Alice und das Meer (2014)

Regie: Lucie Borleteau
Original-Titel: Fidelio, l’odyssée d’Alice
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Liebesfilm, Drama
IMDB-Link: Fidelio, l’odyssée d’Alice


Liebe, Affären, Eifersucht, das alles auf einem großen Schiff auf dem Meer. Was klingt wie eine Folge „Das Traumschiff“ könnte nicht weiter weg sein vom Kitsch der Romantik-Fernsehserie. Denn „Alice und das Meer“ ist eine feinfühlige, ruhige Arbeit, die auf einem Containerschiff Geschlechterrollen und weibliche Sexualität verhandelt. Alice (Ariane Labed) ist Schiffsmechanikerin und als solche eine Art Alien auf dem ansonsten männlich besetzten Frachtschiff. Zuhause wartet ihr Freund Felix (Anders Danielsen Lie), auf dem Schiff allerdings begegnet sie ihrer ersten großen Liebe Gaël (Melvil Poupaud) wieder. Sie lässt sich zu einer folgenschweren Affäre hinreißen, denn plötzlich steht ihre Sexualität im Zentrum der Aufmerksamkeit. Was männlichen Seebären erlaubt ist, was man sogar von ihnen erwartet (in jedem Hafen eine Braut), wirkt plötzlich bedrohlich, wenn es von Frauen kommt. Auf dieser Ebene spielt Lucie Borleteau in „Alice und das Meer“ ihre Karten klug aus. Allerdings ziehen sich einige Längen durch den Film. Und auch die Beziehung zwischen Alice und Felix bleibt für die Gewichtung, die sie erhält, in meinen Augen zu vage. Diese wäre eigentlich das emotionale Zentrum des Films, aber leider konzentriert sich Lucie Borleteau ein bisschen zu sehr darauf, knisternde Spannung zwischen Alice und Gaël aufzubauen für ein Pantscherl, das dann doch nur an der Oberfläche bleibt. Beziehungsweise nehme ich dieser Schiffs-Affäre die Ernsthaftigkeit der Gefühle nicht ab. Nichtsdestotrotz ist „Alice und das Meer“ ein sehenswerter Film, der viel über Geschlechterrollen und -klischees nachdenken lässt. Für Liebhaber ruhiger Erzählungen sicherlich keine vergeudete Zeit.


6,0
von 10 Kürbissen

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