1001 Filme

Clueless – Was sonst! (1995)

Regie: Amy Heckerling
Original-Titel: Clueless
Erscheinungsjahr: 1995
Genre: Komödie, Satire, Liebesfilm
IMDB-Link: Clueless


Es gibt Filme, die zünden nicht beim ersten Ansehen, sondern es braucht ein paar Durchläufe. Fand ich „Clueless“ als Teenager noch mäßig unterhaltsam, kann ich diese Perle erst jetzt im zarten Alter von 40 Jahren so richtig schätzen. Aber gut, als Teenager ist man sowieso erst mal anti, egal, worum es geht. Außer man ist so reich und gut behütet wie Cher (Alicia Silverstone), dann ist man auch cool ohne aufmüpfige Attitüde. Das Geldbörserl richtet es. Und so kann die liebe Cher den ganzen Tag lang mit ihrer besten Freundin Dionne shoppen oder den Neuzugang der Schule (die viel zu früh verstorbene Brittany Murphy) in die wichtigen Belange des Lebens einführen, nämlich die Frage, welches Shirt man mit welchem Rock kombiniert. Doch etwas nagt schon an der beliebten Cher: Während ihre Freundinnen schon in den Genuss sexueller Ekstase gekommen sind, ist sie selbst noch Jungfrau, Die Versuche, dies zu ändern, erweisen sich zunächst als wenig erfolgreich. Und auch ihr Irgendwie-Stiefbruder Josh (Paul Rudd, dieser Vampir, der im Jahr 2022 genauso aussieht wie 1995), der Sohn einer Frau, mit der Chers Vater kurz mal verheiratet war, trägt zu den dunklen Wolken an ihrem Himmel bei, weiß der smarte Weltverbesserer ihre tief liegenden Probleme nicht richtig zu würdigen. Auf den ersten Blick ist „Clueless – Was sonst!“ von Amy Heckerling eine überdrehte Teenager-Komödie über eine verzogene Göre. Tatsächlich ist der Film aber so viel mehr. Er ist saukomisch, temporeich erzählt und hat trotz aller Oberflächlichkeit sein Herz am rechten Fleck. Am Ende zählen halt nur die echten Gefühle, und die siegen immer über den Kommerz. Halleluja! Und jetzt mach‘ ich ’n Schuh.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1995 Paramount HE. All rights reserved, Quelle http://www.imdb.com)

Ist das Leben nicht schön? (1946)

Regie: Frank Capra
Original-Titel: It’s a Wonderful Life
Erscheinungsjahr: 1946
Genre: Drama, Liebesfilm, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: It’s a Wonderful Life


Weil sich der Geschäftsmann George Bailey (James Stewart) ausgerechnet an Heiligabend umbringen möchte, stellt ihm der Himmel einen Schutzengel (Henry Travers) zur Seite, um ihn von seinem Vorhaben abzuhalten, doch der noch recht unerfahrene Engel zweiter Klasse muss erst einmal ordentlich gebrieft werden. Also wird zunächst die Lebensgeschichte von George Bailey aufgerollt, der immer groß auf Reisen gehen wollte, doch das Leben hatte andere Pläne für ihn. „Ist das Leben nicht schön?“ von Frank Capra ist einer der Weihnachtsklassiker schlechthin. Fast die gesamte Handlung besteht aus einer langen Rückblende, in der aufgerollt wird, wie George Bailey an den Punkt gelangen konnte, dass er seinen Lebensmut verlor. Diese Lebensgeschichte zieht sich zuweilen etwas hin, hat aber auch ihre legendären und denkwürdigen Momente, wenn beispielsweise ein Tanz mit der angebeteten Mary (Donna Reed) unerwartet in einem Bad im Swimming Pool endet. Aus der Auswahl solcher Momente, guter wie schlechter, schält sich allmählich ein Lebenslauf heraus. Die eigentliche Stärke des Films liegt allerdings in seinem letzten Drittel, als Engel Clarence dem Todessehnsüchtigen zeigt, wie eine Welt aussehen würde, in der er nie geboren wurde. Natürlich ist das kitschig, doch das leidenschaftliche Spiel von James Stewart und der trockene Humor von Henry Travers erden die Geschichte. Das Happy End rührt tatsächlich sehr und führt dem Zuseher vor Augen, was der Geist der Weihnacht bedeutet. So ist „Ist das Leben nicht schön?“ zurecht ein Klassiker, der auch heute noch bewegt und Werte vermittelt, die sich gut in die aktuelle Zeit übertragen lassen. In diesem Sinne wünsche ich euch allen da draußen ein friedvolles Weihnachtsfest im Kreise eurer Liebsten!


