Viennale 2021 – ein Fazit

Die Viennale ist nun schon wieder einige Tage Geschichte, der ganze Corona-Blödsinn leider noch nicht, aber das ist ein anderes Thema. Wenigstens konnte das Filmfestival weitgehend friktionsfrei über die Bühne gehen. Bei den aktuell explodierenden Neuinfektionszahlen in ganz Österreich stellt sich eh die Frage, was wäre gewesen, hätte das Festival einen Monat später stattgefunden (oder eben dann nicht). Jedenfalls: Gut is‘ gangen, nix is‘ g’schehn. Unterm Strich habe ich urlaubsbedingt dieses Jahr etwas weniger in die Vollen gehen können als viele Jahre davor, aber 14 Filme sind sich ausgegangen, und ein Totalausfall war darunter nicht zu finden. Passt schon, wie man bei uns in Österreich sagt.

Das Festival scheint in den letzten Jahren unter der Leitung von Eva Sangiorgi sein Profil nachgeschärft zu haben – ob man das persönlich nun gut findet oder nicht. Fakt ist, dass im Gegensatz zu den früheren Programmen unter Hans Hurch ein bisserl das anarchische Überraschungselement fehlt. Dass so eine Perle wie „Red Rocket“ von Sean Baker eingeladen wurde, ist eher die Ausnahme von der Regel. Zumeist herrscht gediegenes Festivalkino, viel Drama, viele Probleme – dazu passt, dass mit „Das Ereignis“ von Audrey Diwan ein französisches Abtreibungsdrama, das in den 60ern spielt, als Eröffnungsfilm ausgewählt wurde. Das ist schon in Ordnung, aber manchmal wünscht man sich halt doch ein wenig mehr von den schrägen Sachen, die ein Hans Hurch ausgegraben hat. Gerade, wenn man sich mehr in Richtung Jugend öffnen möchte, täte es gut, etwas mehr Abwechslung reinzubringen. Abe das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Viennale hat ein klares Profil, und die trotz Corona ausverkauften Vorstellungen scheinen zu bestätigen, dass das Filmfestival zu Wien gehört wie Mannerschnitten oder grantige Ober.

Aber nun genug geschwafelt – hier meine Reihung der 14 gesehenen Filme und daraus abgeleitet meine Empfehlungen:

8,5 Kürbisse
Ali & Ava von Clio Barnard

8,0 Kürbisse
Red Rocket
von Sean Baker

7,5 Kürbisse
A Chiara
von Jonas Carpignano
The Witches of the Orient von Julien Faraut
The Power of the Dog von Jane Campion

7,0 Kürbisse
Alraune von Henrik Galeen
Das Ereignis von Audrey Diwan

6,5 Kürbisse
They Carry Death von Samuel M. Delgado und Helena Girón

6,0 Kürbisse
Women Do Cry von Mina Mileva und Vesela Kazakova
Ein Polizei-Film von Alonso Ruizpalacios

5,5 Kürbisse
Benedetta von Paul Verhoeven
Hold Me Tight von Mathieu Amalric

4,5 Kürbisse
In gewisser Hinsicht von Sara Gómez

4,0 Kürbisse
Jack’s Ride von Susana Nobre

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