Malcolm & Marie (2021)

Regie: Sam Levinson
Original-Titel: Malcolm & Marie
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama
IMDB-Link: Malcolm & Marie


Wie dreht man in Zeiten von Corona einen Film? Sam Levinson hat für diese Frage die naheliegende Lösung gefunden. Er hat einfach ein geräumiges und abgelegenes Haus angemietet, Zendaya und John David Washington mit einer kleinen Crew dort hineingesetzt und wahrscheinlich allen am Dreh Beteiligten verboten, nach Tirol skifahren zu gehen. Herausgekommen ist dabei ein Zwei-Personen-Kammerstück, in dem Levinson die Beziehung seiner beiden Protagonisten nicht nur seziert, sondern sie selbst auch noch mit der Axt aufeinander losgehen lässt – natürlich nur sprichwörtlich gemeint, die tatsächliche Axt hat Stanley Kubrick ja schon Jack Nicholson in Shining in die Hand gedrückt, und Kubrick sollte man einfach nicht kopieren. Als gewaltfrei würde ich Beziehungsdrama allerdings nicht bezeichnen, denn auch Worte können ganz schön wehtun. Das Ganze entzündet sich an einer scheinbaren Kleinigkeit: Malcolm und Marie kommen gerade von der (gefeierten) Premiere von Malcolms neuem Film nach Hause, doch Marie wirkt angespannt und sichtlich angepisst: Malcolm hat sie einfach in seiner Dankesrede vergessen. In weiterer Folge baut sich auf diesem Fauxpas eine Reihe von gegenseitiger Vorhaltungen, Anschuldigungen und Beleidigungen auf, die sich merklich angestaut haben in den letzten Wochen, Monaten, Jahren. Zwischendurch finden die beiden in Gesten der Versöhnung auch wieder zueinander, aber die Stimmung bleibt angespannt und ein falsches Wort, ein falscher Blick genügt, um die nächste Runde in diesem brutalen Boxkampf der Worte einzuläuten. Und allmählich schält sich das Bild einer höchst toxischen Beziehung aus den Streitgesprächen. John David Washington und Zendaya spielen das großartig. Beide wirken sympathisch und, wenn sie austeilen, höchst unsympathisch gleichermaßen. Beide schenken sich nichts. Allerdings – und darin liegt die vielleicht größte Stärke wie Schwäche des Films gleichermaßen – findet sich zwischen den Zeilen (und auch in den Zeilen, wenn man gut hinhört) die sehr vertraute Story einer Beziehung, in der der Mann sich als Retter der Frau sieht und die Frau in dieser Beziehung klein hält. Das ist alles sehr subtil eingebaut, und man könnte diesen Punkt auch glatt übersehen. Andererseits: Der Holzhammer hätte dem Film auch nicht gut getan, und so muss Levinson mit dieser Ambivalenz leben. Das Ende ist versöhnlich wie bitter gleichermaßen. So bleibt „Malcolm & Marie“ bis zum Schluss ein Film, der Gegensätze in sich vereint, um von einem bitteren Stück Realität zu erzählen. Warum ich davon ausgerechnet am Valentinstag schreibe? Vielleicht, weil der Film ganz gut aufzeigt, wie es eben nicht sein sollte.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

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