Shirins Hochzeit (1976)

Regie: Helma Sanders-Brahms
Original-Titel: Shirins Hochzeit
Erscheinungsjahr: 1976
Genre: Drama
IMDB-Link: Shirins Hochzeit


Helma Sanders-Brahms macht es ihren Zusehern mit ihrem nüchternen, distanzierten Zugang nicht einfach. Die Geschichte aber, die sie in „Shirins Hochzeit“ erzählt, weist viel emotionalen Sprengstoff auf – und hatte für die Beteiligten an dem Film ein überraschendes Nachspiel, nachdem türkische Nationalisten gegen den Film protestierten und sich das türkische Parlament persönlich mit dem Film auseinandersetzen musste. Wenn man einer nationalistischen Regierung dermaßen ans Bein pisst, dass es zu debattieren beginnt, muss man fast zwangsläufig etwas richtig gemacht haben. Helma Sanders-Brahms‘ Film ist jedenfalls einer der ersten, der sich aus türkischer Sicht mit dem Schicksal von Gastarbeiterinnen im Deutschland der 70er Jahre auseinandersetzte. Im Zentrum steht die junge Shirin (Ayten Erden) aus Anatolien, die dem in Deutschland lebenden Mahmud versprochen ist, aber an den Dorfverwalter verhökert wird. Kurzerhand ergreift sie die Flucht nach Köln, um dort nach Mahmud zu suchen. Doch der Weg ins vermeintliche Glück erweist sich als Sackgasse in den Abgrund. Helma Sanders-Brahms erzählt vom harten Los derjenigen, die ohne viele Perspektiven und mit geringen Sprachkenntnissen nach Europa kommen und dort feststellen müssen, dass Träume nur Träume sind und die Realität überall ihre Fallen aufgestellt hat. Wird sie in Anatolien von der männlichen Gesellschaft unterdrückt, ist es in Deutschland das kapitalistische System und der Zwang, sich darin zu behaupten, um zumindest genug Geld fürs Leben zu erwerben. In beiden Systemen ist Shirin als junge Frau ohne große Chancen. Diese Parallelität wirkt bedrückend und ist auch das Herzstück des Films. Erschreckend ist, dass fast fünf Jahrzehnte nach Erscheinen von „Shirins Hochzeit“ die Welt keine vollkommen andere ist. Und so entfaltet der Film auch heute noch seine Wirkung. Sichten kann man den Film übrigens auf DVD – er ist in der Edition Zweitausendeins Deutscher Film erschienen.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat:: Quelle http://www.imdb.com)

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