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Oscars 2020: Wer kriegt die Goldmännchen, wer kriegt sie nicht, und wer sollte sie kriegen?

Hach, die Oscars. Der renommierteste Filmpreis der Welt. Wenngleich auch nicht der künstlerisch relevanteste. Wie jedes Jahr werde ich mir das Spektakel live im Kino geben, werde mich über unerwartete, aber verdiente Außenseiter-Siege freuen, die meiste Zeit aber über schimpfen und die Vorhersehbarkeit der meisten Entscheidungen bedauern. Im Gegensatz zu früheren Jahren fehlen mir tatsächlich einige Filmsichtungen, allen voran „Ford V Ferrari“, immerhin 4fach nominiert. Und „Little Women“ gibt es als traditionellen Vor-Oscar-Film am Sonntag um 11 Uhr nachts. Verzeiht bitte, wenn sich vor der Oscar-Verleihung dazu keine Review mehr ausgeht.

Aber wer sind nun die Favoriten, wer wird meiner Meinung nach gewinnen und wer sollte stattdessen gewinnen? Hier eine kurze Einschätzung zu den Kategorien Bester Film, Beste Regie und die vier Darsteller-Kategorien. Es gäbe noch viel mehr zu erzählen, noch viel mehr spannende Kategorien, aber so viel Text möchte ich euch dann doch nicht aufbürden. Seht euch einfach selbst die Filme und die Verleihung an. Ein bisschen Zeit habt ihr ja noch.

Bester Film

Keine Frage, der Sieg führt hier nur über 1917. Parasite und Once Upon A Time … in Hollywood könnten Sam Mendes als aussichtsreichste Herausforderer noch die Party versauen, zwei frühe Favoriten, die mittlerweile nur noch als gefährliche Außenseiter ins Rennen gehen, sind zudem The Irishman und Joker, aber ich denke nicht, dass es reichen wird. „1917“ scheint nach den letzten Preisverleihungen eine sichere Bank zu sein. Generell kann ich aber festhalten, dass dieser Jahrgang verdammt stark ist. Von den 7 Filmen, die ich bislang gesehen habe, wurde The Irishman mit immer noch sehr guten 7,5 Kürbissen von mir am schlechtesten bewertet.

Auf wen würde ich wetten? 1917. Ein technisches Meisterwerk, das auch dramaturgisch punkten kann.

Wen würde ich auszeichnen? Joker. Oft wird er auf Joaquin Phoenix‘ Leistung reduziert, aber der Film funktioniert als zeitgemäße Kritik an einer mitleidlosen Neid- und Spaßgesellschaft auch für sich.

Und was wäre meine sentimentale Wahl? JoJo Rabbit. Ein wunderbar ambivalenter Film, der moralische Überzeugungen auf den Prüfstand stellt, und Humor wie Schrecken gleichermaßen zulässt.

Und wer fehlt (mir) am meisten? The Last Black Man in San Francisco. Ein Film des Jahres für mich, ein Regiedebüt mit so viel Seele und gleichzeitig virtuoser Inszenierung, dass man nur Beifall klatschen kann.

Beste Regie

Lassen wir die (wohl berechtigte) Aufregung rund um Greta Gerwigs Nicht-Nominierung beiseite, zu der ich noch nichts sagen kann, da ich „Little Women“ erst am Sonntag sehen werde. Es gibt aber darüber hinaus eh genug zu diskutieren in dieser hart umkämpften Kategorie. Lange Zeit hat es so ausgesehen, als wäre Scorsese der Frontrunner. Das Blatt hat sich mittlerweile gewendet. Das Duell dürfte Sam Mendes vs. Quentin Tarantino lauten. Tatsächlich aber ist das eine Kategorie, in der man den Oscar einfach gerecht durch fünf teilen sollte, und jeder geht mit einem Arm oder einem Bein des Goldmannes nach Hause, und Tarantino darf von mir aus den (blutigen) Kopf haben.

Auf wen würde ich wetten? Sam Mendes für 1917. Er wurde in den vergangenen Preisverleihungen dann doch etwas öfter ausgezeichnet als die Kollegen.

