Abenteuerfilm

Jurassic Park III (2001)

Regie: Joe Johnston
Original-Titel: Jurassic Park III
Erscheinungsjahr: 2001
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Jurassic Park III


Wenn man den Plot von „Jurassic Park III“ in einem Satz zusammenfassen möchte, dann böte sich dieser an: „Fetzendepperte Leute treffen fetzendepperte Entscheidungen und werden von freilaufenden Dinos zerfetzt – Sam Neill ausgenommen, da Sam Neill über jeden Zweifel erhaben ist.“ Nach Jeff Goldblum darf nun also wieder mal der grantige Neuseeländer ran und die alte Garde aus Jurassic Park vertreten. Mit dabei sind diesmal auch William H. Macy und Téa Leoni, dazu Alessandro Nivola, dessen Filmographie an einen A-Lister erinnert, ohne aber dass man sich an sein Gesicht oder seinen Namen erinnern würde, da er für gewöhnlich den sechsten Zwerg von links spielt, dazu drei Kanonenfutter-Figuren (im Star Trek-Universum klassische Red Shirts – man vergisst ihre Namen und Funktionen, noch bevor überhaupt der erste von ihnen ins Gras gebissen hat), der für diese Reihe übliche klugscheißende Junge, Laura Dern mit einem Gastauftritt und ein ziemlich angepisster Spinosaurier, der diesmal die Rolle des Oberschurken geben darf. Gleich vorweg: Der T-Rex hat das schauspielerisch glaubwürdiger hinbekommen. Spino neigt zu sehr zu Overacting. Der Rest ist „alles rennet, rettet, flüchtet“. Ja, man kennt das schon aus den vorigen Teilen, aus denen man sich für den dritten Teil schamlos bedient. Und auch die Weitergabe des Regie-Szepters von Steven Spielberg an Joe Johnston hat nicht unbedingt neue Impulse gebracht. Joe Johnston spult das bekannte Programm wohl in Huldigung der Genialität des ersten Teils routiniert herunter. Aber was soll’s. Es sind immer noch Dinos, die Menschen fressen, und das reicht manchmal auch aus für einen unterhaltsamen Abend. Zudem bringt William H. Macy, ein gnadenlos unterschätzter Schauspieler, einen echten Mehrwert ein, da niemand auf dieser Welt so traurige Augen hat und diese so gekonnt einsetzen kann. Zudem sorgt der Gag mit dem Klingelton bei jeder Sichtung für echtes Vergnügen. Das Fazit also: Passt schon.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2001 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Vergessene Welt – Jurassic Park (1997)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: The Lost World: Jurassic Park
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Lost World: Jurassic Park


