Drama

Argo (2012)

Regie: Ben Affleck
Original-Titel: Argo
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Historienfilm, Thriller
IMDB-Link: Argo


Oscar-Verleihung 2013. Das war jene Preisverleihung, als Jennifer Lawrence der grandiosen Emmanuelle Riva den Oscar wegschnappte, Haneke aber immerhin bei fünf Nominierungen, darunter für die beste Regie, das beste Drehbuch und den besten Film, den Hauptpreis für den besten fremdsprachigen Film nach Hause nehmen konnte, sich jedermann und jedefrau fragte, wie es passieren konnte, dass Ben Affleck nicht für die beste Regie nominiert war und am Ende doch „Argo“ als bester Film triumphierte. Die besten Geschichten schreibt das Leben – und wenn eine solche Geschichte auch noch so gekonnt und spannend inszeniert wird wie „Argo“ von Ben Affleck, dann passt das schon mit dem großen Hauptpreis für diesen Politthriller. Die Geschichte: 1979 strandeten nach der Islamischen Revolution im Iran einige US-amerikanische Botschaftsangehörige in der Botschaft von Kanada, wo sie versteckt gehalten wurden. Alle anderen Botschaftsmitarbeiter:innen wurden vom Iran als Geiseln gehalten. Die Frage war nun, wie kriegt man die in der kanadischen Botschaft Versteckten aus dem Land, ohne dass sie als Botschaftsangehörige enttarnt werden, denn das hätte eine sofortige weitere Geiselnahme oder noch Schlimmeres für die Betroffenen zur Folge gehabt. Dem von Affleck gespielte CIA-Mitarbeiter Tony Mendez kommt schließlich die zündende Idee: Die Amerikaner sollen sich als Produzenten eines Hollywood-Films auf Location-Suche ausgeben. Und damit die misstrauischen Iraner auch wirklich keinen Verdacht schöpfen, muss der fiktive Film so authentisch wie möglich wirken. Was nach einer absurden Verwechslungskomödie klingt, wurde von Affleck als rasiermesserscharfer und realistischer Thriller realisiert. Das Tempo ist gemächlich, doch gerade dadurch baut sich die Spannung auf bis zum großen Finale. „Argo“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Affleck seine persönlichen Höchstleistungen vielleicht nicht als Mime erreicht, sehr wohl aber als Regisseur mit einem guten Gespür für Spannungsaufbau und realitätsnahe Inszenierungen.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy Warner Bros. Entertainment – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc, Quelle http://www.imdb.com)

Fight Club (1999)

Regie: David Fincher
Original-Titel: Fight Club
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Thriller, Drama
IMDB-Link: Fight Club


Die erste Regel des Fight Clubs: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club! Die zweite Regel des Fight Clubs: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club!

Daher ein Rezept für 2 kg Seife. Ihr braucht:
650 g Kokosfett
650 g Sonnenblumenöl
650 g klares Olivenöl
290 g Natronhydroxid
1 Liter Mineralwasser

Zubereitung:
Schutzbrille und Schutzhandschuhe anziehen.
Zuerst das Kokosfett in einen Topf geben und zusammen mit dem restlichen Öl auf 35°C – 36,5°C erwärmen.
Parallel dazu die Natronhydroxid in einem Frischhaltebeutel abwiegen. Dieser wird am Schluss entsorgt.
Das Wasser in einen ausreichen großen Plastikeimer geben.
Anschließend das Natronhydroxid in mehreren kleinen Mengen nacheinander in das Wasser geben, um Laugenwasser/Natronlauge zu erhalten. (Achtung: Keinesfalls anders herum zusammenschütten!) Der erste Schwung Wasser, der mit dem Natronhydroxid in Berührung kommt, würde auf einen Schlag sehr stark erhitzen und heftig verdampfen. Ein Hinweis: Bei Zugabe des Pulvers in das Wasser erhitzt dieses sich schnell und stark. Dabei kann es überkochen (-> daher der große Behälter) und Dampf entwickeln. Macht diesen Arbeitsschritt also nach Möglichkeit unter freiem Himmel (Balkon oder Terrasse) oder zumindest bei offenem Fenster und steht nicht direkt über dem Behälter. Schutzbrille und Handschuhe ebenfalls nicht vergessen.
Nun kommt der komplizierteste Schritt: Sowohl das Öl als auch das Laugenwasser müssen sehr genau auf 35-36°C erwärmt bzw. abgekühlt werden. Arbeitet zum gezielten Abkühlen am besten mit einem kalten Wasserbad. Passt die Temperatur beim Zusammenschütten nicht, klappt die Verseifung nicht. Wenn die Temperatur stimmt, das Laugenwasser in das Öl geben und ununterbrochen rühren, bis die Mischung dickflüssig wird und sich “eine Spur bildet”. Das kann nach ein paar Minuten schon passieren, kann aber auch mal eine dreiviertel Stunde dauern. Hat man eine übrig, kann man auch eine alte Küchenmaschine mit Knethaken auf niedrigster Stufe nutzen.
Abschließend gebt ihr die Rohseife in eine eingefettete oder mit Backpapier ausgelegte Form zum Erhärten. Achtung: Zu diesem Zeitpunkt ist die Rohseife ebenfalls noch ätzend! Die Rohseife dann mit einem Karton als Deckel und eingewickelt in ein paar Handtücher einen bis drei Tage an einem ruhigen und kühlen Ort und außerhalb des Zugriffs von Kindern und Haustieren stehen lassen. Die Handtücher werden benötigt, damit die Seife ihre Wärme langsam und gleichmäßig abgibt, was sich positiv auf Aussehen und Struktur auswirkt.
Mit bestem Dank an Habe ich selbstgemacht – Foodblog München.