Wen würde ich auszeichnen? Ebenfalls Sam Mendes. Der Aufwand, der für diesen Film betrieben wurde, ist enorm – und hier die Fäden fest in der Hand zu halten, ist eine Meisterleistung.

Und was wäre meine sentimentale Wahl? Martin Scorsese für The Irishman. Das mag überraschen, weil ich den Film zwar gut fand, aber nicht so abgefeiert habe, aber ich würde es dem Altmeister sehr gönnen, seine Oscar-Anzahl zu verdoppeln. Denn eigentlich sollte er ohnehin schon viel mehr davon zuhause stehen haben.

Und wer fehlt (mir) am meisten? Taika Waititi für JoJo Rabbit. Die Nominierung (und Favoritenstellung) für das beste Drehbuch ist nur eine schwache Entschädigung angesichts dieser couragierten und aberwitzigen Regie-Leistung.

Beste Hauptdarstellerin

Ich muss gleich gestehen, dass ich bislang nur Judy und Marriage Story gesehen habe, also nur zwei von fünf Nominierten. Tatsächlich ein großes Versäumnis, aber was will man machen, wenn die Filme bei uns so spät starten? Beide Leistungen – sowohl von Scarlett Johansson als auch von Renée Zellweger – waren aber überragend, und es scheint ausgemacht zu sein, dass eine von beiden das Goldmännchen mit nach Hause nehmen darf.

Auf wen würde ich wetten? Renée Zellweger für Judy. Der Oscar scheint eine klare Sache zu sein. Ihre Leistung war grandios. Und Hollywood liebt Filme über seine Stars.

Wen würde ich auszeichnen? Scarlett Johansson für Marriage Story. Ja, Zellweger war toll, aber sie hatte ein reales Vorbild, an dem sie sich orientieren konnte. Wie Johansson aber ihre fiktive Nicole erschaffen hat, fand ich persönlich noch eindrucksvoller.

Und was wäre meine sentimentale Wahl? Ebenfalls Scarlett Johansson. Sie hat eine Reihe von großen Rollen vorzuweisen und glänzt eigentlich immer. Eine für mich immer noch unterschätzte Schauspielerin. Saoirse Ronan könnte sie als sentimentale Favoritin aber noch abfangen – denn die ist trotz ihrer junge 25 Lenze auch längst überfällig für einen Oscar.

Und wer fehlt (mir) am meisten? Beanie Feldstein für Booksmart. Ihr natürliches, sympathisches Spiel eines Nerd-Mädchens, das emotional überfordert Party machen möchte, war ganz, ganz groß.

Bester Hauptdarsteller

Hier gibt es etwas zu entscheiden? Hier ist doch schon seit Monaten längst alles entschieden. Vier Nominierte sind Staffage, damit es nicht ganz so blöd aussieht, wenn Joaquin Phoenix seinen ersten (!) Oscar entgegennimmt.

Auf wen würde ich wetten? Joaquin Phoenix für Joker. Und ich würde damit kaum Geld verdienen.

Wen würde ich auszeichnen? Joaquin Phoenix. Er hat für mich das Schauspiel noch mal auf eine neue Ebene gehoben. Seine Leistung ist etwas, was man sich an Filmschulen künftig standardmäßig anschauen wird.

Und was wäre meine sentimentale Wahl? Jonathan Pryce für The Two Popes. Ein durch und durch seelenvolles Spiel eines Darstellers, der mich immer wieder begeistert und immer noch viel zu wenig beachtet wird.

Und wer fehlt (mir) am meisten? Robert Pattinson für The Lighthouse. Ja, richtig gelesen. Pattinson. Der Robert Pattinson. Aber was soll man machen? Seine Leistung war einfach grandios; sehr physisch, sehr präsent, trotzdem lakonisch und auf dem Punkt.

Beste Nebendarstellerin

Auch hier: Bislang nur zwei Darstellungen gesehen, nämlich jene von Scarlett Johansson für JoJo Rabbit und Laura Dern für Marriage Story. Aber auch hier scheint der Bär schon erlegt und das Fell zerteilt zu sein. Prognose: Ein Film wird hier seinen einzigen Oscar holen. Wie so oft in den Nebendarsteller/innen-Kategorien.

