Amanda Knox (2016)

Regie: Rod Blackhurst und Brian McGinn
Original-Titel: Amanda Knox
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Amanda Knox


Amanda Knox? Ja, das klingelt was. Das war doch das Mädel, das in Italien brutal eine Mitbewohnerin ermordet hat? Ganz scheußliche Sexspiele waren da im Spiel, nicht wahr? Ist verurteilt worden, voll die Psychopathin. Ja, das ist hängengeblieben, wenn man an den Namen Amanda Knox denkt. Zumindest ist es das, was bei mir hängengeblieben ist. Und schon sind wir mittendrin in der aufsehenerregenden Dokumentation „Amanda Knox“, die den Mordfall in Perugia aus dem Jahr 2007 und die darauf folgenden Ermittlungen sowie den Prozess aufrollt. 2009 wurden Amanda Knox und ihr damaliger Freund Raffaele Sollecito für schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 26 Jahren verurteilt. Alles, was danach passiert ist, ist weniger präsent im kollektiven Gedächtnis. Der Mordfall selbst sorgte für großes Aufsehen in der internationalen Presse, die Einsprüche und Wiederaufnahmen der Verhandlungen und Vertagungen danach waren hingegen schon weniger berichtenswert. Dass Knox und Sollecito 2015 letztinstanzlich sogar freigesprochen wurden, wissen heute nicht viele. Und unter jenen, die den Freispruch mitverfolgten, gab es einen Aufschrei der Empörung – ein Fehlurteil, ein Versagen der Justiz! Zu sehr hat sich das Bild der brutalen und psychopathischen Mörderin festgekrallt, dass Fakten nur noch eine untergeordnete Rolle spielten. Genau dieses Thema greift der Dokumentarfilm von Rod Blackhurst und Brian McGinn auf. Welche Rolle spielten die Medien in diesem Prozess? Wie stark sind solche Prozesse und Urteile mitunter abhängig von vorgefertigten Meinungen der Ermittelnden und schließlich auch der Urteilssprechenden? Wie wichtig ist die Story, die man dem neugierigen Volk erzählen möchte? Und was stellt es mit dem Leben der Betroffenen an, jenem der Verdächtigen wie auch der Angehörigen der Opfer? So gesehen ist „Amanda Knox“ eine kritische Abrechnung mit uns allen und unserem Medienkonsum. Der Film ist damit brandaktuell. Und er sollte allen hinter die Löffeln geschrieben werden, die einem Youtube-Video mehr Glauben schenken als wissenschafts- und expertisegestützten Fakten.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

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