Tomka and His Friends (1977)

Regie: Xhanfise Keko
Original-Titel: Tomka dhe shokët e tij
Erscheinungsjahr: 1977
Genre: Drama, Kriegsfilm
IMDB-Link: Tomka dhe shokët e tij


Spannend an Filmfestivals sind auch die Retrospektiven und Tributes, bei denen man Filmemacher und Filmemacherinnen entdecken kann, von denen man noch nie etwas gehört hat und von denen man sonst auch nie etwas gehört hätte. Die albanische Regisseurin Xhanfise Keko gehört zu dieser Kategorie. Ihr Film „Tomka and His Friends“ aus dem Jahr 1977 gilt als ein Meisterwerk des albanischen Films. Erzählt wird darin eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, als die deutsche Wehrmacht in der pittoresken Stadt Berut einmarschiert und dort ein Lager errichtet. Der junge Tomka und seine Freunde (darunter der treue Hund Luli, der im Grunde alle Szenen stiehlt, in denen er zu sehen ist) sind davon wenig begeistert. Denn zum Einen verachten sie die Faschisten ohnehin – viele ihrer Angehörigen sind auch im Untergrund bei den Partisanen tätig. Und zum Anderen fällt diesen immer nur im Befehlston herumschreienden Soldaten nichts Besseres ein, als ihr Lager auf dem einzigen Spielplatz der Stadt zu errichten. Also leistet man subversiven Widerstand, indem man vor dem Lager Fußball spielt und auf das rauf und runter gespielte Lied „In der Heimat“ mit lautem Gesang von Partisanenliedern antwortet. Einzig der schwarze Wachhund Gof (der eine entzückend gespielte Sterbeszene hinlegen darf) bereitet den Burschen Kopfzerbrechen. Dann ergibt sich auf einmal die Chance, für die Partisanen tätig zu werden und ihnen zu helfen, die Deutschen zu bekämpfen. „Tomka and His Friends“ ist charmant erzählt, ohne aber die Brisanz seiner Geschichte zu verleugnen. Dennoch blickt der Film mit viel Optimismus (und Patriotismus) auf diese Zeit zurück. Tomka dient dabei prächtig als Identifikationsfigur. Vielleicht mag man diese Art von Filmen als Geschichtsverklärung bezeichnen. Die albanische Filmexpertin Iris Elezi, die dieses Special kuratierte, verschwieg diese Problematik in ihrer Einleitung nicht. Denn natürlich gab es auch in Albanien Kollaborateure, die mit den Nazis zusammenarbeiteten. Natürlich gab es unmenschliche Verbrechen und viele Tote auf beiden Seiten. Aber vielleicht tut es einfach auch mal gut, einem jungen Helden wie Tomka auf der Leinwand zusehen zu dürfen, wie er mit seinen Freunden den Schergen mit Humor und Gewitztheit entgegentritt.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: CROSSING EUROPE Filmfestival)

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