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)

Regie: James Cameron
Original-Titel: Avatar
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: Avatar


James Cameron ist ein Besessener. Er macht keine halben Sachen. So entwickelte er für sein Sci-Fi-Abenteuer „Avatar“ komplett neue 3D-Kameratechniken, um seine bunte Vision möglichst eindrucksvoll auf die Leinwand zu bringen. Dass er sich für die Fortsetzung des Erfolgsfilms ein Jahrzehnt Zeit gelassen hat, ist nur konsequent. Aber zurück zu „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ bzw. „Pocahontas im Weltraum“, so der inoffizielle Titel. Wir erleben hier eine klassische Kolonialisierungsgeschichte, in der der weiße Mann zu den Natives überläuft, um sie gegen Ausbeutung und Tod durch die finsteren Kolonialmächte zu beschützen. Dass sich dabei auch noch eine Romanze entwickelt, gehört zum Topos wie der Kartoffelsalat zum Wiener Schnitzel. Die Suppe mag zwar ziemlich dünn sein, und bei allen Auszeichnungen für Cameron und Avatar – ein Oscar für das beste Drehbuch wäre vermessen gewesen – aber auch heute noch, 13 Jahre später und selbst auf einem kleinen Fernseher statt auf der großen Kinoleinwand, strahlen die Bildwelten, die Cameron geschaffen hat, eine beeindruckende Magie aus. In Sachen Creature Design, Set Design und generell Weltenbau ist „Avatar“ auch jetzt noch vorbildhaft für alles, was da sonst noch im Science Fiction-Genre existiert. Das ist Überwältigungskino, dem man Schwächen in der Story gerne verzeiht. Ob Cameron diese Qualität nicht nur beim Ende 2022 erscheinenden zweiten Teil, sondern auch bei den weiteren drei Filmen, die dann bis 2028 noch folgen sollen, halten kann, wird sich weisen. Ich verweise allerdings auf meinen Eingangssatz. James Cameron macht keine halben Sachen, und daher darf man gespannt sein.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat:Foto von Courtesy of WETA – © 2007 Twentieth Century Fox – All Rights Reserved. Quelle http://www.imdb.com)

Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel (1986)

Regie: Tony Scott
Original-Titel: Top Gun
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Action
IMDB-Link: Top Gun


Von den beiden Scott-Brüdern war Ridley immer für das Filigranere zuständig und Tony für die Haudrauf-Filme. Beides hat seine Berechtigung. Und so findet sich „Top Gun“ von Tony Scott unter den 1001 Filmen, die man gesehen haben muss, bevor das Leben vorbei ist. Auf Deutsch hat der Film im Übrigen den netten Zusatz „Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ erhalten. Wenn man sich nun an den Titel des legendären EAV-Albums „Liebe, Tod und Teufel“ erinnert, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die kernigen Kampfpiloten zwar von Tod und Teufel nichts zu befürchten haben, aber die Liebe meiden sie wie Satan das Weihwasser. Die 109 Minuten Laufzeit von „Top Gun“ teilen sich auf in 79 Minuten Machogehabe, 25 Minuten Hurra-Patriotismus und 5 Minuten Daddy Issues, die Tom Cruise als Ltd. Pete „Maverick“ Mitchell mit sich herumträgt. Die kann auch Kelly McGillis nicht heilen, so sehr sie den jungen, bubenhaften Cruise auch anschmachtet. Also lieber in den Flieger steigen und alles vergessen, was man auf Erden so mit sich herumträgt. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …“ So lange halt, bis ein paar feindliche MiG diese Freiheit einschränken wollen. Dann gibt’s Saures! Subtilität ist nicht die Stärke des Films. Dafür können sich die Luftkämpfe auch heute noch sehen lassen, die Action ist stimmig und spannend inszeniert, und alles an dem Film schreit nach den 80er-Jahren, was ja nicht per se schlecht sein muss. Gut, „Danger Zone“ von Kenny Loggins hat man mittlerweile ein paar Mal zu oft im Radio gehört, aber als Hintergrundmusik für die testosterongetränkte Action passt das schon. Unterm Strich gebe ich Ridley Scott fast immer den Vorzug, aber „Top Gun“ hat zurecht seinen Platz in der Filmgeschichte.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat:© 1986 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Toy Story (1995)

Regie: John Lasseter
Original-Titel: Toy Story
Erscheinungsjahr: 1995
Genre: Animation
IMDB-Link: Toy Story


