Autor: Filmkürbis

Blaze (2022)

Regie: Del Kathryn Barton
Original-Titel: Blaze
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Drama
IMDB-Link: Blaze


SLASH Festival. Jedes Jahr ein Fixpunkt in Österreichs Filmlandschaft. Hier werden fantastische, absurde, dystopische, groteske und erschreckende Filme gezeigt, die allesamt vereint, dass sie dem Naturalismus abschwören und eigene Wege gehen, die auf verschlungenen Pfaden ins Herz der Finsternis führen. So auch „Blaze“, das Langfilmdebüt der australischen Malerin Del Kathryn Barton. Das Thema des Films ist durchaus realistisch: Die zwölfjährige Blaze wird zufällig Zeugin einer Vergewaltigung mit Totschlag und davon, was absolut nachvollziehbar ist, stark traumatisiert. Trost spendet ihr – und hier kommt nun Bartons eigener Weg zum Vorschein – eine bunte, glitzernde Drachenlady in ihrem Schlafzimmer. „Blaze“ ist ein Traumabewältigungsfilm, der sein Thema nicht auf die leichte Schulter nimmt, aber dennoch einen sehr eigenen Zugang findet. In dieser Vermengung von tragischer Realität und Fantasie erinnert er an den grandiosen Film Die Beste aller Welten, ohne aber dessen Eindringlichkeit zu erreichen. Dafür wirkt „Blaze“ verspielter, und schon bald wird klar, dass der Film auch eine Allegorie auf das Erwachsenwerden durch den Verlust der Unschuld ist. Das alles in bunten, knalligen Farben, wie man sich halt die Fantasiewelt einer Zwölfjährigen vorstellt. Gerade in der Bildkomposition zeigt sich Bartons Hintergrund als Malerin. Der Film geht visuell Wagnisse ein, die aber fast alle aufgehen. Darunter legt sich ein Soundteppich, der verschiedenste Musikgenres ineinandergreifen lässt. Man könnte nun kritisch anmerken, dass es vielleicht ein bisschen zu viel von allem ist, zu gewollt, aber der Film funktioniert dennoch. Was nicht zuletzt an der überragenden Nachwuchsdarstellerin Julia Savage liegt, die ihrer Blaze Facettenreichtum und Tiefe verleiht. Man sollte sich diesen Namen merken.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Blond (2022)

Regie: Andrew Dominik
Original-Titel: Blonde
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Biopic, Drama
IMDB-Link: Blonde


„Sie wollte blond wie eine Semmel sein, blond, blonder als der Sonnenschein …“ Dieses hochlyrische Werk haben wir Rainhard Fendrich, Säulenheiliger des Austropops, zu verdanken. Ob er beim Texten dieser tiefsinnigen Zeilen an Marilyn Monroe gedacht hat, ist nicht überliefert. Möglich wär’s. Denn die war bekanntermaßen auch keine Naturblondine, sondern hat mit viel Wasserstoff nachgeholfen. So wie Ana de Armas, die auch eher dem Typ „glutäugige Latina“ entspricht, sich aber mutig in die ikonische Rolle stürzt. Und siehe da – es funktioniert! Gelegentlich blitzt ein wenig der lateinamerikanische Akzent durch, aber geschenkt. Ana de Armas macht einen herausragenden Job, ihre Marilyn Monroe ist zutiefst ge- und verstört, verletzlich, fast schon mythisch, jedenfalls ätherisch. Aber hoppla – wo bleiben die guten Seiten der Frau, die als Norma Jeane Mortenson geboren wurde, ehe sie zur Legende ihrer Zeit aufstieg? Ist dieses Biopic von Andrew Dominik nicht etwas einseitig, gar entwürdigend geworden? Ganz ehrlich – jeder Ulrich Seidl-Film erscheint dagegen wie ein Feelgood-Movie. Man muss jedoch erst einmal mit einem Missverständnis ausräumen. Andrew Dominik hat nämlich kein Biopic gedreht, auch wenn das Label draufsteht. „Blond“ ist vielmehr eine episodenhafte, kunstvoll verspielte und horrorartige Abrechnung mit dem Publikum selbst. Der Film greift alle Gerüchte und Klischees auf, die man von Marilyn Monroe zu kennen glaubt, und verzerrt sie ins Groteske. Das ist schmerzhaft anzusehen, denn der Film hält uns einen Spiegel vor. „Ihr wolltet in den Abgrund starren? Doch passt auf, der Abgrund starrt auf euch zurück“, ruft uns der Film zu, und Nietzsche kichert leise im Hintergrund, während sich Freud besorgt die Brille aufsetzt. Man muss schon viel Geduld mitbringen, denn „Blond“ ist gegen jede Sehgewohnheit gebürstet und auch mit seiner Länge von 166 Minuten nichts, was man mal nebenbei konsumiert. Ich könnte allerdings nicht einmal mit gutem Gewissen behaupten, dass der Film die volle Konzentration der Zuseher:innen erfordert, denn mehr als auf einer intellektuellen Ebene spielt er sich auf der Ebene der Sinne ab. Es ist ein Film, in den man sich einfach fallen lassen muss. Gelingt das, ist er großartig. Gelingt das nicht, ist er Mist und Zeitverschwendung. Und so kann ich auch die vielen negativen Stimmen nachvollziehen, aber mich hat er – nach einigen Startschwierigkeiten, bis ich mich eingefunden habe in diese ganz spezielle Stimmung, die es für die Sichtung braucht – dann trotz seiner Länge(n) gepackt.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Matt Kennedy/Matt Kennedy/NETFLIX – © 2022 © NETFLIX, Quelle http://www.imdb.com)

