The Banshees of Inisherin (2022)

Regie: Martin McDonagh
Original-Titel: The Banshees of Inisherin
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: The Banshees of Inisherin


Das Trio Martin McDonagh, Colin Farrell und Brendan Gleeson hat mit der schwarzen Komödie Brügge sehen … und sterben? für Furore gesorgt. Die drei passen auch wunderbar zusammen: Gleeson spiegelt die McDonagh’sche Lakonie, und Colin Farrell trägt mit seiner Verhuschtheit die Geschichte. Doch funktioniert das auch ein zweites Mal? Die Antwort als Spoiler vorab: Und wie! „The Banshees of Inisherin“ spielt auf der titelgebenden abgeschiedenen Insel vor der irischen Küste zu Beginn der 20er Jahre. Auf dem Festland tobt ein Bürgerkrieg, den niemand hier verstehen kann, und die einzigen Freizeitbeschäftigungen bieten das lokale Pub sowie das Verbreiten von Klatsch im Dorf. Klar bricht da erst einmal eine Welt zusammen, wenn der langjährige beste Freund einen plötzlich meidet, und, noch schlimmer, dann unumwunden zugibt, dass er nichts mehr mit dieser Freundschaft zu tun haben möchte, er langweile sich und habe Besseres vor in seinem Leben, Musikstücke komponieren zum Beispiel. Pádraic, der Abgewiesene, versteht die Welt nicht mehr und versucht, seinen alten Freund Colm von diesem Nonsens abzubringen. Der droht mit drastischen Maßnahmen, würde seine Privatsphäre weiterhin verletzt werden. Und so schaukelt sich die Geschichte allmählich hoch, aber mit einer solchen Lakonie und einem dermaßen trockenen Witz, dass man die Handschrift McDonaghs schon von weitem erkennt. „The Banshees of Inisherin“ ist so vieles gleichzeitig: Lakonische Komödie wie Shakespeare’sches Drama, und dazu auch noch (man muss genau hinblicken, aber dann erkennt man es) eine Allegorie auf den irischen Bürgerkrieg von 1922 bis 1923, als aus Freunden plötzlich verbitterte Feinde wurden. Man könnte in stundenlangen Diskussionen Schicht für Schicht des Films abtragen und würde immer noch neue Facetten entdecken. Verletzter Stolz? Soziale Zwänge? Die Sprachlosigkeit der Männer, die sich stur lieber ihrem Schicksal ergeben, als aufeinander zuzugehen? Die Machtlosigkeit, mit der man manchen Veränderungen gegenübersteht? Die Spirale von Gewalt und Gegengewalt? Alles da in Martin McDonaghs Meisterwerk. Dennoch hätte das alles auch fürchterlich schief gehen können, hätte er nicht mit Farrell (mit seiner vielleicht besten Schauspielleistung überhaupt) und Gleeson zwei Giganten an seinem Set gehabt, die diesen Facettenreichtum stemmen können. So aber ist der Film ein großer Wurf und eines der Highlights des Jahres.


8,5 Kürbisse

(Foto: Photo by Jonathan Hession. Courtesy of Searchlight Pictures (c) 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved. Quelle: http://www.viennale.at)

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