Der Erlkönig (1930)

Regie: Marie-Louise Iribe
Original-Titel: Le Roi des Aulnes
Erscheinungsjahr: 1930
Genre: Drama, Fantasy
IMDB-Link: Le Roi des Aulnes


Die Erlkönig-Ballade von Johann Wolfgang von Goethe dürfte noch den meisten aus der Schule bekannt sein. Weniger bekannt ist Marie-Louise Iribes Verfilmung aus den 30er Jahren. Diese galt es auf der DVD-Anthologie „Early Women Filmmakers“ zu entdecken – wie auch schon so manch andere Perle, die sich darauf befindet. (Und ja, das ist jetzt schamlose, aber leider unbezahlte Werbung.) Aber zurück zu Goethes Fiebertraum und dessen filmische Umsetzung durch eine der Pionierinnen der Filmgeschichte. Die Handlung überrascht wohl niemanden, der damals im Deutsch-Unterricht nicht weggedämmert ist, als die Ballade durchgenommen wurde: Ein Mann reitet mit seinem kranken Kind durch die Nacht und den Wald („Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“) und wird dabei vom „Erlkönig“ (dem König der Elfen) verfolgt, der seine Hand nach dem Jungen ausstreckt. Der Vater schenkt den Ängsten seines Sohnes, der die Verfolgung spürt, keinen Glauben. Doch am Morgen, als der Mann erschöpft das Dorf erreicht, ist das Kind tot, der Erlkönig hat es sich geholt. Die Stimmung, die Marie-Louise Iribe in ihrem Film anlegt, ist dementsprechend düster und geheimnisvoll mit Anklängen des frühen Horrorfilms. Der Wald wird hier zu einem weiteren Protagonisten der Handlung. Allein die Bilder sorgen schon dafür, dass man den Film gerne und interessiert sieht. Handwerklich ist das mehr als solide gemacht. Ein Problem hat der Film nur dabei, dass er sich etwas zu sklavisch an die literarische Vorlage hält. Und diese erzählt halt eben nur in acht knappen Strophen davon, dass der Kerl mit seinem Sohn durch den Wald reitet und von dem Erlkönig mit seinen Geistern und Dämonen verfolgt wird. Das bedeutet dann in diesem Fall, dass der Film genau das zeigt. Einen Ritt durch den Wald. Und das eine Stunde lang. Entweder eine weitere Ebene (vielleicht in Form von Marie-Louise Iribes eigener Interpretation) oder eine straffe Kürzung zu einem Kurzfilm hätte dem Film wirklich gut getan. So ist „Le Roi des Aulnes“, wie der französische Originaltitel heißt, zwar für Cineasten von Interesse, aber nicht unbedingt der Film, der einem einfällt, wenn man sich im Freundeskreis am Sonntag mal einen lustigen Filmabend machen möchte.


6,0
von 10 Kürbissen

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