Auf wen würde ich wetten? Laura Dern für Marriage Story. Sie ist bei den Buchmachern ganz hoch im Kurs, und ich kann es den Bookies nicht verdenken. Ihre Leistung war toll – wie einfach alle darstellerischen Leistungen in diesem Film.

Wen würde ich auszeichnen? Ebenfalls Laura Dern. Auch wenn es für mich eine knappe Kiste ist zwischen Laura Dern und Scarlett Johansson.

Und was wäre meine sentimentale Wahl? Scarlett Johansson für JoJo Rabbit. Allein schon für ihren sexy deutschen Akzent. Aber auch, weil die Frau – siehe oben – einen Oscar längst verdient hat.

Und wer fehlt (mir) am meisten? Adèle Haenel für Porträt einer jungen Frau in Flammen. Schade, dass es herausragende Leistungen in kleineren europäischen Produktionen über dem Teich meistens schwer haben. Verdient wäre eine Nominerung von Haenel jedenfalls – und das wäre schon öfter der Fall gewesen. Eine tolle Schauspielerin.

Bester Nebendarsteller

Weil sich Joe Pesci und Al Pacino für The Irishman wohl gegenseitig Stimmen wegnehmen, ist der Weg frei für Brad Pitt. Manche unken, dass er für seine Darstellung des lakonischen Stuntmans in Once Upon a Time … in Hollywood eher für seine bisherige Lifetime Achievement ausgezeichnet werden würde, aber ich sehe das nicht so. Er war das Highlight des Films. Es gäbe weitaus schlechtere Wahlen als ihn. Aber auch eine bessere.

Auf wen würde ich wetten? Brad Pitt für Once Upon a Time … in Hollywood. Dass Brad Pitt ein großartiger Schauspieler ist, weiß man schon länger. Und nun scheint es an der Zeit zu sein, dass dies auch mit großem Trara gewürdigt wird – in Form eines Oscars.

Wen würde ich auszeichnen? Joe Pesci für The Irishman. So gut Brad Pitt auch war (und ich liebe seine Darstellung), aber Joe Pesci war für mich noch mal einen Hauch besser.

Und was wäre meine sentimentale Wahl? Anthony Hopkins für The Two Popes. Wer Papst Benedikt XVI. humanistisch erscheinen lassen kann, hat jeden Preis der Welt verdient.

Und wer fehlt (mir) am meisten? Willem Dafoe für The Lighthouse. Was für eine arge, uneitle Darstellung! Dafoe ist einer der Größten, nur schade, dass offenbar zu wenige Jury-Mitglieder den Film gesehen haben.

Und wie seht ihr das? Was sind eure Favoriten, wer fehlt euch unter den Nominierten?

Meine Filme des Jahres 2019

Und schon wieder ist ein Jahr vorbei. Ich hoffe, ihr seid alle gut ins Jahr 2020 gekommen. Bevor es im neuen Jahr aber weitergeht mit vitaminreichen Kürbis-Kritiken, ist es an der Zeit für den alljährlichen Jahresrückblick. 219 Filme habe ich 2019 gesichtet, davon 204 neue und 15, die ich schon gekannt habe. Damit bin ich doch ein gutes Stück hinter 2018 zurück, aber das hatte auch sehr erfreuliche Gründe. Bei den Kinobesuchen (inkl. Festivals) hingegen konnte ich an 2018 nahezu anschließen (137 Kinobesuche vs. 143 Kinobesuche). Für die Auswahl meiner Top30 Filme des Jahres habe ich mich wieder auf jene beschränkt, die ich 2019 im Kino (ob regulär oder auf einem Festival) gesehen habe, ergänzt dieses Jahr um Produktionen aus den Jahren 2018 und 2019, die auf Streaminganbietern (v.a. Netflix) herausgekommen sind und die ich 2019 gesehen habe. Streaming wird eine immer größere Sache, und mittlerweile gibt es sehr viele hochwertige Filme, die nahezu ausschließlich auf Netflix & Co. verfügbar sind – „The Irishman“ von Martin Scorsese ist so ein Fall. Die möchte ich nicht ausschließen aus meinem Jahres-Best of.