Mit Fortsetzungen ist das ja immer so eine Sache. Einerseits lechzt das Publikum danach, liebgewonnene Charaktere in neuen Abenteuern zu erleben. Andererseits ist aufgewärmt halt nur ein Gulasch besser. Ausnahmen bestätigen die Regel. „Vergessene Welt – Jurassic Park“, die Fortsetzung des Kult-Klassikers Jurassic Park, ist aber keine Ausnahme. Auch wenn mehr Jeff Goldblum besser ist als weniger Jeff Goldblum. Sein Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm, der schon im ersten Teil für die trockenen Sprüche und den Hauch Zynismus, den die Geschichte braucht, gesorgt hat, erhält nun im zweiten Teil an der Seite von Julianne Moore, Vince Vaughn und Pete Postlethwaite eine tragende Rolle und steht im Zentrum des Geschehens – sehr zu seinem eigenen Missfallen, denn wer schon einmal vom T-Rex angeknabbert wurde, möchte eine solche Begegnung kein zweites Mal machen. Aber was soll man tun, wenn die eigene Freundin einfach kommentarlos zu Forschungszwecken auf eine Dinosaurier-Insel abgerauscht ist? Also flugs hinterher – die eigene Tochter als blinder Passagier im Gepäck und eine Horde wildgewordener Kapitalisten, die den großen Reibach wittern, im Rückspiegel. „Vergessene Welt – Jurassic Park“ bietet im Grunde nichts Neues. Am Anfang sind alle verzückt von den anmutigen Dinosauriern, am Ende rennt alles durcheinander und versucht, seine Haut zu retten. Wer Dinosaurier mag (so wie ich), hat damit seine Freude. Allerdings ist der Film seltsam zweigeteilt. Während die ersten 1,5 Stunden im Grunde eine komplette, abgeschlossene Geschichte erzählen, nämlich den Überlebenskampf auf der entlegenen Insel, setzen Spielberg und sein Team in der letzten halben Stunde noch eins drauf, indem sie einen T-Rex nach San Diego schippern und von der entsetzten Stadtbevölkerung naschen lassen – die nicht so flink auf den Beinen ist wie das fachkundige Paläontologen-Team. Hätte es das sein müssen? Darüber kann man diskutieren, denn dieser „Epilog“ zerreißt den Film ziemlich. Aber man muss festhalten, dass ein wütender T-Rex, der durch die nächtliche Stadt stampft, durchaus Schauwert hat. Und dass man hier wunderbar viele Anspielungen auf Horrorklassiker wie Dracula, King Kong und Godzilla finden kann. Apropos Godzilla: Wenn man „Vergessene Welt: Jurassic Park“ noch mal genau betrachtet, sieht man deutlich, wieviel davon Roland Emmerich in seinem ein Jahr später erschienenen „Godzilla“ geklaut hat. Gegen diese Katastrophe von Film wirkt „Vergessene Welt: Jurassic Park“ wie ein Meilenstein der Filmgeschichte.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1997 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Jurassic Park (1993)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Jurassic Park
Erscheinungsjahr: 1993
Genre: Abenteuerfilm, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: Jurassic Park


Als Kind ging ich oft mit meinem Opa ins Haus der Natur, eine meiner schönsten und nachhaltigsten Erinnerungen. Was mich dort nach dem Reptilienzoo am meisten begeisterte, war der Raum, der den Dinosauriern und der Urzeit gewidmet war. Mich beeindruckten dort vor allem die lebensgroßen Nachbildungen von Skeletten und Dinosaurier-Modellen (das Allosaurus-Modell konnte sogar den Kopf bewegen und brüllen – damals eine echte Sensation). Und am Ende des Museumsbesuchs durfte ich mir immer im Shop einen Plastikdinosaurier aussuchen, zu besonderen Anlässen einen großen, ansonsten einen der kleineren. Im Laufe der Zeit sammelten sich so ein Diplodocus, ein Tyrannosaurus Rex, ein Brachiosaurus, ein Triceratops, ein Stegosaurus und ein Paracephalus an, und allein die Tatsache, dass ich das heute, dreißig Jahre später, immer noch so genau weiß, ist schon ein gutes Indiz für meine Vernarrtheit in die prähistorischen Tiere. Dass ich im zarten Alter von 11 Jahren Steven Spielbergs Schocker „Jurassic Park“ nicht sehen durfte, gehört zu den großen Niederlagen meiner frühen Jahre. Nachgeholt habe ich den Film dann später – und Mann, habe ich mir vor Angst in die Hosen geschissen, als der T-Rex das Klo abgedeckt und den darin kauernden Versicherungsvertreter gefressen hat oder die Velociraptoren in der Küche Jagd auf die Kinder gemacht haben. Natürlich, Jugendliche sind leicht zu beeindrucken, die lebhafte Fantasie überdeckt gern manchen schlechten Special Effect. Aber wenn ich den Film heute mit den Augen eines Erwachsenen sehe, der in Zeiten von CGI schon alles und das dreimal gesehen hat, bin ich nach wie vor beeindruckt von den bahnbrechenden Effekten, die Kino auf ein neues Niveau gehoben haben. „Jurassic Park“ gilt heute zurecht als Klassiker. Alles, was danach an Fortsetzungen kam, war ebenfalls unterhaltsam und gut gemacht, konnte aber die Magie des ersten Films, als plötzlich alles möglich schien, nicht mehr erreichen. Einer der bedeutenden Wegpunkte des modernen Kinos.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2012 – Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Okja (2017)