Das Vermächtnis der Tempelritter (2004)

Regie: Jon Turteltaub
Original-Titel: National Treasure
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: National Treasure


Nicolas Cage ist selbst ein „National Treasure“. Ganz ehrlich: Es gibt sonst keinen Schauspieler, der einen derartigen Enthusiasmus gepaart mit brutalstem Overacting selbst in den miesesten Filmen und kleinsten Rollen ins Feld wirft. Wenn man sich seine Glanzleistungen wie zB in Prisoners of the Ghostland ansieht, dann ist sein Spiel in „Das Vermächtnis der Tempelritter“ (original eben „National Treasure“) fast schon als subtil, ja beinahe lethargisch zu bezeichnen. Natürlich fehlt es nicht an weit aufgerissenen Augen und bedeutungsvollen Blicken, auch Diane Kruger wird hinreichend angeschmachtet, aber man hat das alles schon expressiver gesehen. Vielleicht hat sich der gute Cage ein Vorbild an Harrison Fords Indiana Jones genommen, der ja eher den Typus „sarkastischer Stoiker“ verkörpert. Insgesamt ist „Das Vermächtnis der Tempelritter“ ganz klar der Versuch, die erfolgreichen Indiana Jones-Filme zu imitieren und dabei eine Prise „Da Vinci Code“ reinzubringen, und phasenweise geht das auch ganz gut auf. Es macht Spaß, Cage, Kruger und Justin Bartha als humorvollem Sidekick beim Lösen alter Rätsel zuzuschauen. Es gibt Särge, Skelette, Kirchen, alte Schriften mit geheimen Karten darauf, es gibt Codes zu knacken und etwas zu stehlen, was man eigentlich gar nicht stehlen kann (hier kommt ein bisschen „Ocean’s Eleven“ dazu), das Tempo ist gut, Sean Bean darf mal wieder den Bösen spielen (eine Routineübung für den Herrn), Jon Voight wie immer finster schauen, auch Christopher Plummer sagt zu Beginn zwei Sätze, die Action ist solide inszeniert, das Setting geheimnisvoll und voller morscher Holzbretter, beleuchtet wird durch Fackeln und man spürt förmlich den Hauch der Geschichte, der eben diese Fackeln zum Zucken bringt. Nichts davon ist irgendwie auch nur ansatzweise originell oder neuartig, aber dank Jon Turteltaubs routinierter Regie ist der Film kurzweilig und in seinem offensichtlichen Versuch, den ausgetretenen Pfaden abenteuerlicher Filmklassiker zu folgen, durchaus sympathisch.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Disney Enterprises, Inc./Jerry Bruckheimer, Inc, Quelle http://www.imdb.com)

Falling Leaves (1912)

Regie: Alice Guy
Original-Titel: Falling Leaves
Erscheinungsjahr: 1912
Genre: Kurzfilm, Drama
IMDB-Link: Falling Leaves