9,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Stowaway – Blinder Passagier (2021)

Regie: Joe Penna
Original-Titel: Stowaway
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Stowaway


Langsame, philosophische Science Fiction – darin geht der Filmkürbis auf. Seien es alte Meisterwerke wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ oder neuere Beiträge wie Ad Astra, wenn jemand das Science Fiction-Genre klug nutzt, um die Essenz des Menschseins herauszuarbeiten, gehe ich voll mit. Insofern hatte „Stowaway“, die neueste Regiearbeit von Joe Penna, der zuletzt Mads Mikkelsen in Arctic durch das Eis latschen ließ (unwirtlich sind sowohl das Weltall als auch das ewige Eis, von daher kann man eine gewisse Präferenz des Regisseurs für Extremsituationen herauslesen), schon mal gute Karten. Dazu kommt eine wirklich gute Besetzung, angeführt von Toni Collette, die sich spätestens seit dem Oscar für Jessica Chastain diesen März in der Pole Position für längst überfällige Oscar-Auszeichnungen zu befinden scheint, und Anna Kendrick in einer für sie ungewohnten Rolle: sie muss nämlich nicht singen. Dazu kommen Daniel Dae Kim und Shamier Anderson, die ebenfalls ihre Sache gut machen. Was weniger gut ist: Das ermüdende Erzähltempo des Films. Sagte ich nicht gerade, dass ich mit solch langsamen Filmen etwas anfangen kann? Ich präzisiere: Langsam, nicht langweilig. Doch genau das Problem hat „Stowaway“: Er ist langweilig. Dabei wäre die Ausgangssituation so vielversprechend: Eine dreiköpfige Crew auf dem Weg zum Mars stellt fest, dass ein unfreiwilliger blinder Passagier an Board ist. Noch dazu geht die Anlage für die Sauerstoffaufbereitung in die Binsen, also hat man das Problem: Die Luft reicht für drei, nicht aber für vier, und zurück kann man auch nicht mehr. Assoziationen zu George Floyd und seinem tragischen „I can’t breathe!“ werden unweigerlich wach, da wird klug auf mehreren Ebenen gespielt. Aber alle Anspielungen nutzen nichts, wenn man im Film in Anbetracht der kompletten Spannungsfreiheit selig wegbüselt. Ich sag ja nicht, dass da Michael Bay-artig alle fünf Minuten die halbe Raumstation explodieren muss, aber zumindest hätte man die intrinsische Spannung des moralischen Dilemmas, in dem sich die Crew befindet, besser nutzen können. Doch auch das geschieht nicht. Und so ist es mir am Ende fast egal, wie der Film ausgeht. Leider.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Social Network (2010)

Regie: David Fincher
Original-Titel: The Social Network
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama, Biopic
IMDB-Link: The Social Network


