Die Wütenden – Les Miserables (2019)

Regie: Ladj Ly
Original-Titel: Les Misérables
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Krimi, Thriller
IMDB-Link: Les Misérables


Das Pariser Elend zieht sich durch die Jahrhunderte. Das war schon unter Victor Hugo so, und das ist auch heute noch so. Da kann selbst der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft nur geringfügig Linderung bringen ins Leben der Unterprivilegierten, der Armen und Aussichtslosen,  der Straßen-Kids, der Drogenschmuggler und Junkies, der Halsabschneider und jener, die die kleinen und großen Kriminellen dingfest machen möchten und dabei selbst kaum das Gesetz, auf keinen Fall aber die Moral, auf ihrer Seite haben. Stéphane (Damien Bonnard) ist neu in der Einheit von Chris (Alexis Manenti) und Gwada (Djibril Zonga). Zu dritt kurven sie durch Montfermeil, einem Vorort von Paris, der von Clans beherrscht wird. Chris und Gawda packen die Dinge auf ihre Weise an: Man hält sich die Bosse mit kleinen Gefälligkeiten warm und greift (über-)hart durch, wenn man sich mal wieder Respekt verschaffen will. Die Grenzen zwischen Gesetzeshütern und Gesetzesbrechern verschwimmen, die einen haben halt eine Polizeimarke, die anderen nicht. Stéphane ist das zuwider, doch als Neuling muss er sich an die alten Hasen halten. In dieser Hinsicht erinnert „Die Wütenden – Les Miserables“ an „Training Day“ von Antoine Fuqua, ohne aber den Antagonisten die gleiche Böswilligkeit wie Denzel Washingtons Figur zu unterstellen. Die Polizisten sind hier einfach abgefuckte Typen, die in einer feindlichen Umgebung mit ungeeigneten Mitteln versuchen, den Kopf über Wasser zu halten. Und dann passiert etwas, was dazu führen könnte, dass die Situation im Viertel eskaliert, wenn die Info darüber an die Öffentlichkeit gerät. Verzweifelt versuchen die Polizisten, zu vertuschen, was zu vertuschen geht, doch die Gewaltspirale beginnt schon sich zu drehen. „Die Wütenden – Les Miserables“ ist ein gut ausbalancierter Film, der nicht Partei ergreift, sondern fast dokumentarisch darüber berichtet, wie fragil die Balance in den Armenvierteln Frankreichs ist, in denen der Hass nur durch eine gefährliche Struktur aus Macht und Gefälligkeiten in Zaum gehalten werden kann. Ein Funken, und die ganze Stadt kann brennen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

2 Kommentare

  1. Ich freu mich schon sehr auf die César-Verleihung am 28. Februar, denn 2019 geht sicher als GRAND CRU in die französische Filmgeschichte ein : J’accuse, Les Misérables, Portrait de la jeune fille en feu, J’ai perdu mon corps und – allen voran, weil so herrlich gefinkelt – La Belle Époque ! Die werden sich ein knappes Match liefern, dass wohl erst im Tie-Break entschieden wird… Ich drücke auf jeden Fall fest die Daumen für Doria Tillier und Damien Bonnard, die waren formidablö !

    Gefällt 1 Person

    1. J’accuse schaue ich mir morgen mit dem Michael an, auf den bin ich auch schon gespannt. La Belle Époque kommt jetzt nach deiner Empfehlung fix auf die Must-See-Liste! Ja, war generell ein gutes Jahr für den französischen Film. Wenn man bedenkt, dass ein Meisterwerk wie Portrait de la jeune fille en feu nicht für den Oscar eingereicht wurde, weil die innerfranzösische Konkurrenz so stark war. Sapperlot!

      Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu Wauzi Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s