Regie: Bong Joon-ho
Original-Titel: Okja
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Okja


Viel Positives kann man dem aktuellen Corona-Wahnsinn ja nicht abgewinnen. Auf persönlicher Ebene ist einer der wenigen positiven Aspekte, dass ich nun endlich mal dazu komme, Filme auf Netflix nachzusehen, die ich bislang verpasst habe. Und auf dieser Liste stand „Okja“ weit oben. Zu Recht, wie sich zeigen sollte, denn Bong Joon-ho (ja, der schon wieder!) legte 2017 einen Herz erwärmenden Fantasy-Film mit Botschaft vor, der bei mir noch lange nachklingen wird. In „Okja“ verspricht eine Konzernchefin (Tilda Swinton) das Ende des weltweiten Hungers durch die Züchtung eines Superschweins. 10 Jahre später soll das schönste und größte Tier von jenen, die bei lokalen Farmern weltweit in die Aufzucht gebracht wurden, in einer feierlichen Zeremonie geehrt werden. Nun stellt sich dabei aber ein unerwartetes Problem ein: Siegerschwein Okja aus Südkorea nämlich und Mija (Ahn seo-hyeon), die Enkelin des Farmers, haben eine richtig gute Beziehung zueinander. Dass das Schwein hochintelligent und empathisch ist, zeigt sich schon in den ersten Einstellungen. Doch entführt der Konzern rund um den schmierigen TV-Tierarzt Dr. Wilcox (Jake Gyllenhaal, der sichtlich Spaß hatte und das mit schamlosem Overacting zeigt) das treue Tier, woraufhin Mija aufbricht, um Okja zurückzubringen und dabei zwischen die Fronten von Konzernschergen und militanten Tierschützern (mit Paul Dano als Anführer) gerät. Bei all den Abenteuern vergisst Bong Joon-ho aber nicht auf das Herzstück des Films, nämlich das Herz, die Bindung zwischen Mensch und Tier. Das mag plakativ sein, ist aber wirkungsvoll in Szene gesetzt. Gegen Ende hin drückt Bong Joon-ho noch mal so richtig auf die Tube, um seine Botschaft anzubringen – und die ist nicht leicht zu ertragen, vor allem für Freunde eines genussvollen Steaks. Dass der Film trotz allem nicht plump wirkt, ist der inszenatorischen Kraft von Bong Joon-ho zu verdanken, der die Zügel stets im Griff behält. „Okja“ ist damit ein Film mit Wirkung und unbedingt sehenswert.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

King Kong (2005)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: King Kong
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: King Kong


Das Leben hält manche Herausforderung parat. Da hast du gerade einen Film hingelegt, der mit 11 Oscars prämiert wurde (dafür gleich drei für dich persönlich) und eine der größten Trilogien der Filmgeschichte beendet, und es ist klar, dass Filmkritiker und Kinogeher weltweit mit Argusaugen auf dein nächstes Werk schauen. Was soll da noch kommen? Peter Jackson hat nach dem Erfolg seiner Herr der Ringe-Trilogie keine künstlerische Schaffenspause eingelegt, sondern sich mit einer Neuverfilmung von „King Kong“ gleich an das nächste große Ding gewagt. Denn der große Affe, der auf dem Empire State Building herumklettert, ist so etwas wie ein Heiligtum der amerikanischen Filmgeschichte. Und einen solchen Film künstlerisch zu versenken, käme einer Katastrophe gleich, die einem nie verziehen werden kann. Das weiß jemand wie Peter Jackson natürlich, und so gibt er sich besonders Mühe. „King Kong“ fasziniert vor allem durch bombastische Schauwerte. Geheimnisvolle Kulissen, die man zuletzt so schön in den Indiana Jones-Filmen bewundern durfte, ein dampfiger Dschungel, eine epische Liebesgeschichte zwischen der Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) und dem Schriftsteller Jack Driscoll (Adrian Brody), der angesichts seines übermächtigen Nebenbuhlers über sich hinauswachsen muss, und am Ende ein actiongeladener Showdown, der den Zuseher in den Sessel klebt – all das bietet schon mal gute Unterhaltung. Der Herzstück des Films ist allerdings Andy Serkis‘ brillante Motion Capturing-Darstellung von King Kong. Serkis ist es zu verdanken, dass der Affe eine Seele hat. Und so sind die besten Momente des Films auch die leisen, jene, wenn King Kong einen Sonnenuntergang genießt oder wenn er im Central Park zum ersten Mal auf einer Eisfläche steht und nach anfänglichen Gleichgewichtsproblemen wie ein Kind die Faszination des Rutschens genießt. In solchen Momenten lebt der Film tatsächlich, der andernfalls ab und zu ein bisschen von seinen eigenen Schauwerten erschlagen wird. Ob Peter Jacksons Film auch in 90 Jahren noch relevant sein wird, wie es dem Original gelungen ist, sei dahingestellt, aber gesehen sollte man den Film trotzdem haben.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Gladiator (2000)

