kämpfen hat. Die Geschichte ist nämlich harter Stoff. Erzählt wird vom 12jährigen Zain, der im Jugendgefängnis einsitzt, weil er einen Mann niedergestochen hat. Nun verklagt er seine Eltern dafür, dass sie ihn geboren haben. Soweit die Rahmenhandlung. Nadine Labaki rollt dann chronologisch auf, wie es dazu gekommen ist – beginnend bei der vielköpfigen syrischen Flüchtlingsfamilie, die unter ärmlichsten Verhältnissen lebt. Zains Lieblingsschwester Sahar wird nach Eintreten der Regelblutung an den Besitzer der Wohnung verhökert. Zain selbst haut im Streit mit seinen Eltern ab und wird von der äthiopischen Illegalen Rahil aufgenommen. Die hat ein kleines Kind, Yonas. Doch eines Tages wird Rahil festgenommen, und Zain versucht, sich mit Yonas allein durchzuschlagen. Er plant die Flucht nach Schweden, doch als er nach langer Zeit wieder in der Wohnung seiner Eltern vorbeikommt, um seine Papiere zu holen, kommt es zur Katastrophe. „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ ist ein Film, der direkt auf die Magengrube zielt, ohne allerdings allzu sehr in den Verdacht zu geraten, aus der Armut der gezeigten Protagonisten Kapital schlagen zu wollen. Zu ehrlich, zu gut recherchiert fühlt sich der Film an. Und auch wenn der Film vor allem im ersten Drittel einige Längen aufweist, zieht einen die Geschichte unweigerlich in ihren Bann. Ich fühlte mich definitiv nicht gut, als ich den Kinosaal nach dem Abspann verließ. Aber ich war trotzdem froh, den Film gesehen zu haben.


7,5
von 10 Kürbissen

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