To infinity and beyond! Keine Frage, was Pixar im Auftrag von Disney 1995 mit „Toy Story“ gezeigt hat, ging in die Filmgeschichte ein und veränderte den animierten Film für immer. „Toy Story“ war der erste vollständig computeranimierte Film der Geschichte. Und Steven Spielberg war daran nicht ganz unbeteiligt. Denn erst die bahnbrechenden Animationen für sein Jurassic Park ermöglichten es künftigen Filmemachern, ganz neue Welten auf dem Computer zu erschaffen. Was heute filmischer Standard ist, nicht nur im Bereich des animierten Films, sondern ganz generell für Filmschaffende, nahm damals seinen Anfang. Der Film war so visionär, dass die Academy 1996 dafür einen eigenen Sonder-Oscar vergab. Natürlich: Mit heutigen Augen betrachtet sieht man dem Film sein Alter durchaus an, gerade bei den animierten Kindern, die noch mit vergleichsweise wenigen Gesichtsausdrücken durchkommen müssen. Aber ja, der Film war damals eine Sensation und hat euch heute noch eine treue Fangemeinde. Wäre er nicht der erste jemals komplett computeranimierte Film der Geschichte gewesen, sondern der zweite oder dritte, so könnte ich mir vorstellen, dass der Hype wohl etwas verhaltener ausgefallen wäre. Die Story ist spannend, aber recht einfach gestrickt – „Toy Story“ ist ein klassisches Buddie-Movie, bei dem sich zwei gegensätzliche Charaktere durch ein gemeinsames Abenteuer zusammenraufen müssen. Das alles ist charmant und temporeich erzählt, auch die Actionszenen sind gut gemacht, aber es fehlt noch (größtenteils) die inhaltliche Tiefe, die spätere Pixar-Filme ausgezeichnet haben, auch wenn die ersten Ansätze dafür schon vorhanden sind und der Film nicht nur auf die Jüngsten im Publikum ausgerichtet ist. Dieser erste Gehversuch der computeranimierten Welt ist auch heute noch aller Ehren wert, doch – wie es so oft ist bei Pionieren – er wurde von seinen Nachfolgern deutlich überflügelt.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1995 – Walt Disney Studios, Quelle http://www.imdb.com)

Titanic (1997)

Regie: James Cameron
Original-Titel: Titanic
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Drama, Historienfilm, Liebesfilm
IMDB-Link: Titanic


Ehre, wem Ehre gebührt. James Cameron hat 1997 mit Titanic einen monumentalen Zwitter aus Katastrophenfilm und Liebesfilm vorgelegt, der seine jeweiligen Genres definiert bzw. auf ein komplett neues Level gehoben hat. Vergesst Romeo und Julia – hier sind Jack und Rose! Gibt es irgendwen, der den Film nicht kennt? „Titanic“ war ein Ereignis – selbst meine Großeltern, die wirklich nie ins Kino gegangen sind, haben sich aufgerafft und die drei Stunden im Kinosessel durchgedrückt. „So schee!“, das einhellige Urteil damals. Doch auch jetzt, fast ein Vierteljahrhundert später, kann man nur den Hut ziehen vor diesem ambitionierten Mammutprojekt, das neue Maßstäbe gesetzt hat. Seien es die eindrucksvollen Aufnahmen des Riesenschiffs, wenn die Kamera über die Decks gleitet, seien es die Ausstattung und Kostüme, die diese historische Epoche kurz nach der Jahrhundertwende wieder zum Leben erwecken oder die grandiosen und bahnbrechenden Spezialeffekte, wenn das Schiff den schicksalshaften Eisberg gerammt hat und langsam zu sinken beginnt. Was aber fast am meisten Eindruck auf mich macht, sind die ungeschönten Darstellungen von Chaos und Panik, als auch die letzten begreifen, dass es kein Entrinnen gibt und sie wohl sterben werden. Ständig fallen Menschen von der Reling ins eiskalte Wasser, zerkleschen an den gewaltigen Antriebsrädern oder ertrinken qualvoll in ihren Kajüten. James Cameron gelingt es tatsächlich, die Schauwerte hochzuhalten und gleichzeitig Entsetzen und Mitgefühl beim Zuseher auszulösen. Da braucht es nicht einmal die tragische Liebesgeschichte der reichen, unglücklichen Aristokratentochter mit dem bettelarmen Zeichner – die emotionale Wucht, die der Film vor allem in der zweiten Hälfte entfaltet, sucht heute noch ihresgleichen. Dabei ist die erste Hälfte, die sich auf die Anbahnung der Beziehung von Jack und Rose konzentriert, ebenfalls auf herausragendem Niveau. Vielleicht ein bisschen schnulzig, das kann man dem Film vorwerfen, aber eine solche Liebesgeschichte muss nun mal episch inszeniert werden. Das wusste schon Shakespeare, und wer wagt es, sich mit dem Meister anzulegen? Geschmäcker sind subjektiv, keine Frage, aber ganz nüchtern betrachtet handelt es sich bei „Titanic“ um einen der besten Filme aller Zeiten.