Basierend auf einer Kurzgeschichte von O Henry, der selbst auch das Drehbuch zu diesem Kurzfilm geschrieben hat, erzählt Filmpionierin Alice Guy-Blaché von dem jungen Mädchen Trixie, das die Hiobsbotschaft, ihre Schwester würde an Tuberkulose versterben, wenn das letzte Blatt vom Baum gefallen ist, nicht hinnehmen möchte. Also macht sie sich auf den Weg, um ihre Schwester zu retten. „Falling Leaves“ ist sicherlich ein Rührstück und im Vergleich zu O Henrys Geschichte auch arg verkürzt, aber darüber sieht man gerne hinweg, finden sich doch in diesen etwa 12 Minuten genug schöne Momente, die zeigen, warum Alice Guy-Blaché ein solch hohes Ansehen unter Filmfans genießt. Es sind diese fast beiläufigen Dinge, wie zum Beispiel, als sich die Mutter, vor Schmerz gekrümmt, kurz wegdreht, als die kranke Winifred am Piano zu spielen beginnt, die den Film interessant machen. Auch der Versuch der kleinen Trixie, die herabgefallenen Blätter wieder am Baum zu befestigen, um ihrer Schwester Zeit zu verschaffen, ist einfühlsam in Szene gesetzt. Und auch die Darsteller:innen machen durch die Bank einen guten Job. Diese 12 Minuten Zeit kann man durchaus einmal investieren, wie ich finde.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Thor: Love and Thunder (2022)

Regie: Taika Waititi
Original-Titel: Thor: Love and Thunder
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Fantasy, Action
IMDB-Link: Thor: Love and Thunder


Ich bin ja ein großer Fan von Taika Waititis bisherigem Schaffen. What We Do in the Shadows und JoJo Rabbit sind absurd-komische (und in zweiterem Falle auch teils tragische) Meisterwerke. Und auch sein Einstand im Marvel Cinematic Universe mit „Thor: Tag der Entscheidung“, das immerhin schon dritte Abenteuer rund um den Gott des Donners, hat mir sehr gut gefallen. Ich mag diese schnoddrige, respektlose Art, sich Stoffen zu nähern und diese ad absurdum zu führen. Im nun vierten Thor-Film geht der Schuss aber nun erstmals so richtig nach hinten los. Denn plötzlich geht es nur mehr darum, fetzige Bilder zu zeigen, die dann von ironischen oder selbstironischen Sprüchen unterlaufen werden, während aus den Boxen Guns’n’Roses donnern. Immer und immer wieder. Die Story? Egal. Die Figuren? Werden auf dem Altar der Selbstironie geopfert. Und wenn es dann plötzlich dazu kommt, dass sie Tiefe zeigen müssen, können wir nicht mit ihnen mitleiden, da wir den ganzen Film lang über sie gelacht haben. Autsch! Visuell ist auch der vierte Thor-Film schön anzusehen und gelegentlich sogar spektakulär. Und mit Gorr, dem Götterschlächter, hat man auch einen Schurken an der Hand, der einem das Gruseln lehren kann, was nicht zuletzt daran liegt, dass er von niemand Geringerem als Christian Bale verkörpert wird. Aber Waititi nutzt dieses gewaltige Potential nicht aus, er findet einfach keine Balance zwischen der Komik und der Tragik in den Figuren. Und so ist „Thor: Love and Thunder“ eine uneinheitliche Collage mal mehr, mal weniger gelungener Szenen und muss sich komplett auf seinen Schauwert verlassen, denn etwas anderes hat der Film nicht zu bieten. Schade drum. Man sieht leider überdeutlich, dass sich Waititis Schmäh langsam abnutzt. Die Frische, die er mit dem dritten Thor-Film ins Franchise gebracht hat, ist nun aufgebraucht. Immerhin Guns’n’Roses-Fans werden ihre Freude mit dem Film haben.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Jasin Boland/Jasin Boland – © Marvel Studios 2022, Quelle http://www.imdb.com)

Doctor Strange in the Multiverse of Madness (2022)

Regie: Sam Raimi
Original-Titel: Doctor Strange in the Multiverse of Madness
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Fantasy, Horror, Action
IMDB-Link: Doctor Strange in the Multiverse of Madness


