Kaviar (2019)

Regie: Elena Tikhonova
Original-Titel: Kaviar
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Satire
IMDB-Link: Kaviar


Zack zack zack. So schnell geht manche politische Karriere den Bach hinunter. Gerade noch sitzt man in einer schicken Villa auf Ibiza mit einer schoarfen russischen Oligarchennichte und interpretiert „Glock“ sehr frei in Gebärdensprache, und schon wird man von Jan Böhmermann verarscht und darf alle politischen Ämter abgeben, da man versehentlich das Land und dessen Medien an eine Schauspielerin verscherbelt hat, was in Bild und Ton festgehalten wurde. Dagegen wirkt die politische Satire „Kaviar“ von Elena Tikhonova wie hochseriöse CNN-News. Nichtsdestotrotz muss man das erst mal zusammenbringen, die vielleicht größte politische Bombe der Zweiten Republik in einem Spielfilm vorwegzunehmen. Von Tikhonova hätte Nostradamus noch was lernen können. Nur Nuancen unterscheiden sich von der Wirklichkeit. In ihrem Film geht es um einen russischen „Investor“, der sich einbildet, auf der Schwedenbrücke eine Villa zu bauen. Die Florentiner hätten das auf der Ponte Vecchio schließlich auch vorgemacht. Den Spaß lässt er sich einiges kosten. Brav die Hand aufhalten tun der windige Geschäftsmann Klaus (Georg Friedrich), dessen Freund und Anwalt Ferdinand (Simon Schwarz) und der Stadtrat Zech (Joseph Lorenz). Diese sind aber im Grunde nur Nebenfiguren, denn im Zentrum des Geschehens stecken Igors Übersetzerin und Mädchen für alles Nadja (Margarita Breitkreiz) und ihre Freundinnen Vera (Darya Nosik) und Teresa (Sabrina Reiter). Die drei Damen sind bei Wodka äußerst trinkfest und mischen den Macholaden auf, um selbst die Millionen einzustreifen. Das alles klingt höchst vergnüglich. Leider wird das Vergnügen durch eine lieblose Aneinanderreihung von Klischees, halblustigen Regieeinfällen, die den Zuseher immer wieder aus dem Geschehen werfen, und dem arg schlechten Spiel von Breitkreiz, die abwechselnd einen russischen, deutschen und Wiener Akzent spricht, ordentlich verhagelt. Einzig Georg Friedrich vermag mit seinem authentischen Spiel zu glänzen – aber er gehört ohnehin zu den wenigen Kapazundern, die auch einen schlechten Film veredeln können. „Kaviar“ hätte der Film des Jahres werden können. Doch das Leben schreibt manchmal doch die besseren Geschichten.


3,0
von 10 Kürbissen

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