Transnistra (2019)

Regie: Anna Eborn
Original-Titel: Transnistra
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Transnistra


Transnistrien ist eine sehr stark russisch geprägte Region in Moldawien, die auf eine sehr wechselhafte und problembehaftete Geschichte zurückblickt Anfang der 90er Jahre kam es im Zuge des Unabhängigkeitsstrebens von Transnistrien zu einem kriegerischen Konflikt zwischen der Region und dem Staat Moldawien. Etwa 500 Menschen starben damals. Und so richtig leiwand haben es die Leute auch heute nicht. Das alles wäre zwar spannend für eine filmische Aufarbeitung, aber daran ist Regisseurin Anna Eborn nicht interessiert. Vielmehr geht es ihr um eine Gruppe von Jugendlichen und ihren Träumen von einem besseren Leben. Im Mittelpunkt stehen dabei Tanja und Tolya. Tanja weiß nicht so recht, was sie will – so hüpft sie von einem Typen zum nächsten – und doch ist es sie, die am Ende die konkreteste Veränderung durchmacht. Tolya wirkt einfältig und ebenso ziellos, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Diese Ziellosigkeit, die man anfangs an ihm wahrnimmt, entpuppt sich aber im Laufe der Erzählung als Desillusionierung. Die wohl größte Stärke des Films ist es, dass er das alles nicht plakativ aufrollt, sondern sich diese Aspekte erst nach und nach in den Gesprächen der Jugendlichen untereinander entfalten. Anna Eborn zeigt hauptsächlich die Freundschaften, wie sie sich entwickeln und verändern, wie man die Zeit miteinander totschlägt, wie neue Allianzen geschmiedet werden und alte Freundschaften in die Brüche gehen – das normale Leben von Jugendlichen eben. Über diesen Zugang findet sie schließlich zum Blick auf die Zukunft dieser jungen Menschen und damit den Kern ihres FIlms – und der ist wahrlich nicht rosig. Trotzdem ist „Transnistra“ kein Feel-Bad-Movie, sondern hauptsächlich ein intimes Porträt von Freundschaften in prekären Verhältnissen. Allerdings tröpfelt die Erzählung manchmal etwas zu langatmig vor sich her. Und gerade die komplette Auslassung der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und vor allem geschichtlichen Hintergründe zu der Region, in der der Film spielt, lassen den Zuseher nur schwer ins Geschehen finden und erschweren das Verständnis. Wer etwas über Transnistrien wissen möchte, um eine Vorstellung davon zu bekommen, warum diese Jugendlichen so desillusioniert auf ihre Zukunft blicken, muss anschließend Google und Wikipedia bemühen – so wie ich.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: CROSSING EUROPE Filmfestival)

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