Als hätte es Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) nicht gereicht, mit der Zeit herumzuspielen, nein, der arrogante Zauberer, der die Drecksarbeit in der Regel seinem fliegenden Cape überlässt, muss auch noch durch verschiedene Paralleluniversen fliegen. Wie blöd so etwas ausgehen kann, hat er ja schon in Spider-Man: No Way Home gesehen. Fairerweise muss man dazusagen, dass das fröhliche Hüpfen durch unterschiedliche Welten diesmal nicht auf seinem Mist gewachsen ist, sondern er der jungen Dame America Chavez (Xochitl Gomez) diese Spontanurlaube verdankt. Denn die kann nämlich, wenn sie unter Stress ist, die Tore zu anderen Welten öffnen. Wenig überraschend weckt diese Fähigkeit Begehrlichkeiten, und schon bald hat sie jemanden auf ihren Fersen, der sich dieses Talent für eigene Zwecke aneignen möchte. Doctor Strange, sein treues Cape und Sorcerer Supreme-Buddy Wong (Benedict Wong) haben alle Hände voll zu tun, diese finsteren Pläne zu vereiteln und werden dabei blöderweise auch noch über diverse Parallelwelten verteilt, was die Sache nicht einfacher macht. „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ steht ganz im Zeichen des üblichen Marvel’schen Rezepts, das aus Action, Humor und bunten Fantasiewelten besteht. Mit Sam Raimi auf dem Regiestuhl kommt allerdings eine weitere Komponente hinzu, nämlich eine ordentliche Portion Horror, und das tut dem Film sichtlich gut. Überhaupt fühlt sich das zweite Doctor Strange-Soloabenteuer mehr wie ein Sam Raimi-Film als ein weiterer MCU-Film an. Gekonnt verbindet er die bunte Welt seiner Spider-Man-Trilogie (jene mit Tobey Maguire, und ja, es ist kompliziert mit den Spider-Man-Filmen) mit dem absurden Horror seiner Tanz der Teufel-Filme. Und das passt auch ganz gut zusammen, ohne dass der neueste Doctor Strange zu einem klassischen Horrorfilm werden würde. Aber die gelegentlichen Einsprengsel von Grusel und Schauer passen gut ins Konzept und geben den Humoreinlagen ein stabiles Gegengewicht. Das eigentliche Highlight des Films ist aber der Bösewicht, über den an der Stelle nichts verraten sei – das wäre ein massiver Spoiler. Es sei aber gesagt, dass die schurkischen Ambitionen ausnahmsweise einmal gut nachvollziehbar sind und der Figur Tiefe verleihen. Unterm Strich befindet sich „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ vielleicht nicht unter den allerbesten MCU-Filmen, aber er unterhält auf hohem Niveau und ist durchaus etwas Eigenständiges innerhalb des Comicfilmuniversums.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy of Marvel Studios/Courtesy of Marvel Studios – © Marvel Studios 2022, Quelle http://www.imdb.com)

Das Licht, aus dem die Träume sind (2021)

Regie: Pan Nalin
Original-Titel: Last Film Show
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama
IMDB-Link: Last Film Show


Von Pan Nalin habe ich vorher noch nie gehört, und so lag es an meinem Film-Buddy Der Filmgenuss, dass mir a) diese filmische Lücke bewusst wurde und ich b) sie sogleich schließen konnte. Bei Pan Nalin handelt es sich um einen renommierten indischen Filmemacher, der sich weit abseits kitschiger Bollywood-Filme bewegt. In „Last Film Show“ (auf Deutsch etwas schwülstig „Das Licht, aus dem die Träume sind“) lässt er den Sohn eines mittellosen Teeverkäufers aus der Provinz die Liebe zum Kino entdecken. Nachdem er aus einer Kinovorführung rausgeworfen wird, da er sich kein Ticket leisten konnte, freundet sich der junge Samay mit dem Vorführer Fazal an, der ihn die Geheimnisse lehrt, wie man das Licht fängt und daraus bewegte, tanzende Bilder entstehen lässt. Das klingt alles nach „Cinema Paradiso“ von Giuseppe Tornatore, ist aber dann doch etwas sehr Eigenes. Denn Pan Nalin würdigt nicht nur die Magie des Films, sondern gleichermaßen die analoge Technik, die dahintersteckt. Sein Samay (grandios gespielt von Nachwuchsdarsteller Bhavin Rabari) zeichnet den Weg des Films von Anfang an nach, als wäre er der 100 Jahre zu spät und auf dem falschen Kontinent geborene dritte Bruder Lumière. Mit Witz und Kreativität bauen er und seine Freunde schon bald die Apparate nach, die für eine solche Verzauberung sorgen. „Last Film Show“ ist ein sinnlicher Film, was nicht nur an der Weise liegt, wie Pan Nalin selbst das Licht einfängt und kunstvolle Tableaus kreiert, sondern auch daran, dass wirklich alle Sinne berührt werden – durch die Musik, die die Bilder perfekt untermalt, durch das fast schon erotische Zubereiten der dampfenden Speisen durch Samays Mutter, deren Düfte man förmlich durch die Leinwand riechen kann, durch die Hitze des indischen Subkontinents, die man auf der Haut zu spüren meint. Ein rundum schönes Erlebnis, eine Hommage an das Kino (mit gewitzt eingebauten Zitaten, die sich beispielsweise vor Stanley Kubrick oder Andrei Tarkowski verbeugen) und einer jener Filme, die nicht nur die Leinwand, auf der sie zu sehen sind, würdigen, sondern diese gar brauchen.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Killer’s Bodyguard 2 (2021)