Regie: Ridley Scott
Original-Titel: Gladiator
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Historienfilm, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Gladiator


Schlanke 20 Jahre ist es her, dass Ridley Scott mit „Gladiator“ den guten alten Sandalenfilm aus der Mottenkiste herausgeholte und Russell Crowe als Tribun Maximus Decimus aufstieg. Und siehe da: Für ein gutes Geschnetzeltes ist das Filmpublikum in jeder Dekade zu haben. Die Story sollte hinlänglich bekannt sein, aber für alle, die die letzten zwei Jahrzehnte im Tiefkühlfach gelegen sind, hier eine kurze Zusammenfassung: Gefeierter Tribun wird Kaiser-Emporkömmling zu mächtig, also lässt er den kurzerhand verschwinden und dessen Familie feig meucheln. Doch der Tribun, der als Sklave in einer Gladiatorenschule unterkommt, zieht als Gladiator wie ein Bumerang wieder zurück nach Rom und verdrischt dem Kaiser-Emporkömmling fest den Arsch. Das Ende ist eine glückliche Familienvereinigung unter dem Jubel von Tausenden. Was „Gladiator“ so herausragend macht, ist also weniger die Story, die recht uninspiriert auf dem Reißbrett entworfen worden scheint, als vielmehr die Umsetzung. Während das Kino der 90er gerne mal ein bisschen verkopft, vertrackt und desillusioniert war, setzte Ridley Scott mit seinem 2,5 Stunden langen Film einen epischen Kontrapunkt: Kino, größer als das Leben selbst, ein Schinken in der Tradition von „Ben Hur“, „Spartacus“, Cleopatra und all die anderen Monumentalschinken der goldenen Ära von Hollywood. So ein Unterfangen ist wie ein All-In beim Poker: Entweder gewinnst du damit den Schaß, oder das Publikum rümpft angesichts der Rückwärtsgewandtheit die Nase, und du bist weg vom Tisch. Ridley Scott und sein Team haben aber alles richtig gemacht. Und „Gladiator“ ist heute zurecht ein moderner Klassiker, der aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken ist. Große Gefühle, große Schlachten, große Gesten, und ein Ende, bei dem ich selbst nach der zehnten Sichtung immer noch schlucken muss. Vielleicht einer der besten Filme aller Zeiten.


9,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2000 – Dreamworks LLC & Universal Pictures, Quelle imdb.com)

Jumanji: The Next Level (2019)

Regie: Jake Kasdan
Original-Titel: Jumanji: The Next Level
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Abenteuerfilm, Komödie
IMDB-Link: Jumanji: The Next Level


