Within Our Gates (1919)

Regie: Oscar Micheaux
Original-Titel: Within Our Gates
Erscheinungsjahr: 1919
Genre: Drama
IMDB-Link: Within Our Gates


Vor exakt 100 Jahren, im Jahr 1919, entstand mit „Within Our Gates“ der erste, bis heute erhaltene Film, der von einem Schwarzen gedreht wurde. Oscar Micheauxs Zweitwerk (sein erster Film ging verloren) wurde in den 90er-Jahren spannenderweise in Madrid gefunden, was zeigt, dass es damals eine Nachfrage nach diesem US-amerikanischen ersten Film des Black Cinema in Europa gab. Und angesichts des komplexen Aufbaus des Films, der Problematik der Schwarzen, die darin schonungslos und eindrücklich beschrieben wird, der guten Kameraarbeit ist dies auch nicht weiter verwunderlich. „Within Our Gates“ erzählt vielschichtig und mit Rückblenden und Einschüben vom Schicksal der gebildeten Schwarzen Sylvia (Evelyn Preer). Diese fällt zunächst einer kleinen Intrige ihrer Haushälterin zum Opfer und wird von ihrem überraschend nach Hause kommenden Verlobten verstoßen, kommt dann an eine Schule für Schwarze im Süden der USA, die große Geldprobleme hat, da der Staat die Bildung von schwarzen Kindern kaum unterstützt, und geht schließlich zurück nach Boston, um Geld für die Schule aufzutreiben. Zentrales Thema sind die Bildung der Schwarzen und das Recht zu wählen. Beides wird ausführlich diskutiert in diesem frühen Werk, und zu beiden Themen zeigt Micheaux den offenen Rassismus seiner Zeit auf. Selbst die reiche Philanthropin, die Sylvia und der Schule helfen möchte, wird von ihrer rassistischen Bekannten fast noch umgestimmt. Auch von manchen Schwarzen wird die herrschende Ordnung als gottgegeben und unabänderlich wahrgenommen. Eine ambivalente Figur ist in diesem Zusammenhang der schwarze Pastor, der predigt, dass Bildung der Fluch des reichen Mannes wäre und es damit gut wäre, Schwarze davon fernzuhalten – diese würden schließlich am Tag des Jüngsten Gerichts für ihr einfaches, arbeitsames Leben von Gott belohnt. Auch die Vergangenheit Sylvias, die in einer langen Rückblende gegen Ende aufgezeigt wird, berührt und erschüttert – weiß man doch, dass das hier gezeigte Schicksal kein Einzelfall war. Allerdings muss man sich auf einen so alten Stummfilm auch einlassen können. Da der Inhalt ausschließlich über visuelle Reize transportiert werden kann, wirkt auch das Schauspiel überdramatisierend. Viele Szenen sind sehr plakativ dargestellt und sehen damit aus heutiger Sicht eher lächerlich aus. Das ändert aber nichts daran, dass es sich bei „Within Our Gates“ um ein sehenswertes Frühwerk handelt, das auch heute, 100 Jahre nach seiner Entstehung, von Relevanz ist.

 


7,0
von 10 Kürbissen

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