Waves (2019)

Regie: Trey Edward Shults
Original-Titel: Waves
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama
IMDB-Link: Waves


Es lebe das amerikanische Independent-Kino. Filmemacher/innen wie Andrea Arnold, Sean Baker oder, wie mit „Waves“, Trey Edward Shults darf man fast schon als Seismographen für die soziokulturellen Wellen über dem Teich bezeichnen. Und auch wenn in „Waves“ nicht unbedingt die gesellschaftlich am meisten benachteiligte Schicht im Mittelpunkt steht, denn die Familie Williams ist recht gut situiert, so schwingen dennoch die Probleme, mit denen die schwarze Bevölkerung tagtäglich umgehen muss, dezent im Hintergrund mit. Aber darum geht es eigentlich nicht. „Waves“ ist ein Film über Kontrollverlust, der zur Katastrophe führt, und dem anschließenden Umgang mit eben jener Katastrophe bis schließlich zur Aussöhnung mit der Welt. Genau in dem Moment, als am Ende die von Taylor Russell gespielte Emily die Kontrolle abgibt, erlangt sie auf einer anderen, viel wichtigeren Ebene die Kontrolle über ihr Leben wieder zurück. Aber um zu diesem Punkt zu kommen, benötigt der Film über zwei Stunden. Und diese Zeit braucht es auch. Denn „Waves“ ist so vielschichtig konstruiert, wie nur das Leben selbst sein kann. Er gibt sich nicht mit einfachen Erklärungen für schlechte Entscheidungen zufrieden, auch wenn er Auslöser zeigt, die schließlich in ihrer Summe zu diesen schlechten Entscheidungen führen. Aber nie geht Trey Edward Shults den einfachen Weg und begnügt sich mit dem Naheliegenden. Das hebt „Waves“ weit über durchschnittliche Befindlichkeitsfilme, die sich mit ähnlichen Themen auseinandersetzen, hinaus. Auch ist der Film stilistisch fordernd. Hier flirren die Lichter, die Musik kann laut und pulsierend werden, die Kamera kreist um ihre Figuren, das alles ist modern und kreativ, ohne aufgesetzt zu wirken, erfordert vom Zuseher aber eine Akzeptanz für solche Stilmittel. „Waves“ ist kein naturalistisches Kino. Naturalistisch hingegen kann man die Leistungen der Darsteller nennen, die allesamt überragend spielen – Kelvin Harrison Jr. in der Hauptrolle des jungen Tyler, die schon genannte Taylor Russell als seine Schwester Emily, Sterling K. Brown als strenger Vater, Lucas Hedges als Emilys Freund. Selten habe ich wirklich alle Darstellerleistungen in einem Film so auf den Punkt gesehen wie in „Waves“. Das Fazit kann nur so ausfallen: Der Film ist ein Meisterwerk.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

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