Fortunata (2017)

Regie: Sergio Castellitto
Original-Titel: Fortunata
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama
IMDB-Link: Fortunata


Fortunata (Jasmine Trinca) ist etwa so tiefenentspannt wie ein Eichhörnchen auf Speed. Gegen ihre stakkatoartig herausgeschossenen Dialogzeilen wirken die Gilmore Girls, als würde Alexander Van der Bellen seine alljährliche Neujahrsansprache halten. Die junge Frau steckt gerade in einer ziemlich hässlichen Scheidung von ihrem Mann Franco (Edoardo Pesce, dessen Rolle arg eindimensional angelegt ist), die 8-jährige Tochter Barbara (Nicole Centanni) leidet darunter, während Fortunata versucht, gemeinsam mit ihrem Jugendfreund und Nachbarn Chicano (Alessandro Borghi) einen Friseursalon zu eröffnen (für den aber das Geld fehlt) – mit einem Wort: die Lage ist fatal. Da hilft nur eins: Ein Banküberfall! (Ähm … falscher Film, sorry. Das Abschiedskonzert der EAV am Freitag hat so seine Spuren hinterlassen.) Also nein, kein Banküberfall. Aber ein Silberstreif am Horizont zeigt sich in Form des attraktiven Kinderpsychiaters Patrizio (Stefano Accorsi), der sich um die seelischen Wunden ihrer Tochter kümmert. Vielleicht hat Fortunata, die Glückliche, nun doch einmal Glück in ihrem Leben?

An sich hätte „Fortunata“ von Sergio Castellitto gute Anlagen für einen berührenden und mitreißenden Film. Jasmine Trinca spielt die Hauptfigur mit unglaublich viel Verve, auch Alessandro Borghi, Stefano Accorsi und die junge Nicole Centanni können überzeugen, die Kameraarbeit ist stellenweise ausgezeichnet und die Geschichte von universeller Relevanz, geht es hier doch um die Träume nach einem besseren Leben, um Familie und die Suche nach einem Platz in der Welt, nach Liebe und Geborgenheit, nach dem Gefühl, endlich angekommen zu sein. Leider hat Castellitto aber versucht, so ziemlich jede denkbare Emotion in seinem Film festzuhalten und der Darstellung dieser Emotion möglichst breiten Raum zu geben. Und so wird der Film zu einem Stückwerk von Szenen, die einfach nicht zueinander passen. In einem Moment befindet man sich in einer Screwball-Komödie, nur zum zehn Sekunden später ein herzergreifendes Melodram mitzuerleben. Auf stille, eindringliche Momente folgen hysterische Szenen, in denen man jede einzelne Figur nur an die Wand klatschen möchte ob des Gefuchtels und Geschreis. Wenn das 8-jährige Scheidungskind mit emotionalen Problemen die ruhigste und nachvollziehbarste Figur ist, dann spricht das für sich. So bleiben am Ende zwar einzelne starke Szenen im Gedächtnis, der Film als Ganzes ist jedoch als verunglückt zu bezeichnen.


4,0
von 10 Kürbissen

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