Und das sind sie nun, meine Top30 Filme des Jahres 2019:

    1. Mid90s (von Jonah Hill) – 9,0 Kürbisse
      Wohl eine kleine Überraschung auf dem ersten Platz. Aber Jonah Hills Coming of Age-Geschichte rund um einen Skateboard fahrenden Teenager hat mich so berührt wie kaum ein anderer Film in diesem Jahr. Der Film ist perfekt in seiner Darstellung der 90er, die Schauspieler sind hochgradig sympathisch, der Soundtrack authentisch und passend. Für mich eine der positivsten Überraschungen der letzten Kinojahre.
    2. Joker (von Todd Phillips) – 9,0 Kürbisse
      Im Gegensatz zu „Mid90s“ konnte man mit diesem Film so weit vorne rechnen. Einer der eindrucksvollsten Filme des Jahres, der zurecht auf vielen Jahres-Bestenlisten ganz vorne liegt. Joaquin Phoenix wird sich für diese fulminante Leistung hoffentlich den längst überfälligen Oscar abholen. Aber der Film besteht nicht nur aus Phoenix allein, sondern ist insgesamt klug geschrieben und grandios inszeniert. Ein absolutes Highlight.
    3. Roma (von Alfonso Cuaròn) – 8,5 Kürbisse
      Zwar lief der Film bereits Ende 2018 auf Netflix an, aber da ich ihn erst im Jänner gesehen habe, schummele ich ihn gerne hier rein. Mein persönlicher Oscar-Film des Jahres. Dass Green Book den Preis für den besten Film erhalten hat, ist einer der größeren Fauxpas der jüngeren Oscar-Geschichte. „Roma“ ist sensibel erzählt, überragend gefilmt und authentisch gespielt. Besser können Filme kaum sein.
    4. The Last Black Man in San Francisco (von Joe Talbot) – 8,5 Kürbisse
      Fast hätte ich den Film in Locarno verpasst, den ich hatte den ursprünglich gar nicht auf meiner Liste. Doch dann hatte ich ein Zeitfenster und nichts Anderes zu tun, also setzte ich mich in Joe Talbots Regiedebüt. Eine sehr gute Entscheidung. „The Last Black Man in San Francisco“ ist klug erzähltes und im besten Sinne sentimentales Autorenkino mit Relevanz. Gerne mehr davon!
    5. The Favourite – Intrigen und Irrsinn (von Giorgos Lanthimos) – 8,5 Kürbisse
      Ein weiterer Film, der den Goldjungen für den besten Film deutlich mehr verdient hätte als das nette, aber belanglose Feelgood-Filmchen „Green Book“. Wenigstens durfte sich Olivia Colman verdientermaßen über die Auszeichnung als beste Schauspielerin freuen, aber der Film selbst hätte noch mehr Auszeichnungen verdient. Ein herrlich sarkastisches, genial inszeniertes Stück Intrigenkino, das von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht.
    6. Avengers: Endgame (von Anthony und Joe Russo) – 8,5 Kürbisse
      Ja, ich mag diese Strumpfhosenfilme. Vor allem, wenn sie so ausladend und spannend inszeniert sind wie die Avengers-Filme. Es ist nicht leicht, so einen Allstar-Cast mit einem ganzen Sack voll Handlungsstränge zu führen, aber Anthony und Joe Russo haben diese Aufgabe in „Endgame“ großartig gemeistert. Für mich der beste Action-/Fantasy-Film der letzten Jahre, ein Referenzwerk, was episches Popcornkino betrifft.
    7. Der Leuchtturm (von Robert Eggers) – 8,5 Kürbisse
