Ad Astra – Zu den Sternen (2019)

Regie: James Gray
Original-Titel: Ad Astra
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Ad Astra


Es gibt Filme, für die sich eine IMAX-Leinwand definitiv auszahlt. „Ad Astra“ von James Gray gehört zu diesen Filmen. Wenn man mit Brad Pitt durch die unendliche Weite des Weltraums schwebt, möchte man das nicht auf einem unscharfen Röhrenfernseherbild aus den 80ern tun. Das Weltall ist ein furchteinflößend leerer Ort, das darf man als Zuseher auch spüren. Die Geschichte von „Ad Astra“ ist relativ simpel aufgebaut: Der stoische Weltraumtechniker Roy McBride (Brad Pitt) wird auf eine streng geheime Mission via Mond zum Mars geschickt, um eine Botschaft an seinen lang verschollen geglaubten Vater (Tommy Lee Jones) zu schicken. Dieser hockt mutmaßlich auf dem Neptun herum, Jahre, nachdem der Kontakt zur Mission, die er geleitet hat, abgebrochen ist. Und nun gehen vom Neptun Energiewellen aus, die die ganze Galaxis bedrohen. Was nach einem Michael Bay-Actionfilm mit viel Tschimmbumm und mächtigen Explosionen klingt, stellt sich als sehr leises, langsames Drama im All heraus. Denn James Gray ist nicht so sehr an Weltraumabenteuern interessiert, sondern an dieser gefühlskalten, gut funktionierenden Figur Roy McBride. Dessen glatte Oberfläche, an der alle Katastrophen abzuperlen scheinen, bekommt allmählich Risse. Es schält sich ein Mensch heraus, der vom Schatten des Vaters schier erdrückt wird. Was wir in „Ad Astra“ sehen, ist die filmische Bearbeitung der vielleicht ältesten Fragen überhaupt: Wer sind wir? Worüber definieren wir uns? Action gibt es dennoch, allerdings ist sie sparsam und prägnant umgesetzt. Was James Gray mit „Ad Astra“ beispielsweise richtig gut macht und in dieser Form bislang auch kaum im Kino zu sehen war: Katastrophen bahnen sich nicht mit großem Gedöns an. Sie passieren einfach. Gerade noch war die Welt in Ordnung, doch plötzlich ist alles Chaos, alles konfus, man versucht zu funktionieren und irgendwie einen Ausweg zu finden, und erst am Ende, wenn man diese Katastrophe tatsächlich überlebt hat, kann man rekonstruieren, was eigentlich passiert ist. Diese Erfahrung setzt James Gray brillant um. Und apropos Brillanz: Brad Pitt ist gesondert zu erwähnen. Der liefert einmal mehr eine mehr als tadellose Leistung ab. Seine Darstellung des Roy McBride ist ein Meisterstück an kontrollierten Emotionen. „Ad Astra“ ist ein ungewöhnlicher Film, der eine gewöhnliche, aber universell adaptierbare Geschichte erzählt. Wenn man sich darauf einlässt, versetzt einen der Film fast in Trance.


8,0
von 10 Kürbissen

3 Kommentare

    1. Ich habe deine Kritik schon gelesen und sie ist wie immer ein Genuss. :-) Deine Kritikpunkte kann ich schon nachvollziehen, aber für mich wirken sie nicht so gravierend, da ich den Film an sich für sehr stimmig halte. Jedenfalls sollte man Brad Pitt mal auf den Zettel für mögliche Oscar-Kandidaten 2020 notieren.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s