Der heißeste Scheiß im Internet altert nicht unbedingt gut. 2003 hatte David Zuckerberg die Idee zu Facebook, im Jahr 2010 zeichnete niemand Geringerer als David Fincher nach einem Drehbuch von Aaron Sorkin den rasanten Aufstieg dieses sozialen Mediums im Kino nach und jetzt, 2022, sind die undankbaren Gfraster von werberelevanten Kids schon längst in anderen Netzwerken wie TikTok und Snapchat (wobei auch das schon wieder ein alter Hut ist) unterwegs. Nur knapp 40jährige Filmkritiker und deren Elterngeneration schauen gelegentlich noch bei Facebook vorbei, um Videos von singenden Katzen zu verbreiten … *hüstel*. Mark Zuckerberg wird’s wurscht sein. Er gehört immer noch zu den zehn reichsten Menschen der Welt, und wir reden hier von einem Vermögen von etwa 70 Milliarden Dollar. Anders gesagt: 70.000 Millionen Dollar. In Zahlen: Fucking 70.000.000.000 US-Dollar. Nicht schlecht für etwas, was als besoffene Geschichte begann, weil ihn die Freundin (zu Recht) abschoss. Da wird es der reale Zuckerberg auch verkraften, dass es Jesse Eisenberg in der Hauptrolle und das Gespann Sorkin/Fincher es nicht darauf anlegen, ihn sonderlich sympathisch darzustellen. Nein, der fiktive Zuckerberg in „The Social Network“ ist ein Arschloch, der nur seinen Erfolg im Kopf hat, während das eigentlich relevante soziale Netzwerk, nämlich seine Freundschaften, auf der Strecke bleibt. Wobei: Nach einigen Klagen und Vergleichsangeboten sind selbst die von Zuckerberg Geschassten heute Milliardäre. So lässt es sich wohl verkraften, dass man nicht mehr auf ein gemeinsames Feierabendbier geht. David Fincher jedenfalls fokussiert sich in seinem Film auf diese Ellbogenmentalität, die Zuckerberg auf dem Weg nach oben gezeigt hat. „Erfolg um jeden Preis“ ist der Aspekt, der ihn am meisten interessiert, das Private bleibt hier auch in Finchers Blick im Hintergrund. Das alles ist ungemein dynamisch inszeniert und hervorragend gespielt. Dazu muss man den treibenden, oscarnominierten Soundtrack von Atticus Ross und Trent Reznor erwähnen, der den Puls des Films vorgibt. „The Social Network“ ist vielleicht nicht Finchers bester Film, dazu ist er nicht zeitlos genug, aber ein cleveres, hintergründiges Stück Kino, das die Mechanismen des schnellen Silicon Valley-Erfolgs klug durchleuchtet.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Merrick Morton – © 2010 Columbia TriStar Marketing Group, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Nightmare Alley (2021)

Regie: Guillermo del Toro
Original-Titel: Nightmare Alley
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Krimi, Thriller
IMDB-Link: Nightmare Alley


Wer diesen Blog in den vergangenen Monaten etwas intensiver verfolgt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass ich einige Film Noirs aus den 40ern besprochen habe. „Nightmare Alley“, der neueste Film von Guillermo del Toro, würde gut in diese Reihe passen – wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass es bereits eine Verfilmung aus dem Jahr 1947 gibt unter dem Titel „Der Scharlatan“, ein Film Noir, der auf dem gleichnamigen Roman von William Lindsay Gresham beruht. Nun, ich kenne weder den Roman noch die Originalverfilmung, aber ich kann mir die Vibes des Films aus den 40ern sehr gut vorstellen, denn del Toros „Nightmare Alley“ ist eine Zeitreise in die Blütezeit des Film Noirs. Und wenn wir schon bei Zeitreisen sein: Cate Blanchett stammt ebenfalls eindeutig aus dieser Zeit. Ihre Femme Fatale, die das selbsternannte Medium Stanton Carlisle straucheln lässt, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Überhaupt gibt sich del Toro jede Mühe, einen Film zu machen, der nicht nur Hommage an eine frühere Dekade des Kinos ist, sondern diese Zeit wieder auferstehen lässt. Die Detailversessenheit, an der man bei wohl jeder Einstellung die Handschrift des Regisseurs erkennt, zeitigt zwar ein visuell eindrucksvolles Ergebnis, führt aber auch zu erzählerischen Längen. Vielleicht ist del Toro selbst ein bisschen zu verliebt in seinen Film. Und so geht man die Reise zwar gerne mit, aber am Ende macht sich schon das Steißbein bemerkbar und ohne Proviant, sprich: einer großen Portion Popcorn, kommt man kaum gut durch. Dabei stimmt schon jedes Detail – die Darsteller:innen, allen voran Bradley Cooper, machen ihre Sache ausgezeichnet (da fällt mir ein: warum zum Teufel hat David Strathairn noch keinen Oscar?), Kostüme, Ausstattung und Score sind exzellent, die Geschichte diabolisch und spannend – aber für einen richtig großen Film ist von allem halt ein bisschen zu viel da. Klotzen, nicht kleckern, kann gut gehen, aber führt nicht immer zum bestmöglichen Ergebnis. So ist „Nightmare Alley“ ein unbestritten guter Film, aber nicht das Ereignis, das er selbst gerne wäre.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Kerry Hayes, Quelle http://www.imdb.com)

