Die Ausgrabung (2021)

Regie: Simon Stone
Original-Titel: The Dig
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Biopic, Historienfilm
IMDB-Link: The Dig


Man kennt ja den sogenannten Elevator Pitch: Angenommen, du triffst im Aufzug eine bedeutende Filmproduzentin und hast genau die eine Fahrt mit dem Aufzug Zeit, sie von deiner Story zu überzeugen. Und das wäre nun dein Elevator Pitch für „The Dig“: Ein Mann gräbt ein angelsächsisches Schiff aus. Pitch Ende. Die Filmproduzentin dreht sich zu dir, beäugt dich skeptisch über den Rand ihrer Brille, schiebt sich diese dann mit einer energischen Bewegung zurück auf den Nasenrücken und sagt, während sich die Aufzugstür öffnet, noch über die Schulter hinweg: „Kommen Sie wieder, wenn Sie eine Geschichte haben.“ Und schon wäre es vorbei gewesen mit der Idee, aus der Ausgrabung von Sutton Hoo einen Film zu machen. Zum Glück werden über das Schicksal von Filmen nicht ausschließlich anhand von Elevator Pitches entschieden. Und so dürfen Ralph Fiennes als Ausgräber Basil Brown und Carey Mulligan als Landbesitzerin Edith Pretty ihr Schiff ausbuddeln. Und dabei im Angesicht der Erkrankung von Edith und den drohenden Kriegswolken, die sich am Horizont zusammenbrauen, über die Vergänglichkeit kontemplieren. Es geht in „The Dig“ weniger um die Entdeckung des bedeutendsten angelsächsischen Schiffsgrabes und dessen Folgen, sondern vielmehr um die Zeit an sich, um das Bewahren und das Loslassen, darüber, wie unbedeutend das einzelne Leben im Angesicht der Zivilisationsgeschichte erscheint. Ralph Fiennes und Carey Mulligan mit ihren melancholischen Blicken sind Idealbesetzungen in ihren Rollen. Auch der Rest des Casts (u.a. Lily James, Ben Chaplin, Ken Stott und Johnny Flynn) kann überzeugen. Vielleicht ist der Film an einigen Stellen zu verlangsamt, und was es definitiv nicht gebraucht hätte, ist die schludrig hineingeschriebene Liebesgeschichte zwischen der vernachlässigten Archäologin Peggy Piggott und dem Cousin der Landbesitzerin. Dennoch ist „The Dig“ ein stark gemachtes, entschleunigtes Stück Kino, das sich wunderbar auf einer großen Leinwand gemacht hätte – nicht aufgrund der Wucht der Bilder (dafür gibt es andere Filme), sondern vielmehr, weil es dieser fast meditative Film braucht, dass man sich ablenkungsfrei auf ihn konzentriert, denn nur so wird die Zeit, die er behandelt, auch tatsächlich spürbar. 


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

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