      Feinster Arthouse-Psychohorror mit zwei grandiosen Darstellern. Robert Pattinson zeigt hier, was in ihm steckt, und hält locker mit Willem Dafoe mit. Man braucht manchmal nicht mehr als einen Leuchtturm am Arsch der Welt, zwei gut aufgelegte Darsteller, ein solides Grundwissen in Mythologie und einen Kameramann, der sein Handwerk versteht. Einer der interessantesten Filme der letzten Jahre. Sperrig, unbequem, rau und auf eine archaische Weise wunderschön.
    8. Once Upon a Time … in Hollywood (von Quentin Tarantino) – 8,5 Kürbisse
      Der neue Film von Quentin Tarantino spaltete die Gemüter. Wahrscheinlich kommt der Film nicht ganz an seine besten Werke heran, aber ich habe mich dennoch großartig unterhalten gefühlt. Leonardo DiCaprio und Brad Pitt sind genial besetzt und spielen um ihr Leben, und das wilde Ende ist ohnehin ein Fest und eine Herkulesaufgabe für das Zwerchfell. Ich bin gespannt, wie sich dieser Film bei der kommenden Oscarverleihung schlagen wird.
    9. Booksmart (von Olivia Wilde) – 8,5 Kürbisse
      Noch eine Überraschung in den Top10, auch für mich. Ich hatte keine allzu großen Erwartungen an Olivia Wildes Regiedebüt, aber die lockere, frische und warmherzige Inszenierung hat mich restlos überzeugt. Vielleicht erfindet „Booksmart“ kein Genre neu, aber der Film hat Witz, Herz und Seele.
    10. Zombieland: Doppelt hält besser (von Ruben Fleischer) – 8,5 Kürbisse
      Hirn ausschalten und Spaß haben. Das ist das Motto von „Zombieland: Doppelt hält besser“, und das Konzept geht auf. Für mich der vielleicht lustigste Film des Jahres, weil er sich einfach gar nichts scheißt, aber vielleicht bin ich auch einfach sehr leicht zu unterhalten.
    11. Leid und Herrlichkeit (von Pedro Almodóvar) – 8,0 Kürbisse
    12. Marriage Story (von Noah Baumbach) – 8,0 Kürbisse
    13. Shoplifters – Familienbande (von Hirokazu Koreeda) – 8,0 Kürbisse
    14. Laika (von Aurel Klimt) – 8,0 Kürbisse
    15. Bait (von Mark Jenkin) – 8,0 Kürbisse
    16. Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (von J.J. Abrams) – 8,0 Kürbisse
    17. Die Kinder der Toten (von Kelly Copper und Pavol Liska) – 8,0 Kürbisse
    18. Porträt einer jungen Frau in Flammen (von Céline Sciamma) – 8,0 Kürbisse
    19. South Terminal (von Rabah Ameur-Zaïmeche) – 8,0 Kürbisse
    20. Colette (von Wash Westmoreland) – 8,0 Kürbisse
    21. Ad Astra – Zu den Sternen (von James Gray) – 8,0 Kürbisse
    22. Diego Maradona (von Asif Kapadia) – 8,0 Kürbisse
    23. Daniel (von Marine Atlan) – 8,0 Kürbisse
    24. Free Solo (von Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin) – 7,5 Kürbisse
    25. Capernaum – Stadt der Hoffnung (von Nadine Labaki) – 7,5 Kürbisse
    26. Die zwei Päpste (von Fernando Meirelles) – 7,5 Kürbisse
    27. Girl (von Lukas Dhont) – 7,5 Kürbisse
    28. The Irishman (von Martin Scorsese) – 7,5 Kürbisse
    29. Inland (von Ulli Gladik) – 7,5 Kürbisse
    30. Days of the Bagnold Summer (von Simon Bird) – 7,5 Kürbisse

