Late Night – Die Show ihres Lebens (2019)

Regie: Nisha Ganatra
Original-Titel: Late Night
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Late Night


In Anlehnung an Roger Eberts Grundsatz, dass ein Film mit Harry Dean Stanton oder M. Emmet Walsh niemals ganz schlecht sein könne, erweitere ich diese Regel auf Emma Thompson in dem Sinne, dass zumindest ihre Leinwandpräsenz bislang noch jedem Film einen Mehrwert hinzugefügt hat. Zugegeben, nicht alle Produktionen, in denen sie mitgewirkt hat, sind in die Filmgeschichte eingegangen. Da finden schon auch ein paar Rohrkrepierer in ihrer Filmographie, aber eines muss man sagen: An Thompson selbst hat es nie gelegen. Die Frau hat Klasse, Stil, Charme und Talent. Und wenn sie dann auch noch ein kluges und gewitztes Drehbuch vorgelegt bekommt und die Gelegenheit, in der Rolle einer zynischen Talkmasterin eine (vorhersehbare, aber dennoch gut erzählte) Läuterung zu erfahren, dann nimmt sie so etwas dankbar an. Dass so eine Rolle dann schnell mal auch zu einer Golden Globe-Nominierung führt, überrascht wohl die wenigsten. Die eigentliche Hauptprotagonistin von „Late Night“ ist aber die von Mindy Kaling gespielte Molly Patel, die ihren Job in einer Fabrik aufgibt, um im Team des Talkshow-Stars Katherine Newbury als Gag-Schreiberin anzufangen. Dabei ist sie gleich mit mehreren Problemen konfrontiert, und fehlende Berufserfahrung ist nicht einmal das größte davon. Eher, dass sie die einzige Frau im Team ist – und wer mit Begriffen wie Mansplaining & Co. noch nicht viel anfangen kann, findet in „Late Night“ einige sehr anschauliche Beispiele dafür. Ein weiteres Problem ist, dass Katherine Newbury mit der Zeit ihren Biss verloren hat und sich ihre Witze nur noch an ein selbstzufriedenes Bildungsbürgertum richten. Kein Wunder, dass ihr die Studiochefin die Rute ins Fenster stellt. Und natürlich ist es ausgerechnet die Neue, die am Ende den Tag retten muss. Allerdings ist „Late Night“ sehr sympathisch erzählt und spielt eine große Stärke gekonnt aus: Die Figuren sind lebendig und mit Herz geschrieben, sodass es nicht weiter ins Gewicht fällt, wenn sie zum Teil arg klischeehaft angelegt sind. Aber man merkt in jeder Einstellung eine grundlegende Sympathie für alle Figuren, niemand wird bloßgestellt, alle haben ihre Momente. Und das macht den Film zu einem Feelgood-Movie mit einem starken Plädoyer für Vielfalt und Inklusion, das man sich bedenkenlos ansehen kann.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Emily Aragones, Quelle: imdb.com)

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