Dwayne Johnson ist ein hochgradig sympathischer Kerl, der nicht nur über massige Muskeln, sondern auch über massig viel Selbstironie verfügt. Oscar-Preisträger wird er in diesem Leben wohl eher nicht mehr, aber das dürfte auch kaum seine größte Ambition sein. Dwayne Johnson will einfach nur unterhalten. Und das gelingt ihm in den Fortsetzungen des Robin Williams-Klassiker „Jumanji“ gar nicht mal so schlecht. Den ersten Teil der beiden neuen Filme habe ich erst Stunden später nebenbei (beim Vorbereiten des weihnachtlichen Raclette-Essens) gesehen, aber auch ohne Vorwissen kann man sich getrost diesen humorvollen Abenteuerfilm geben. Statt eines Brettspiels werden die armen Spieler nun in eine Computerwelt gezogen und müssen dort mit ihren Avataren, die allesamt jeweils drei Leben besitzen, bis zum Ende durchhalten. Andernfalls war’s das. Und da der Teenie Spencer (Alex Wolff) erneut in die Welt von Jumanji eingestiegen ist, nachdem man im ersten Teil schon nur knapp davonkam, müssen nun seine Freunde (Morgan Turner, Madison Iseman und Ser’Darius Blain) ausrücken, um ihn zurückzuholen. Blöd nur, dass durch einen dummen Zufall auch Spencers Großvater Eddie (Danny DeVito) und dessen alter Partner Milo (Danny Glover) ins Spiel gezogen sind. Und die müssen sich nun in den Gestalten von Dwayne Johnson, Jack Black, Karen Gillan und Kevin Hart durch die gefährliche Welt von Jumanji kämpfen. Das allein ist ja schon schwer genug, aber wenn man zwei vergessliche alte Herren dabei haben, die keinen Plan von irgendwas haben, wird die Mission gleich noch mal anspruchsvoller. Von diesem Witz – die alten Säcke im Körper von Dwayne Johnson und Kevin Hart – lebt „Jumanji: The Next Level“. Das sorgt für ordentlich Situationskomik und viele Möglichkeiten, den glänzend aufgelegten Cast (darunter auch die grandiose Awkwafina und Nick Jonas) sich an Imitiationen anderer Darsteller zu versuchen. Die Story gerät dabei zur Nebensache – und die ist wirklich wurscht. Aber das Ding macht zwei Stunden lang Spaß auf simplem Niveau. Man hat schon Schlechteres von und mit Dwayne Johnson gesehen.


6,0
von 10 Kürbissen

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019)

Regie: J.J. Abrams
Original-Titel: Star Wars: The Rise of Skywalker
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Star Wars: The Rise of Skywalker


