Der Fall Collini (2019)

Regie: Marco Kreuzpaintner
Original-Titel: Der Fall Collini
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi
IMDB-Link: Der Fall Collini


Zugegeben, meine Erwartungshaltung für diesen Film war gedämpft. Ich bin nicht unbedingt ein großer Krimi-Fan, und auch wenn Ferdinand von Schirachs Bücher einen guten Ruf genießen, so war ich angesichts der Verfilmung seines Romans „Der Fall Collini“ im Vorfeld nicht unbedingt euphorisch. Wenn mich der Kollege vom Filmgenuss nicht mitgenommen hätte, wäre dieser Film wohl unbesehen an mir vorbeigegangen. Allerdings hätte ich dann durchaus einen Filmgenuss verpasst. (Hö hö hö, samma wieder witzig heute). „Der Fall Collini“ von Marco Kreuzpaintner ist natürlich vordergründig erst einmal ein klassischer Justiz-Krimi. Der junge Rechtsanwalt Caspar Leinen, gespielt von Elyas M’Barek, bekommt eine Pflichtverteidigung aufs Auge gedrückt, dessen Tragweite er erst nach und nach begreift. Der Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) hat in einem Hotelzimmer den Industriellen Jean-Baptiste Meyer erschossen. Was Leinen zu Beginn nicht mitbekommt: Er selbst kennt diesen Meyer sehr gut, war von Kindheit an freundschaftlich mit ihm verbunden, ja, sogar eine Art Vaterersatz war dieser Meyer für ihn. Allerdings kannte er ihn – wie alle in seinem Umfeld – unter dem Namen Hans Meyer. Dennoch nimmt er die Pflichtverteidigung an. Beggars can’t be choosers. Und außerdem wird er als Verteidiger ohnehin immer wieder Leute verteidigen müssen, die ihm nicht zu Gesicht stehen, wie der Rechtsprofessor Dr. Mattinger (Heiner Lauterbach mit Prinz Eisenherz-Gedächtnisfrisur) einwendet, also warum nicht gleich damit beginnen? In weiterer Folge entspinnt sich ein spannendes, in gedämpften Farben gefilmtes Gerichtsdrama, das sich qualitativ vor Hollywood-Produktionen nicht zu verstecken braucht. Schauspielerisch ist zwar noch Luft nach oben (so spielt Elyas M’Barek sympathisch, aber recht eindimensional, Alexandra Maria Lara als Enkelin des Ermordeten ist bemüht, kommt aber gegen eine unrund geschriebene Figur nicht wirklich an, und Heiner Lauterbach ist in der Rolle als zynischer, aalglatter Rechtsgelehrter eine ziemliche Vorgabe – einzig Franco Nero brilliert wirklich) und auch manche Wendungen sind dann doch recht vorhersehbar, aber der Spannungsbogen wird dennoch ständig hochgehalten und etliche übliche Klischeefallen wie etwa potentielle Love Interests vermeidet der Film gekonnt. Die Auflösung ist berührend und nachvollziehbar. Ich sag’s ja seit Jahren: In Deutschland werden wirklich gute Filme gedreht. Man muss nur wissen, welche.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin)

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