9,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1997 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Rächer der Unterwelt (1946)

Regie: Robert Siodmak
Original-Titel: The Killers
Erscheinungsjahr: 1946
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: The Killers


„Rächer der Unterwelt“, auch bekannt als „Die Killer“, begründete Robert Siodmaks Ruf als exzellenten Regisseur für dramatische Thriller. Und das zurecht. Denn der finstere Film Noir ist spannend und wendungsreich inszeniert, ohne aber die Geduld der Zuseher mit übertriebenen deus ex machina-Momenten zu sehr zu strapazieren. Der Film beginnt mit einer brillanten Szene, als zwei dubiose Gestalten, die sich schon bald höflich als Killer vorstellen, recht nonchalant ein Diner übernehmen, um hier auf „den Schweden“ zu warten, mit dem sie offensichtlich eine Rechnung offen haben. Diese Szene hätte ein Tarantino auch nicht viel besser hinbekommen beziehungsweise würde es mich nicht überraschen, wenn Tarantino ein Bewunderer dieser Szene wäre. Nun, der Schwede ist bald tatsächlich Geschichte, doch sein letzter Wille, mit dem er sein Erspartes einem Zimmermädchen eines Hotels vermacht, gibt dem Versicherungsdetektiv Jim Reardon (Edmond O’Brien) Rätsel auf. Er taucht tief ein in die Vergangenheit des Schwedens, seinen Anfängen als Boxer, seiner Liaison zur mysteriösen Barsängerin Kitty Collins und den Geheimnissen, die nach und nach an die Oberfläche kommen. Der Schwede und seine Kitty werden von niemand Geringerem gespielt als den (späteren) Weltstars Burt Lancaster und Ava Gardner, die damals an den Anfängen ihrer Karrieren standen. Und die mit „Rächer der Unterwelt“ ihren Filmographien schon früh ein Meisterwerk hinzufügen konnten. Wer nur einen einzigen Film Noir in seinem Leben gesehen haben möchte, der kann ruhig zu „Rächer der Unterwelt“ greifen. Die Herausgeber von „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ sehen das ähnlich und haben den düsteren Krimi in ihre Liste mit aufgenommen.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Cabin in the Woods (2011)

Regie: Drew Goddard
Original-Titel: The Cabin in the Woods
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Horror, Satire
IMDB-Link: The Cabin in the Woods


Einer der 1001 Filme, die man gesehen haben sollte, bevor das Leben vorbei ist, ist „The Cabin in the Woods“ von Drew Goddard, der gemeinsam mit Joss Whedon auch das Drehbuch geschrieben hat. Und ja, auch wenn der Film unter Horror-Fans vielleicht zwiespältig aufgenommen wird, so befindet sich diese Meta-Horror-Komödie meiner Ansicht nach zurecht auf dieser Liste. Denn „The Cabin in the Woods“ ist nicht bloß ein unterhaltsamer Horrorfilm, sondern er zerlegt mit Freude die gängigsten Klischees des Genres und baut aus diesen selbstironisch einen eigenen Plot. Darin fahren einige befreundete Studenten gemeinsam auf Urlaub zu einer entlegenen Waldhütte – und natürlich ist diese unheimlich und düster, und natürlich machen die spaßsüchtigen jungen Leute gleich mal alles falsch, was man falsch machen kann – Warnungen in den Wind schlagen, in fremden Kellern herumstierln, eben genau das, was in Horrorfilmen mit Sicherheit ins Verderben führt. Die Meta-Ebene des Films wird aber schnell aufgeblättert, und so ist „The Cabin in the Woods“ mehr ein Kommentar auf das aktuelle Horrorfilmgenre als Horrorfilm per se. Das alles ist wahnsinnig witzig und temporeich inszeniert. Der Film hat so gut wie keine Längen. Die Horrorelemente sind so gut dosiert, dass auch ein Hosenschisser wie ich ohne Herzinfarkt durch den Film kommt. Von mir eine klare Empfehlung, vom oben genannten Büchlein mit den 1001 Filmen ebenfalls.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Diyah Pera – © 2011 – Lionsgate, Quelle http://www.imdb.com)