Anders als Gulasch schmeckt Kult aufgewärmt in der Regel nicht besser. Dennoch lässt sich mit Kult (anders als mit aufgewärmten Gulasch) eine Menge Geld verdienen. Das weiß auch Mickey Mouse – und so wurde eine neue Star Wars-Trilogie ins Leben gerufen, die mit Episode IX, „The Rise of Skywalker“, nun ihren Abschluss findet. Bei Fans findet dieser Film nur zögerlich Zuspruch, stößt zuweilen auch auf kalte Ablehnung. Wie ein flachsiges Gulasch. Aber das ist eben genau das Problem, wenn man Kult neu aufwärmt. Die Fans haben bestimmte Bilder im Kopf, haben die Geschichte für sich selbst in Gedanken schon fortgeführt und zu Ende gebracht, sie wollen das, was sie kennen und was sie erwarten, bestätigt sehen. Episode IX von J.J. Abrams versucht nun genau diese Erwartungshaltung zu befriedigen. Und das ist die größte Schwäche, die man dem Film vorwerfen muss. Denn man spürt förmlich in jeder Szene den Eiertanz, den das Drehbuch-Team aufführt, um die hartgesottenen Fans zufrieden zu stellen und allen Geschichten, Legenden und Figuren der geliebten Original-Filme ihren Raum zu geben. Hier gerät Crowdpleasing zuweilen zur Anbiederung. Und das ist durchsichtig und wird – wohl zu recht – dann auch bekrittelt. Wenn man aber diesen Aspekt außer Acht lässt und sich einfach nur auf die neue Trilogie und v.a. diesen Film einlässt, wenn man also die Fan-Brille einmal absetzt, dann ist „The Rise of Skywalker“ ein würdiger, gelungener und spannend inszenierter Abschluss der Film-Trilogie, der tatsächlich einen gelungenen Spagat zwischen Nostalgie-Feeling und moderner Inszenierung hinlegt. Die Figuren sind interessant und im Grunde den Figuren der Original-Serie ebenbürtig. Ich wage sogar zu behaupten, dass Rey (Daisy Ridley) der spannendste Charakter des gesamten Star Wars-Universums ist. Was ebenfalls auffällt und gut umgesetzt wurde, ist das alte Thema der Star Wars-Filme der Doppelung oder Spiegelung: Es gibt die helle und die dunkle Seite der Macht. Der Sohn Luke Skywalker muss sich seinem Vater Darth Vader stellen. Der Vater Han Solo muss sich dem Sohn Kylo Ren stellen. (Hier eine Nebenbemerkung: All jene, die an Adam Driver als Schurken gezweifelt haben, sollten nun zu Kreuze kriechen, denn seine Darstellung des Kylo Ren ist großartig, vielschichtig und emotional nachvollziehbar.) Überall Doppelungen, Fäden, die durch die Geschichte gehen, überall die klare Trennlinie zwischen Hell und Dunkel und den Versuchen der Protagonisten, diese Trennlinien aufzubrechen und eigene Geschichten zu schreiben. Dieses Thema zieht sich durch alle Star Wars-Filme. Vielleicht mag das eindimensional erscheinen, aber es ist konsequent und stimmig umgesetzt. Episode IX bringt dies befriedigend und schlüssig zum Ende und setzt damit auch einen Schlussstrich um die Geschichte, die mit Episode I und einem kleinen Jungen in einem Pod-Racer begann. Ein würdiges Ende, dem noch etwas mehr Eigenständigkeit gut getan hätte, aber über 2,5 Stunden sehr gut unterhält und lose Fäden aus den vorigen Filmen zusammenführt.


8,0
von 10 Kürbissen

Easy Rider (1969)

Regie: Dennis Hopper
Original-Titel: Easy Rider
Erscheinungsjahr: 1969
Genre: Drama, Roadmovie, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Easy Rider


Ich glaube, den Film „Easy Rider“ gibt es nur, weil sich Dennis Hopper und Peter Fonda ein paar lustige Drogen reinpfeifen und mit fetten Motorrädern quer durch die USA tuckern wollten. Denn tatsächlich beschreibt dieser Satz auch gleich den ganzen Film. Es wäre allerdings viel zu kurz gegriffen, den Film auf seinen Inhalt zu reduzieren. Denn wie kaum ein anderes Werk transportiert „Easy Rider“ ein Lebensgefühl. Und ganz gleich, ob man sich mit Drogen schmuggelnden Bikern aus den 60er Jahren identifizieren kann oder nicht: Der Film ist handwerklich so perfekt inszeniert, dass man sich diesem Freiheitsgefühl, das er vermittelt, kaum entziehen kann. Kritische Stimmen bemängeln, dass allein dieses Gefühl nicht ausreicht, dass es den Film nicht trägt und der damit mit der Zeit langweilig wirkt. Und dem ist eigentlich auch nicht großartig zu widersprechen. Denn wer sich nicht mitreißen lassen kann von den psychedelisch angehauchten Dialogen, den Trips über staubige Straßen und durch lethargische Hipster-Kommunen und den Trips, die der Konsum bedenklicher Drogen auf Friedhöfen auslöst, wird keine große Freude mit dem Film übrig. Denn die Story selbst ist, wie erwähnt, arg dünn. Meine eigenen Drogenerfahrungen beschränken sich auf gediegene Rotweine, Schokolade und drei Tassen Kaffee vor dem Schlafengehen. Den ärgsten psychedelischen Trip hatte ich bislang, nachdem ich mit Freunden Wasser um die Wette getrunken hatte. (Eine Nachahmung kann ich definitiv nicht empfehlen.) Dennoch hat der Film bei mir gezündet und etwas in mir angesprochen, das sich vielleicht am ehesten als das Gefühl von Eigenbestimmung, Naturverbundenheit und die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, die uns in der modernen Gesellschaft verloren gegangen scheint, bezeichnen lässt. Leben, um zu leben. Davon erzählt der Film. Und diese Botschaft transportiert er schlicht perfekt. Auch wenn das bedeutet, dass man 1,5 Stunden lang zwei (bzw. mit Jack Nicholson dann drei) verpeilten Typen zusieht, wie sie auf Motorrädern durch den Staub knattern.


