Falling (2020)

Regie: Viggo Mortensen
Original-Titel: Falling
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Falling


Wer oder was ist ein Tausendsassa? Viggo Mortensen ist ein Tausendsassa! Er spricht drölfzig verschiedene Sprachen fließend, war mehrfach Oscar-nominiert, ist Westernreiter, Verleger für Kunstschriften, Dichter, Fotograf, Musiker, Träger des Dannebrogordens in Dänemark und somit ein echter Ritter, hat Mittelerde gerettet und nun auch sein Regie-Debüt vorgelegt. Viel Schlaf scheint Viggo nicht zu brauchen. (Vermutlich ist er insgeheim auch noch Briefmarkensammler, Tierbändiger und der wahre Banksy.) Jedenfalls hat der mit seinen üblichen Freizeitaktivitäten unausgelastete Herr Mortensen mit „Falling“ nun einen sehr persönlich wirkenden Film vorgelegt über eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung, die durch die Demenz des Vaters noch zusätzliche Schärfe erhält. Viggo Mortensen spielt den liberalen und aufopferungsvollen John, dessen Lebensentwurf im krassen Gegensatz zum konservativen Vater Willis (Lance Henriksen) steht. Der driftet immer mehr in die Demenz ab. Die Erinnerungen an früher, die er sich behält, sind durchaus gemischt. Er war kein guter Vater, nicht einmal ein sonderlich bemühter, aber es gab auch Momente, die aufzeigen, was mit ein bisschen mehr Bemühen möglich gewesen wäre. Kleine Momente der Liebe und Zuneigung, die aber sofort wieder abgelöst werden von einer Härte gegen sich selbst und andere, die eine emotionale Bindung erschwert. Lance Henriksen spielt den alten Willis als dauerfluchenden und -schimpfenden Griesgram, der sich vor allem an der Homosexualität seines Sohnes abarbeitet. Das alles wirkt in der Konzentrierung auf möglichst kreative Beleidigungen aber zuweilen aufgesetzt und übertrieben. Viggo Mortensen versucht, dem eine sanfte Ruhe gegenüberzustellen, die man durchaus nachvollziehen kann. Ein bisschen mehr Subtilität hätte dem Film aber insgesamt nicht geschadet. Gerade der alte Willis wirkt eindimensional und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit. So ist der Film in Ansätzen gut gelungen, es gelingt ihm allerdings nicht, die scharfen Kanten zu einem runden Ganzen abzupolieren.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen Filmverleih)

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