Regie: Patrick Hughes
Original-Titel: The Hitman’s Wife’s Bodyguard
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: The Hitman’s Wife’s Bodyguard


In Killer’s Bodyguard mussten sich Ryan Reynolds als Bodyguard und Samuel L. Jackson als Auftragskiller zusammenraufen, um den Killer rechtzeitig von England nach Den Haag zu bekommen, wo er gegen einen mörderischen Diktator als Kronzeuge aussagen sollte. Der Film lebte stark von einer richtig guten Chemie der beiden Hauptdarsteller und einem ziemlich durchgeknallten Auftritt von Salma Hayek in einer Nebenrolle. Durch den Erfolg von „Killer’s Bodyguard“ war rasch klar, dass ein zweiter Aufguss folgen würde. Und – die Überraschung hält sich in Grenzen – logischerweise musste mehr von dem, was Teil 1 so erfolgreich machte, in Teil 2 hinein. Also mehr Humor, mehr Action und mehr Salma Hayek. Mehr „Motherfucker!“-Flüche von Samuel L. Jackson gingen nicht, denn dieser im ersten Film aufgestellte Rekord wird zu meinen Lebzeiten kaum mehr überboten werden können. Die Story ist für den Unterhaltungswert komplett irrelevant. In Stichworten: Finsterer Antonio Banderas als Grieche mit göttlichem Zorn, irgendwas mit Superviren, die Blackouts verursachen und eben viel Herumgerenne von Reynolds, Jackson und Hayek, was in der Regel mit Explosionen endet. Der Film braucht ein wenig, um Fahrt aufzunehmen. Zudem ist der schurkische Plan des Gegenspielers dermaßen absurd und dämlich, dass man erst seinen IQ auf einen zweistelligen Wert herunterfahren muss, um sich nicht ständig Grün und Blau ärgern zu müssen. Dazu kommt ein mieser Auftritt von Frank Grillo (es tut mir leid, aber der Mann kann überhaupt nicht spielen), und irgendwie macht alles keinen Sinn. Aber egal, denn spätestens mit der Mitte des Films beginnt das, was man von diesem erwartet: Schießereien, Prügeleien, Explosionen, Verfolgungsjagden, alles komplett over the top und immer garniert mit launigen Sprüchen. Gut ist das nicht, aber zumindest stellenweise sehr unterhaltsam. Aber schade, dass man bei diesem Film nicht einmal den Anschein wahren wollte, eine schlüssige Geschichte zu erzählen.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: 20th Century Fox)

The House (2022)

Regie: Paloma Baeza, Emma De Swaef, Niki Lindroth von Bahr und Marc James Roels
Original-Titel: The House
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Animation, Fantasy, Episodenfilm
IMDB-Link: The House


