Alles, was wir geben mussten (2010)

Regie: Mark Romanek
Original-Titel: Never Let Me Go
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama, Science Fiction
IMDB-Link: Never Let Me Go


Der Brite Kazuo Ishiguro, seit 2017 Nobelpreisträger für Literatur, schreibt erbauliche Bücher, so richtige Schenkelklopfer. In „Was vom Tage übrig blieb“ reibt sich ein moralisch flexibler Butler für seinen Herrn auf, der unverhohlene Begeisterung für einen kleinen Mann mit Chaplin-Bart aus dem idyllischen Städtchen Braunau hegt. Im neuesten Roman „Klara und die Sonne“ stellt eine künstliche Intelligenz fest, dass sie nur dann beachtet wird, wenn sie nützlich ist. Und in „Alles, was wir geben mussten“ wachsen drei Kinder in einem Internat auf mit dem Wissen, dass sie nicht mehr sind als eine lebende Organspendebank für die Reichen und Mächtigen. Wenn es soweit ist, werden sie ausgeschlachtet, bis nichts mehr da ist, was sie am Leben halten kann. Hach, bei so viel Unterhaltung schmeckt das Popcorn doch gleich mal doppelt so gut! In diesem Sinne darf diese Einleitung als Warnung herhalten vor den Büchern von Ishiguro im Allgemeinen und der Verfilmung von „Alles, was wir geben mussten“ im Speziellen. Das ist nur etwas für sonnige Gemüter. Wer nicht mit einem Schutzschild aus Gelassenheit und innerem Frieden bewehrt ans Werk geht, wird gnadenlos niedergeknüppelt. Mark Romanek gelang jedenfalls eine sehr werksgetreue Verfilmung des berühmten Romans – mit allen dahin einhergehenden positiven wie negativen Aspekten. Positiv hervorzuheben ist die Besetzung, die mit Carey Mulligan als zentrale Figur Kathy ein schauspielerisches Schwergewicht aufwartet, das die Wucht der vielschichtigen Trostlosigkeit in Blicken und Gesten stemmen kann, ohne zur Karikatur zu verkommen. An ihrer Seite: Keira Knightley und Andrew Garfield, die beide deutlich zurückbleiben, was aber nicht weiter schlimm ist, da sich die Geschichte eben auf Kathy konzentriert. Der hauptsächliche negative Aspekt der werksgetreuen Verfilmung ist das Erzähltempo – hier merkt man den Einfluss der gesetzt erzählten Vorlage. So braucht es ein wenig Geduld und Sitzfleisch für den Film, und am Ende stellt sich die Frage, ob man mit der Lektüre des Buchs nicht insgesamt besser fahren würde, da der Film selbst dem Stoff keine weiteren Nuancen hinzufügen kann. Für alle, die das Buch aber nicht kennen, ist „Alles, was wir geben mussten“ ein guter Einstieg in die dystopischen Gedankenwelten von Kazuo Ishiguro, sehenswert und in sich sehr stimmig.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

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