The French Dispatch (2021)

Regie: Wes Anderson
Original-Titel: The French Dispatch
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: The French Dispatch


Es kommt sehr selten vor, dass mein hochgeschätzter Kollege vom Filmgenuss und ich nicht einer Meinung sind, aber bei Wes Andersons neuestem Werk „The French Dispatch“ haben wir tatsächlich unterschiedliche Auffassungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich einer der größten Wes Anderson-Fanboys unter dieser Sonne bin und ich einfach ein besonderes Faible für seine liebevoll arrangierten und absurden Tableaus habe. Seine Filme weisen immer eine ganz eigene Magie auf, die im weltweiten Kino wohl ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. In „The French Dispatch“ treibt er seinen Stil noch mal auf die Spitze, und so scheiden sich daran wohl auch die Geister, denn die eigentliche Geschichte rund um den exzentrischen Verlagsleiter eines französischen Ablegers einer amerikanischen Zeitschrift (Bill Murray) rückt hier in den Hintergrund. Vielmehr ist „The French Dispatch“ wie eine Magazinausgabe konstruiert, mit einer kleineren und drei größeren Geschichten aus dem Magazin, die von Geschichte, Kunst, Politik und einem Kriminalfall erzählen. Die Qualität der drei Hauptgeschichten ist dabei uneinheitlich. Während die erste Geschichte rund um einen verurteilten Mörder und Maler vielleicht einer der ganz großen Höhepunkte in Wes Andersons Œuvre ist, fällt die zweite Geschichte zu einer Studentenrevolte doch deutlich ab, wohingegen die finale Story rund um einen Polizeikommissariatskoch und einem überraschenden Entführungsfall wieder mehr Schwung aufnimmt. Doch sind diese Geschichten eben fast schon nebensächlich. Denn im Kern geht es Wes Anderson um das geschriebene Wort. „The French Dispatch“ ist eine Liebeserklärung an Printmedien und beschwört einmal mehr eine Vergangenheit herauf, die in unserer schnelllebigen, technokratischen Zeit nicht mehr reproduzierbar scheint. In diesem Sinne sind Wes Andersons Filme fast schon als museal zu bezeichnen. Auch wenn „The French Dispatch“ nicht der Höhepunkt in Andersons Schaffen darstellt, so ist er für Liebhaber seines melancholisch-absurden Stils ein weiterer Augenschmaus, den man nicht verpassen sollte. Für all jene, die nicht ganz so leicht in seine durchkomponierten Welten hineinfinden, bedeutet der Film hingegen wohl eine Überdosis dieses Stils.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

3 Kommentare

  1. Ich als #Filmgenuss kann deine Sichtweise aber durchaus nachvollziehen. Wes Anderson hat zweifelsohne seine Qualitäten, das Alleinstellungsmerkmal gar nicht mal andiskutiert. Und ich wusste, du würdest diesen Film hier anders sehen als ich. Weil: Fan ist nunmal Fan, da ist schon so viel Vertrauensvorschuss drin :-) Schön, dass du dich dafür so begeistern kannst.

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    1. Genauso kann ich auch deine Meinung nachvollziehen. Wie schon geschrieben, das ist Wes Anderson auf die Spitze getrieben – das kann man mögen, aber auch nicht. Zugegebenermaßen ist es aber nicht sein Meisterwerk, da würde ich andere Filme wie „Isle of Dogs“, „Grand Budapest Hotel“, „The Royal Tenenbaums“ oder der von mir heißgeliebte „Die Tiefseetaucher“ noch deutlich voran sehen. Das zeigt aber auch, wie sehr mit Wes Anderson begeistert, wenn ich ohne lang zu zaudern 8,0 Kürbisse für einen Film zücke, der für mich nicht mal in seinen Top5-Werken dabei ist. ;-)

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      1. Grand Budapest Hotel finde ich auch mit Abstand sein bestes Werk – der ist wirklich außergewöhnlich gut. Obwohl: außergewöhnlich sind sowieso alle seine filme. Nur eben manchmal mehr, manchmal weniger anstrengend. Übrigens, die Episode mit dem Maler, die finde ich hier in seinem neuen Film ebenfalls am besten.

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