Dreizehn Leben (2022)

Regie: Ron Howard
Original-Titel: Thirteen Lives
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Drama
IMDB-Link: Thirteen Lives


2018 wurden 12 Jugendliche im Alter von 11 bis 16 und ihr Fußballtrainer in einer Höhle in Thailand vom eintretenden Monsun überrascht und vom Wasser eingeschlossen. Die Rettungsaktion zog sich über zwei Wochen unter der gespannten Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Am Ende musste ein aberwitziger Plan herhalten, um die Jungs und ihren Trainer aus der überfluteten Höhle zu bergen. Der umtriebige Ron Howard, der sich in nahezu allen Genres wohlfühlt und 1995 schon Erfahrung mit Katastrophenfilmen gemacht hat – in Apollo 13 musste er Tom Hanks & Co. aus dem Weltall zurück nach Hause bringen – überrascht in „Dreizehn Leben“ mit einem sehr unprätentiösen und stellenweise fast dokumentarisch wirkenden Ansatz. Er vertraut zurecht darauf, dass die Geschichte selbst ausreichend Spannung in sich trägt, um die Zuseher trotz einer Laufzeit von fast 2,5 Stunden am Sessel kleben zu lassen. Der nüchterne Ansatz, den der Film verfolgt, schlägt sich auch nieder in den Leistungen der Darsteller. Viggo Mortensen, Colin Farrell, Joel Edgerton und Tom Bateman als Höhlentaucher stellen ihren Hollywood-Glamour gekonnt zurück und stellen sich ganz in den Dienst der Geschichte. Dazu kommt, dass trotz Fokus auf das internationale Expertenteam, das eine entscheidende Rolle bei der Bergung der Eingeschlossenen gespielt hat, der Film auch den lokalen Helfern und Helden genug Raum gibt und deutlich macht, dass die Rettung nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller möglich war. „Dreizehn Leben“ verzichtet komplett auf Pathos und bemüht sich um eine möglichst realistische Darstellung der Geschehnisse, wie auch von den tatsächlich Beteiligten bestätigt wird. Auch wenn sie festhalten, dass es in Wirklichkeit noch viel schlimmer und viel verrückter war, da das Wasser in der Höhle so schlammig war, dass man quasi nichts sehen konnte. So gesehen ist „Dreizehn Leben“ ein seltener Fall eines Hollywood-Films, der die wahren Ereignisse sogar noch ein wenig herunterspielt anstatt sie zu überhöhen. Dennoch ist der aktuell auf Amazon Prime verfügbare Film ein absoluter Nägelbeißer. Allein das zeigt schon, wie aberwitzig die ganze Geschichte ist.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Scott Garfield – © 2022 CTMG, Quelle http://www.imdb.com)

2 Kommentare

  1. Sehr sehr treffend beschrieben! Es ist wirklich eine ganz eigene Mischung zwischen Doku und Spielfilm. 👍🏻 Und „aberwitzig“ ist wahrlich das beste Wort für die Rettungsidee, ohne zuviel zu Spoilern. Unglaublich! Die erste Stunde des Films fand ich ausgesprochen zäh, aber dann entwickelt sich die Story schrittweise immer mehr und in der letzten Stunde war dann selbst an eine Kühlschrankpause nicht mehr zu denken. 😆 So super dramatisch und spannend. Selbst wenn man vorher Wikipedia konsultiert, wie die G’schicht ausgeht. Eine Kleinigkeit die mir am Ende bisserl gefehlt hat, war die Sache mit dem Coach. Die Eltern waren froh, dass der Coach so umsichtig war und die Moral der Burschen so einmalig aufrecht erhielt und auf ihm nicht böse waren. Es kam während des Films mal in einer Bemerkung eines Retters rüber, aber hätte am Ende vielleicht noch mal gepasst. Tragisch finde ich, dass selbst ein Jahr später noch ein Beteiligter an einer Infektion starb. Ich wäre vor dem Film nie auf die Idee gekommen, dass solche tropischen Höhlen aufgrund der unbekannten Viren darin eine große Gefahr darstellen. Aber absolut sehenswert. 7,5 Pumpkins trifft es gut.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar! Ich habe damals die Geschichte recht gebannt live verfolgt. Das wenige, was man von der Rettungsaktion mitbekommen war, war schon irrwitzig genug. Dass es in der Realität dann noch ärger war, fand ich wirklich faszinierend und hat mich am Fernseher kleben lassen. Und ja, man hätte noch etwas mehr auf die Jungs in der Höhle und die unfassbare Leistung ihres Coachs, die Moral hochzuhalten, eingehen können. Ich kann mir nur vorstellen, dass dieser Aspekt bewusst etwas ausgespart wurde, da man mit solchen Szenen dann – ob nun tatsächlich so passiert oder nicht – vielleicht schnell mal ins Kitschige gleitet, und das hat Ron Howard sichtlich vermeiden wollen.

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