Und hier noch ehrenvolle Erwähnungen von Filmen, die ebenfalls mit 7,5 Kürbissen bewertet wurden, es aber nicht ganz in die Top30 geschafft haben: Captain Marvel (von Anna Boden und Ryan Fleck), Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu (von Ciro Guerra und Cristina Gallego), One and a Half Prince (von Ana Lungu), High Life (von Claire Denis), Yesterday (von Danny Boyle) und The Fever (von Maya Da-Rin).

 

Jetzt geht das wieder los … Viennale 2019

Es ist Oktober, die Blätter fallen von den Bäumen, und der Kürbis eures Vertrauens zuckt mal wieder dezent aus. Was sind schon Vorsätze? Deutlich weniger Filme wollte ich dieses Jahr schauen, vielleicht 10, das ist eine schöne Zahl, die kann man mit seinen Händen noch nachvollziehen. Denn eigentlich bin ich ja damit beschäftigt, im November in eine neue Wohnung zu ziehen. Aber dann kam sie, die schicksalshafte Wendung: In diesem Jahr darf ich zum ersten Mal die Viennale mit einer Presseakkreditierung unsicher machen. Und schon fallen nicht nur die Blätter, sondern auch alle guten Vorsätze. Und wenn das Programm, das seit gestern auf der Homepage der Viennale einzusehen ist, dann auch noch so vielfältig und spannend gestaltet ist, gibt es ohnehin kein Halten mehr. Also muss ich da nun irgendwie durch. Geschätzt 15-20 Filme werden es schon wieder werden (besonders freue ich mich auf „Little Joe“ von Jessica Hausner, „Jojo Rabbit“ von Taika Waititi, „The Lighthouse“ von Robert Eggers, „Atlantique“ von Mati Diop sowie die Specials zu Angela Schanelec und Louise Fleck), und der Umzug wird natürlich auch geschaukelt. Wer mich in der nächsten Zeit sehen will: Ich bitte um schriftliche Kontaktaufnahme für eine Terminvereinbarung. Im Jänner habe ich noch was frei.

(Foto: (c) Alexander Tuma)

Locarno 2019 – ein Fazit

Mein erster Besuch in Locarno ging am Samstagnachmittag nach einer Woche bzw. 28 Filmen zu Ende. Lili Hinstin, die neue künstlerische Leiterin des Festivals, präsentierte ein buntes und abwechslungsreiches Programm. Dass sie Kultregisseur John Waters mit dem Ehrenleoparden bedachte, passte ins Bild. Was Locarno neben der künstlerischen Relevanz aber besonders auszeichnet, sind die lockere Stimmung und das Ambiente der Stadt, die für die Dauer des Festivals gänzlich in Gelb-Schwarz getaucht ist. Mein Bananensplit am einzig verregneten Tag im ansonsten sonnigen Urlaubsort am Lago Maggiore ist also quasi ausschließlich der CI geschuldet, husthust. Jedenfalls kommen hier entspanntes Freizeitvergnügen und cineastische wie kulinarische Schmankerl zusammen. Ein Festival zum Wohlfühlen. Filmisch begann es für mich in den ersten Tagen zunächst durchwachsen mit einigen Beiträgen, die ich mir getrost hätte schenken können. Das wurde aber besser, und als Fazit lässt sich sagen, dass die Qualität der Filme durchaus ansprechend war. Ich bin gespannt, wie viele der Filme auch in Wien auf der Viennale gezeigt werden. Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi, von der ich glaube, sie mal gesichtet zu haben, wird wohl mit einem vollen Notizblock nach Hause zurückkehren.

Und hier sind nun meine Empfehlungen und Nicht-Empfehlungen der 28 gesichteten Filme:

Ausgezeichnet und unbedingt empfehlenswert:

The Last Black Man in San Francisco
Diego Maradona
South Terminal

Gute Filme, die man jedenfalls empfehlen kann:

The Fever
Days of the Bagnold Summer
Losing Ground
Camille
Space Dogs
Mariam
Oroslan
Height of the Wave
Withing Our Gates

Solide Kost, kann man sich durchaus geben:

Twelve Thousand
Lovemobil
Instinct
Cat in the Wall
The Cool World
Adoration

Geht so, kann man sehen, muss man aber nicht:

Lonely Rivers
Giraffe
Amor Maldito
Felix in Wonderland

Eher nein bis gar nicht empfehlenswert:

Ivana the Terrible
Notre dame
The Tree House
Endless Night
Aus dem Osten
Wonders in the Suburbs

Located in Locarno: Ein Filmkürbis

Meine werten Damen und Herren, der Filmkürbis betritt neues Festivalterritorium. Und zwar wage ich mich zum ersten Mal aus der deutschsprachigen Komfortzone hervor und krame meine tief verschütteten Italienisch-Kenntnisse hervor, wenn ich im August das schöne Tessin besuche. Das Filmfestival in Locarno steht sehr weit oben auf meiner Liste der Festivals, die ich mal besuchen möchte – und dieses Jahr ist es soweit. Soeben habe ich erfahren, dass mein Antrag auf eine Presseakkreditierung durchging. Flüge und Unterkunft habe ich eh schon organisiert (I’m a gambling man), und nun habe ich auch meinen Deckel. Äh … mein Badge. Das Festivalprogramm habe ich schon mal gustiert. Da sind ein paar schmackhafte Filme dabei. Vor allem der Fokus auf Black Cinema im Rahmen einer breit angelegten Retrospektive taugt mir. Ihr werdet hier davon lesen. Am 10. August geht es los.

