Thithi (2015)

Regie: Raam Reddy
Original-Titel: Thithi
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Thithi


Wegen solchen Filmen liebe ich Filmfestivals. Wann hat man sonst schon die Gelegenheit, ein indisches Familiendrama am Land zu sehen außer beispielsweise auf der Viennale? Dass Netflix diesen Film mittlerweile auch ins Programm aufgenommen hat, ist ein seltener Glücksfall, denn damit war wirklich nicht zu rechnen. Aber worum geht es in „Thithi“? Der 101jährige Dorfälteste hatte gerade noch Zeit, eine unflätige Schimpfkanonade auf jeden, der zufällig seinen Weg kreuzt, abzufeuern, ehe er nach langem und erfülltem Leben dann doch das Zeitliche segnet. Dessen Sohn, selbst schon ein alter Mann, nimmt das gelassen. Er will lieber gemütlich am Feld unter Bäumen sitzen, was rauchen und sich gelegentlich einen Schluck aus seinem Flachmann genehmigen. Blöd nur, dass dessen Sohn wiederum, der Enkel des Verblichenen also, gerade Geldsorgen hat, die ein Verkauf des Familiengrundstücks lösen würde. Nur sein Vater, der eigentliche Erbe, will davon nichts wissen, weil ihn solche profanen weltlichen Dinge einfach nicht mehr interessieren. Was tun? Na ja, mit ein bisschen Geld und Beziehungen und Erfindungsreichtum lassen sich auch in Indien gefälschte Dokumente wie zB ein Totenschein des quietschfidelen Vaters ausstellen. So weit, so gut. Nur muss jetzt der Vater verschwinden, um keinen Verdacht zu erwecken, am besten auf eine ausgedehnte Reise. Er wollte ja eh immer das Land sehen. Weit kommt er allerdings nicht, da er sich kurzerhand einer Gruppe von Schäfern anschließt, die unweit des Dorfes campieren. Beim Thithi für den verstorbenen Ahnen (eine Art Gedenkfest) kommt es zum unvermeidlichen Chaos. „Thithi“ hat alles: Eine kluge, interessante Geschichte, tolle Darsteller, einen spannenden Einblick in eine fremde Welt und eine Unzahl an Schafen, Ziegen und Handys. Trotz aller Fremdheit sind die Themen vertraut: Geldsorgen. Sorgen mit der lieben Verwandtschaft. Erste Liebe (den Urenkel des Toten erwischt es). Und der Versuch, in all dem Chaos immer noch einen Überblick zu behalten, die Fäden des eigenen Lebens zu ziehen. Vielleicht ist „Thithi“ einen Tick zu lang, aber eine lohnenswerte Erfahrung ist er allemal.

 


7,5
von 10 Kürbissen

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s