Der Leuchtturm (2019)

Regie: Robert Eggers
Original-Titel: The Lighthouse
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Horror, Drama, Fantasy
IMDB-Link: The Lighthouse


Liebe Leserinnen und Leser, verneigt euch vor Robert Pattinson! Ja, ihr habt richtig gelesen. Der Glitzervampir aus der Twilight-Reihe mit dem – laut Filmpartnerin Kristen Stewart – schlechten Mundgeruch. Aber gut, diesen wird ja mit Pfefferminz und Kaugummi gut los. Das Stigma des Glitzervampirs bleibt hingegen länger haften. In Robert Eggers‘ „Der Leuchtturm“ sollte er sich aber an der Seite von Willem Dafoe, der ohnehin über jeden Zweifel erhaben ist, freigespielt haben von derartigen Sünden der Vergangenheit. Dieser Film ist eine Offenbarung. Man stecke zwei bärtige Typen aus dem 19. Jahrhundert in einen Leuchtturm und lasse Wind, Wellen, Seemannslieder und wuchtige Verse in körnigem Schwarz-Weiß auf sie einprasseln. Die meiste Zeit über empfand ich den Film als brutale Tour de Force in die Finsternis der menschlichen Seele und als einen Ritt in den Wahnsinn – wobei lange Zeit nicht klar ist, wer von den beiden diesen Höllenritt nun tatsächlich antritt. Diese Ambiguität ist – neben den außergewöhnlich archaischen Bildern in fast quadratischem Format und dem grandiosen Schauspiel zweier ebenbürtiger Widersacher, die sich nichts schenken – die größte Stärke des Films. Und schon war ich geneigt, das Ganze als Ritt in den Wahnsinn abzutun, als der Film am Ende eine letzte Kapriole schlug und ich mit offenem Mund und einer wortwörtlichen Erleuchtung in den Kinosessel gedrückt wurde. „Der Leuchtturm“ ist ein Film, der sowohl die Urinstinkte als auch den Verstand gleichermaßen anspricht – und damit ein seltener Glücksfall. Dass er überhaupt funktionieren kann, liegt an einer überragenden Inszenierung und der schon erwähnten Schauspielkunst. Hätte hier nur ein Rädchen nicht gegriffen, wäre der Film in sich zusammengefallen. So steht er aber als festes Monument in der cineastischen Landschaft wie ein Leuchtturm in rauer See. Ein Film, der bleibt. Und vielleicht Robert Pattinsons endgültige Emanzipation vom Vampirschmafu.


8,5
von 10 Kürbissen

(Foto: A24 Films)

8 Kommentare

  1. Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich Filme wahrgenommen werden… denn bei mir hat die ganze Sache genau die gegenteilige Meinung ausgelöst : ich fand den zunehmenden „Wahnsinn“ überhaupt nicht nachvollziehbar und die Bilder im Manner Schnitten-Format sehr gekünstelt, aber keineswegs wirkungsvoll. Gänsehaut hab ich nur vom grottenschlechten Schauspiel Pattinsons bekommen, und Zahnschmerzen vom extrem nervenden Soundtrack – THE LIGHTHOUSE ist für mich ein großer Anwärter für die CRÊPE DES JAHRES. Mir woa faad.

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    1. Wie heißt’s so schön? Zwei Experten, drei Meinungen. :-D Ich glaube tatsächlich, dass wir zwei, was den Filmgeschmack betrifft, generell ein Stück weit auseinanderliegen. Was die Sache aber einfach nur viel bunter macht. Und was gibt es Schöneres, als bei einem Glaserl Wein über Robert Pattinsons Schauspielkünste zu disputieren, wenn du das nächste Mal die schöne blaue Donau besuchst? Wäre ja fad, wenn wir uns immer einig wären. Dann würden wir bald den Punkt erreichen, an dem wir einfach in den Tiefen unserer Weingläser versinken, ohne ein weiteres Wort zu finden. Möge das nie geschehen und uns der Gesprächsstoff (und der Traubenstoff) nie ausgehen!

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      1. Großartiger Vorschlag ! Ich fürchte nur, so fett kann ich mich gar nicht niedersaufen, um in Pattinson mehr als einen Vampirschmafu zu sehen – werde aber mein Bestes geben ! :-)

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