Home Games (2018)

Regie: Alisa Kovalenko
Original-Titel: Domashni Igri
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Domashni Igri


Die 20jährige Alina möchte eine der besten Fußballspielerinnen der Ukraine werden und es bis ins Nationalteam schaffen. Das Talent und den Willen dazu hat sie. Was sie aber auch hat: Eine alkoholkranke Mutter, einen so gut wie immer abwesenden Vater, der keinen Cent von dem Geld, das er verdient, nach Hause bringt, zwei deutlich jüngere Geschwister und eine Großmutter, die zwar mit Ratschlägen, aber nicht mit Taten weiterhelfen kann. Und dann stirbt auch noch die Mutter. Alisa Kovalenko, die Regisseurin von „Home Games“ ist mit ihrer Kamera immer dabei: Auf dem Feld, wenn Alina ihre Wut auf das Leben in Energie im Spiel ummünzt, beim Begräbnis der Mutter, bei der Konfrontation mit dem Vater (dessen Charakter am deutlichsten sichtbar wird, als er sich nach einem Streit mit seiner Tochter aus dem Staub macht, sich dabei aber noch Zeit nimmt, sich an der Tür umzudrehen, in die Kamera zu blicken und der dahinter befindlichen jungen und hübschen Filmemacherin zuzwinkert), vor allem aber bei den Versuchen, die beiden Geschwister aufzuziehen. Die Familie lebt deutlich unter der Armutsgrenze. Hilfe gibt es keine. Der Tod der Mutter, die zumindest einen Teil der Verantwortung getragen hat, führt dazu, dass Alina alle Hände voll hat, den Alltag zu organisieren. Für Fußball bleibt da kaum mehr Platz. Stirbt damit ihr großer Traum und vielleicht die einzige Chance, der Armut zu entfliehen? Alisa Kovalenko hat einen sehr intimen Film gedreht. Das Vertrauen, das ihr Alina und ihre Familie entgegenbringen, ist enorm. Dadurch ist die Regisseurin immer und überall hautnah dran, ist dabei aber unsichtbar. Man könnte dem Film vielleicht zum Vorwurf machen, einen voyeuristischen Blick auf eine Familie in Armut zu werfen. Man könnte aber auch einfach ein respektvolles Porträt einer starken jungen Frau sehen, die zwar versucht, ihren Traum zu leben, gleichzeitig aber Verantwortung übernimmt, als es nötig ist, so schwer das manchmal auch fällt.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: CROSSING EUROPE Filmfestival)

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