Springen! Rutschen! Unten helfen! – Mein Fazit des Crossing Europe Filmfestivals 2019

Mein zweiter Besuch des Crossing Europe Festivals in Linz unterschied sich vom ersten im vergangenen Jahr maßgeblich durch das Wetter. Während ich letztes Jahr kurzärmelig von Kino zu Kino raste, kam dieses Jahr das Wetter der Festivaldirektorin Christine Dollhofer entgegen. Auch deshalb konnte sich das Festival über etwa 1.000 Zuseher mehr als im Vorjahr freuen. Mitten drin: Ein kritischer Kürbis. Und der sah hauptsächlich Erbauliches. Das Festival war klug programmiert und bot Spannendes aus allen Ecken Europas. Der Kontinent zeigte in Linz mal wieder seine ganze Vielfalt. Wenn es dieses Jahr ein bestimmendes Thema gab unter den 21 Filmen, die ich letztlich sah, dann am ehesten die Familie und Zugehörigkeit. Es scheint fast, als würden sich Europas Filmschaffende in Zeiten des politischen Rechtsrucks auf den Mikrokosmos der eigenen vier Wände konzentrieren – sei es als Gegenentwurf zu der rauen politischen Lage oder auch begleitend dazu bzw. kommentierend. Und warum auch nicht? Gesellschaftliche Veränderungen können ja sehr gut anhand familiärer Beziehungen dargestellt werden.

Aber was kann ich nun empfehlen und was nicht? Hier die 21 Filme, sortiert anhand meiner Bewertung.

8,0:
Laika
Bait

7,5:
One and a Half Prince

7,0:
Hungary 2018
The Days to Come

Home Games
Normal
Tomka and His Friends

6,5:
Sons of Denmark
Transnistra
The Souvenir
Fugue

6,0:
Oray
Messer im Herz

One Day

5,5:
Arctic

5,0:
Winter Flies

4,5:
Mein Bruder kann tanzen
The Announcement

4,0:
Schwimmen

2,5:
Das melancholische Mädchen

Bis zu einer Bewertung von 6,0 kann ich die Filme ziemlich vorbehaltlos empfehlen. Darunter wird es dann schon etwas für Fans bzw. Liebhaber des jeweiligen Themas oder einzelner Teilaspekte.

Ach ja, wer wissen will, was es mit dem Titel dieses Beitrags auf sich hat, der möge sich das hier ansehen (was ich nicht weniger als 21 Mal getan habe, und das war dann doch etwas zu viel des Guten):

Crossing Europe Filmfestival Linz 25.-30. April 2019

Ich liebe den Geruch von Festivals am Morgen. Am 25. April reist der Kürbis eures Vertrauens gen Westen, um in der schönen Hauptstadt Oberösterreichs die dortigen Kinosäle des Crossing Europe Filmfestivals unsicher zu machen. Mit dem Crossing Europe habe ich letztes Jahr schon Bekanntschaft gemacht, und die Erfahrung war rundum positiv, sodass ich dieses Jahr gerne erneut Gast des Festivals bin. Was man dort zu sehen bekommt: Einen Querschnitt durch das europäische (vorzugsweise junge) Filmschaffen in gemütlicher und stressfreier Atmosphäre. Und wenn das Wetter auch wieder so mitspielt wie vergangenes Jahr, kommt tatsächlich Urlaubsfeeling auf. Ich bin gespannt, ob mich das diesjährige Programm wieder begeistern kann. Für Abwechslung scheint jedenfalls gesorgt zu sein: Ganze 19 Filme habe ich mir mal auf die Liste gesetzt. Schlaf und Essen sind überbewertet.

(Werbesujet/Grafik: d.signwerk.com / Foto: Gerhard Wasserbauer)