Tannöd (2009)

Regie: Bettina Oberli
Original-Titel: Tannöd
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Drama, Krimi, Historienfilm
IMDB-Link: Tannöd


Auf dem Land geht es zuweilen finster zu – Geheimnisse werden in den Schatten dichter Wälder begraben, die eng miteinander verwobene Dorfgemeinschaft belauert sich gegenseitig, und Abgründe der Menschen treten hervor, die andernorts verborgen geblieben wären. In Perfektion umgesetzt hat diese düstere Atmosphäre Andreas Prochaska in dessen Bauernwestern Das finstere Tal, doch auch Bettina Oberlis „Tannöd“ bleibt nicht weit davon entfernt. Vorlage für Roman und Verfilmung war ein realer Mordfall in den 20er Jahren in Bayern, der nie aufgeklärt werden konnte. Als zwei Jahre später eine Magd stirbt, reist deren Tochter in das Dorf und wirbelt dort alten Staub auf. Was nach dem schrecklichen Mehrfachmord an der Familie Danner und deren Magd in der Dorfgemeinschaft unausgesprochen blieb, kommt nun an die Oberfläche. Und auch alte Geheimnisse bahnen sich ihren Weg ans Licht. „Tannöd“ ist ein langsamer, atmosphärisch unglaublich dichter Film, der nur am Rande an dem Mordfall interessiert ist. Vielmehr beschäftigt sich Oberli mit den seelischen Abgründen der Familie Danner, dem verkommenen Vater, der Lieblosigkeit und Härte, mit denen er allen Menschen begegnet ist, und das Ergebnis daraus: dass die Familie Danner von allen im Dorf gehasst wurde. Es sind diese sozialen Geflechte und ihre Risse darin, die Oberli besonders interessieren. Und so ist „Tannöd“ weniger ein spannendes Krimispektakel als eine Erforschung der sozialen Strukturen einer Zwangsgemeinschaft, wie man sie eben im Dorf findet. Wenn man mit der entsprechenden Erwartungshaltung an den Film herangeht, wird man reich belohnt. „Tannöd“ ist ein düsterer, gut gespielter Anti-Heimatfilm. Was der Film hingegen nicht ist: Ein nervenaufreibender Thriller.


7,0 Kürbisse

5 Kommentare

    1. Ja, „Das finstere Tal“ ist ein Meisterstück. Den habe ich am Tag nach „Tannöd“ mit meiner Freundin geschaut, weil mich die Stimmung in „Tannöd“ eben ein bisschen an „Das finstere Tal“ erinnert hat.

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      1. Nein, noch nicht. Über „Blutgletscher“ habe ich mich damals nicht drübergetraut, und „Tattoo“ sagt mir im Moment nichts. Aber ich werde die beiden Filme mal auf meine Liste packen. :-)

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