Nur eine Frau (2019)

Regie: Sherry Hormann
Original-Titel: Nur eine Frau
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama
IMDB-Link: Nur eine Frau


Im Februar 2005 wurde in Berlin die 23jährige Türkin Hatun Aynur Sürücü von ihrem Bruder erschossen. Der Grund dafür: Ein Ehrenmord. Mit ihrem selbstbestimmten Leben hatte Hatun Sürücü die Ehre ihrer Familie beleidigt. Dieses Thema griff schon Feo Aladag 2010 in ihrem Film Die Fremde auf. Doch während Aladag die Geschichte abgewandelt erzählte und sich nur von dem realen Mord an Sürücü inspirieren ließ, bringt Sherry Hormann nun die wahre Geschichte der jungen Frau auf die Leinwand – so wahr Filmbiographien halt sein können. Der Kunstgriff, Hatun Sürücü, die von allen Aynur genannt wird, nach ihrem Tod selbst aus dem Off erzählen zu lassen, erweist sich allerdings als wenig hilfreich. Denn von Beginn an fühlt sich der Film dadurch artifiziell an. Ja, Sam Mendes hat das in „American Beauty“ auch gemacht, und er ist damit durchgekommen, aber dort war die Stimme aus dem Off organischer eingearbeitet. Sherry Hormanns Aynur hingegen klingt beliebig und kommentiert in einer Nüchternheit, die Distanz schafft. Auch die Entscheidung, die Geschichte immer wieder durch Fotos zu erzählen statt durch Bewegtbilder, wirft den Zuseher raus. Am fatalsten ist es aber aus meiner Sicht, immer wieder Aufnahmen (Fotos und Videoaufzeichnungen) der realen Aynur Sürücü und deren Umfeld einzuflechten. Es wirkt so, als müsse uns Sherry Hormann immer wieder darauf hinweisen: „Seht nur, das ist tatsächlich alles passiert!“ Nur leider lenkt dieser Kniff von der Geschichte ab. Auch handwerklich ist das alles eher mau geraten. Echte Schnitzer wie beispielsweise moderne Autos aus unserem Jahrzehnt, die durch das Berlin des Jahres 1998 fahren, oder Plakate, die Veranstaltungen im Jahr 2018 ankündigen, während die Geschichte gerade im Jahr 2002 angelangt ist, dürfen auf einem solchen Niveau einfach nicht passieren. Und so ist „Nur eine Frau“ trotz des wichtigen Themas leider eine dröge Nacherzählung mit stilistisch unzureichenden Mitteln. Wer sich wirklich mit dem Thema und den Hintergründen dazu beschäftigen möchte, sollte sich lieber Feo Aladags Films ansehen.


3,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

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