Das goldene Zeitalter (1930)

Regie: Luis Buñuel
Original-Titel: L’Âge d’Or
Erscheinungsjahr: 1930
Genre: Drama, Experimentalfilm
IMDB-Link: L’Âge d’Or


Einige abgekämpfte Soldaten im Gebirge marschieren los ins nächste Gefecht, auch wenn sie verwundet sind und sich kaum auf den Beinen halten können. Priester halten auf den Felsen eine Zeremonie ab. Schiffe landen, in einer Prozession gelangen die Ankömmlinge zum Felsen mit den Priestern, die mittlerweile nur noch Skelette sind. In Rom tummelt sich der Verkehr, eine Kuh liegt im Schlafzimmer, die verliebte Frau leckt die Zehen einer Statue ab, Menschen hängen von Decken, sind blutüberströmt, ein Herzog feiert eine Orgie und erscheint als Jesus – willkommen in der surrealen Welt von Luis Buñuel. Die Bilder erzählen weniger eine Geschichte als dass sie Assoziationen wecken. Was im Kurzfilm „Ein andalusischer Hund“ noch sehr gut funktioniert hat, führt im Langfilmdebüt des visionären Mexikaners allerdings zu einem langatmigen Durcheinander, das viel Geduld erfordert. Die Konzentration ging mir beim Ansehen zwischendurch mal flöten. So gelungen ich auch den Anfang und das Ende fand, aber der Mittelteil hat seine Durchhänger. Und insgesamt ist es halt auch etwas unbefriedigend, sechzig Minuten lang Assoziationen aufzubauen. Eine Handlung wird zwar angedeutet, aber die ist neblig wie eine Raucherkabine ohne Dunstabzug. Man kommt fast unweigerlich an den Punkt, an dem man sich fragt: Und was soll das alles jetzt? Insofern kann ich empfehlen, lieber beim andalusischen Hund zu bleiben, das ist der stringentere und durch die Kürze auch besser verdauliche Film. Auch wenn die Kuh im Bett schon ein sehr amüsanter Anblick ist.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Constantin Film/BerghausWoebke/Gordon Timpen, Quelle http://www.imdb.com)

Ein andalusischer Hund (1929)

Regie: Luis Buñuel
Original-Titel: Un chien andalou
Erscheinungsjahr: 1929
Genre: Kurzfilm, Experimentalfilm
IMDB-Link: Un chien andalou


Wenn sich die beiden jungen Verrückten Luis Buñuel und Salvador Dalí zusammentun und ein bisschen zu viel Absinth tanken, werden schon mal Augen aufgeschlitzt und Ameisen krabbeln aus Händen heraus. „Ein andalusischer Hund“ ist ein Fiebertraum von einem surrealistischen Film, der das damals immer noch junge Medium Film auf ein nächstes Level gehoben hat. In gewisser Weise markiert der berühmte Schnitt durch das Auge das Ende der Unschuld des Kinos. Der Schock fuhr dem Publikum in die Glieder, und von diesem Zeitpunkt an musste man sich im Kino auf alles gefasst machen. „Ein andalusischer Hund“ ist aber mehr als diese frühe Szene, die jeder mit dem Film verbindet. Auch der Rest der Szenen, die nur lose zusammenhängen, erzeugen ein Gefühl der Unsicherheit, sind unbequem und damit auch aus heutiger Perspektive noch interessant. Einen roten Faden gibt es nicht wirklich, aber wir sind hier schließlich auch im Surrealismus unterwegs – da wären Struktur und Ordnung ein Affront. Dennoch wird mit der Zeit assoziativ ein Bild erzeugt – eines von Liebe und Leidenschaft, von der Befreiung aus einer toxischen Beziehung und einem Rückfall in alte Muster. Soweit jedenfalls meine Gedanken zum Film, und dieser ist so offen und unbestimmt gestaltet, dass jede/r andere, eigene Assoziationen mitnimmt, die immer höchst persönlich und individuell bleiben müssen. Das ist nichts für jeden Moment im Leben, aber wenn man in der richtigen Stimmung ist, beim Filmschauen aktiv mitzuarbeiten, ist „Ein andalusischer Hund“ eine spannende Angelegenheit.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Kino International, Quelle http://www.imdb.com)