Die Stop-Motion-Tricktechnik ist etwas für richtige Masochisten. Jedes einzelne Bild muss von Hand gebaut werden. Das ist nichts, was man schnell mal in zwei Wochen mit dem Handy abdrehen kann. Glücklicherweise finden sich auch heute noch genügend Spinner, die sich diese Arbeit antun. Denn die daraus resultierenden Ergebnisse sind oft von erstaunlicher Kreativität und einem ganz eigenen Charme – siehe Wes Andersons Meisterwerk Isle of Dogs oder das komplett irre The Old Man Movie aus Estland. „The House“, ein britischer Episodenfilm mit Beteiligung aus Belgien und Schweden, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass diese Sisyphosarbeit, die mit einem Stop-Motion-Film einhergeht, oft ungeahnte Kreativität freisetzt, als würde die repetitive Arbeit, die Figuren Bild für Bild in minimalsten Bewegungsfortschritten in Szene zu setzen, einen Ausgleich in Originalität brauchen. Allein schon das Hauptperson der drei Episoden rund um ein herrschaftliches Prunkhaus ist so angelegt, wie man es heutzutage nur selten sieht. Hier bewohnen neben einer vierköpfigen Familie in der ersten Episode in weiterer Folge Ratten und Katzen in Menschengestalt das alte Haus. Erinnerungen an Kinderbücher von früher werden wach. Alle drei Episoden vereint, dass sie vom Niedergang erzählen. Niemand wird in dem Haus glücklich, und es ist Einfaches, in den Geschichten eine subtile Kritik am Drang nach Besitztum und Betongold zu sehen. Es wäre aber falsch, den Film nur darauf zu reduzieren. Denn es gibt so viel mehr zu entdecken. Da wären die unterschiedlichen stilistischen Ausrichtungen, die von viktorianischem Schauersetting in der ersten Episode über eine kühl-nüchterne, zeitgemäße Stilistik in Episode zwei bis zu einer dystopischen, am Ende auch an Steampunk erinnernde Ästhetik reicht – alles aber in den Gesamtkontext eingewoben, sodass das Werk wie aus einem Guss wirkt. Es gibt zwar einige Längen zu bemängeln, und nicht alles erschließt sich sofort beim ersten Ansehen – es bleiben Fragen offen, über die sich dann wunderbar diskutieren lässt – aber insgesamt ist „The House“ ein großer, mit viel Liebe für Details umgesetzter Wurf.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2021 Netflix, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

10 Dinge, die ich an dir hasse (1999)

Regie: Gil Junger
Original-Titel: 10 Things I Hate About You
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Komödie, Rom-Com, Liebesfilm
IMDB-Link: 10 Things I Hate About You


Es gibt Stoffe, die sind für die Ewigkeit gemacht. Der gute, alte William Shakepeare hat gleich eine ganze Reihe davon für die Nachwelt abgeliefert. Alle Verfilmungen von Shakespeare-Stoffen zu sehen, wäre eine Lebensaufgabe. Wie zeitlos die Geschichten sind, zeigt sich auch daran, dass die meisten Stoffe ohne Probleme in die heutige Zeit übertragen werden können und dort auch noch wunderbar funktionieren. Wie am Beispiel des Stücks „Der Widerspenstigen Zähmung“, das mit Julia Stiles und Heath Ledger in den Hauptrollen als „10 Dinge, die ich an dir hasse“ schlicht an eine amerikanische High School transferiert wurde. Wer aber fürchtet, dass hier nun Teenager altbackene Verse deklamieren (obwohl auch das funktionieren kann, wie beispielsweise Baz Luhrmanns „Romeo und Julia“ beweist), kann beruhigt sein – lediglich der Handlungsrahmen ist Shakespeare, der ganze Rest vom Typus „freche Teenie-Komödie der 90er“. Temporeich und mit viel Gespür für Witz und Timing inszeniert Gil Junger das zunächst monetär indizierte Werben des Slackers Patrick Verona um die feministische, auf Krawall gebürstete Anwaltstochter Kat, die wiederum Druck von ihrer jüngeren Schwester bekommt, denn die darf nicht zum Abschlussball, wenn die an amourösen Verwicklungen so gut wie gar nicht interessierte Kat nicht ebenfalls ein Date aufweisen kann. Natürlich rückt der geschäftliche Aspekt des Buhlens bald in den Hintergrund, schwebt aber wie ein Damoklesschwert über allen Beteiligten. „10 Dinge, die ich an dir hasse“ ist ein gutes Beispiel, wie man Figuren witzig und mit Marotten zeichnen kann, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Man merkt den Respekt vor der Vorlage und vor den Protagonisten. Gleichzeitig schafft der Film es aber, etwas komplett Eigenständiges zu sein. Dazu haben Ledger und Stiles eine wirklich gute Chemie miteinander. Ein Film, der auch fast ein Vierteljahrhundert nach seinem Erscheinen nichts von seinem Unterhaltungswert eingebüßt hat.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1999 – Touchstone Pictures, Quelle http://www.imdb.com)