9,0
von 10 Kürbissen

Der König der Löwen (2019)

Regie: Jon Favreau
Original-Titel: The Lion King
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Animation, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Lion King


Cat Content geht immer. Das dachte sich auch der Disney-Konzern und brachte kurzerhand den Animationsfilm „König der Löwen“ neu raus als … ta da: Animationsfilm! Aber weil sich die Technik in den letzten 25 Jahren doch merklich verbessert hat, singen nun verblüffend echt aussehende Warzenschweine und Erdmännchen „Hakuna Matata“, während Löwen das tun, was Löwen eben tun: Luxus und Ruhm und rulen bis zum Schluss. So in etwa. Die Geschichte sollte weitgehend aus dem Filmklassiker des Jahres 1994 bekannt sein. Kein Grund, hier noch mal aufzubröseln, was mit dem kleinen Löwen Simba so alles passiert. Wenn es euch so geht wie meinem Arbeitskollegen, der während einer mittäglichen Unterhaltung über die Neuverfilmung des Trickfilms verblüfft und sichtlich irritiert ausgerufen hat: „Was? Die Löwen singen?“, dann ist es für euch höchste Eisenbahn, mal ein bisschen Filmgeschichte nachzuholen. Hier könnt ihr dann wieder weiterlesen, wenn ihr auswendig Nants ingonyama bagithi Baba / Sithi uhm ingonyama mitsingen könnt. Aber wenn ihr wissen wollt, wie die Neuverfilmung von Jon Favreau (der happy Disneys Klassiker neu dreht, wenn er nicht gerade mit den Avengers beschäftigt ist) bei mir ankommt, dann seid ihr hier richtig. Also, was ist zu sagen über diesen „König der Löwen“? Aufguss oder eine neue Liga? Irgendwie beides. Was die Technik betrifft, so fällt dem geneigten Zuseher gelegentlich das Kinnladerl auf den Boden (und taucht in den dort abgestellten Popcornkübel ein). Es ist unfassbar, wie realistisch die Animationen wirken. Das, was bei „The Jungle Book“ von 2016 noch nicht ganz geklappt hat – die Tiere in ihren natürlichen Proportionen und Bewegungen zu zeigen – ist hier nun auf einem völlig neuen Level angesiedelt. Genau darin liegt aber auch paradoxerweise das größte Problem des Films: Ein Löwe verfügt nun mal nicht von Natur aus über eine besonders ausdrucksstarke Mimik. Grantig können meine Katzen schon auch schauen, wenn ihnen das Futter mal wieder nicht schmeckt, aber für Subtilitäten oder auch die ganz großen Emotionen reicht es eben nicht aus. Und so erreicht mich die Neuverfilmung emotional nicht so stark wie das Original, zumal ich die Geschichte ja schon kannte. Einzig Timon und Pumbaa reißen wirklich mit, was vor allem an einer Energieleistung der beiden Synchronsprecher Seth Rogen und Billy Eichner liegt. Die beiden holen wirklich alles raus. Auch in der Gestik sind die beiden humorvollen Sidekicks expressiver angelegt als der Rest der Tiere. Davon profitiert der Film ungemein, und man erkennt plötzlich, dass der Film noch besser hätte sein können, hätte man sich nicht sklavisch dem Realismus verpflichtet gefühlt. Dennoch ist „Der König der Löwen“ ein sehenswertes Spektakel. Wer wissen will, was CGI heutzutage kann: Alles! Dieser Film beweist das.

 


7,0
von 10 Kürbissen