Corsage (2022)

Regie: Marie Kreutzer
Original-Titel: Corsage
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Biopic, Drama, Historienfilm
IMDB-Link: Corsage


In den vergangenen Jahren ist es offenbar in Mode gekommen, heroisch verklärte Frauenfiguren aus der Geschichte zu sezieren und in ein neues (nicht immer vorteilhaftes) Licht zu rücken. Pablo Larraín hat es in dieser Kunstform zu erklärter Meisterschaft gebracht und uns originelle Filme wie Spencer beschert, und zuletzt hat Andrew Dominik aufhorchen lassen, indem er Marilyn Monroe in Blond durch die sieben Kreise der Hölle geschickt hat. Marie Kreutzer reiht sich nahtlos in diese Riege ein. Ihre Kaiserin Elisabeth, romantisch mit kiloweise rosa Kitschpulver in den Sissi-Filmen bestäubt, wird hier als sehr eigenständige, eigensinnige, vom Hofzeremoniell angeödete und des Lebens verdrossene Melancholikerin dargestellt. Die Parallelen zu Prinzessin Diana in „Spencer“ sind unübersehbar – beide Filme zielen in die gleiche Richtung: Das scheinbar glamouröse Leben der Monarchinnen wird Schicht für Schicht abgetragen, bis der innerste, verwundbare und auch schon schwer verwundete Kern der Seele übrigbleibt. Sisi- und Romy Schneider-Fans mögen Schnappatmung bei diesem Vorgang finden, und ja, Vicky Krieps bringt nichts von dieser unschuldig-zärtlichen Anmut einer Romy Schneider in die Rolle ein, aber nichtsdestotrotz (oder gerade deshalb) funktioniert sie als Kaiserin Elisabeth hervorragend – wenn man sich von dem Gedanken verabschiedet, ein klassisches Biopic zu sehen. Denn das ist „Corsage“ nicht, das will der Film auch gar nicht sein. Einsprengsel von modernen Elementen, die fast so wirken, als hätte das Produktionsteam schlicht vergessen, diese aus dem Bild zu nehmen (ein modern wirkender Traktor, ein im Gang herumstehender Wischmop aus türkisem Plastik, oder aber auch ein Song aus den 60ern, der auf einer Geige gezupft wird oder etwas gar verfrühte Filmaufnahmen), deuten auf eine Metaebene hin. Kaiserin Elisabeth ist hier sinnbildlich zu nehmen für den Kampf aller Frauen, sich von ihrem zu eng geschnürten gesellschaftlichen Korsett zu befreien. So ist der Film vielleicht etwas anstrengend und manchmal auch irritierend, bleibt aber aufgrund seiner Doppelbödigkeit stets interessant. Ich glaube, auch Romy Schneider hätte er gut gefallen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

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4 Kommentare

    1. Ja, das Ende ist sehr stimmig und gelungen. Ich bin selbst auch noch am Grübeln, ob ich den Film insgesamt nicht ein wenig unterbewertet habe. Vielleicht ist das ein Film, der erst einmal ein bisschen reifen muss, ehe man zu einem finalen Urteil kommt. Aber ob nun 7 oder 8 Kürbisse – empfehlenswert ist er definitiv.

      Gefällt 1 Person

  1. Wegen der Schlussszene musste ich nach dem Film erst einmal Wikipedia bemühen, ob das historisch verbürgt war oder nicht…

    Bei mir waren es zwar nur 6 Punkte, aber ich bin mir nicht sicher, in wie weit man die mit Kürbissen vergleichen kann ;)

    Gefällt 1 Person

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