Interstellar (2014)

Regie: Christopher Nolan
Original-Titel: Interstellar
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Interstellar


Christopher Nolan macht es seinem Publikum in der Regel nicht leicht. Da muss man schon konzentriert bei der Sache bleiben und mitdenken, und selbst dann erschließen sich viele Filme erst bei der zweiten oder dritten Sichtung – oder überhaupt nie. „Interstellar“ mit Matthew McConaughey und Anne Hathaway in den Hauptrollen (und prominent besetzt in den Nebenrollen mit Jessica Chastain, Michael Caine, Matt Damon, Ellen Burstyn und Casey Affleck) ist so ein Fall, bei dem man bei der ersten Sichtung wohl hauptsächlich die eindrucksvollen Bilder auf sich wirken lässt, aber im Grunde keinen Plan hat und am Ende mit vielen Fragezeichen im Kinosaal oder vor dem Fernseher sitzt. Bei mir war es jedenfalls so, damals, beim ersten Kinobesuch. Ja, das war alles grandios, was da über die Leinwand flimmerte, der Film war interessant und trotz seiner langen Laufzeit kurzweilig und spannend, die Bilder – ob im Weltall, auf einer von Sandstürmen geplagten Erde oder auf den fremden Planeten – unfassbar schön anzusehen mit hohem Erinnerungswert, aber: WHAT? THE? ACTUAL? FUCK??? Jahre später dann die zweite Sichtung, und zu den schönen Bildern gesellte sich dann endlich eine komplexe, aber verständliche Handlung. Über die physikalischen Grundprinzipien, auf die der Film beruhen soll, kann und will ich nicht eingehen, dafür ist mein Kürbis viel zu hohl, aber in sich klingt die Geschichte stimmig – und das ist in der fiktiven Welt des Films das Wichtigste. Und weil der Inhalt so vielschichtig und kompliziert ist, will ich gar nicht erst darüber schreiben, sondern einfach nur auf den Weg geben: Wenn euch der Film bei der ersten Sichtung einen Knoten in die Hirnlappen gemacht hat, gebt ihm zumindest noch eine Chance. Es hat schon einen Grund, warum Christopher Nolan als neuer Säulenheiliger des Blockbusterkinos gefeiert wird.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2014 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Ballade von der weißen Kuh (2020)

Regie: Behtash Sanaeeha und Maryam Moghadam
Original-Titel: Ghasideyeh gave sefid
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Ghasideyeh gave sefid


Es ist ein harter Kampf an der Spitze. Noch hat Österreich (vor allem dank der unermüdlichen Beiträge von Michael Haneke) die Nase vorn im Rennen um die Feel-Bad-Film-Nation der Welt, aber der Iran lässt sich nicht lumpen und zückt mit der „Ballade von der weißen Kuh“ ein Ass. Der Film beginnt gleich mal mit einem Besuch in einem äußerst trostlosen Gefängnis, in dem Mina (Maryam Moghadam, die auch gleich am Drehbuch und der Regie mitgewirkt hat) ihren Ehemann zum letzten Mal sieht. Kurze Zeit später ist derselbige tot, und Mina muss sich mit ihrer gehörlosen Tochter allein abkämpfen. Die Wohnung ist winzig, das Geld ist alle, und als Witwe eines verurteilten und hingerichteten Mörders hat man nicht unbedingt ein erfülltes Sozialleben. Und weil alles eh schon so scheiße ist, kommt plötzlich auch noch die Nachricht, dass die Verurteilung und Exekution des Gatten auch noch ein Justizirrtum war. Auftritt Reza (Alireza Sanifar), ein traurig blickender Mann, dessen Sohn sich gerade zum Militärdienst verabschiedet hat, und der dem Verstorbenen noch was schuldete. Zwischen den beiden einsamen Seelen entwickelt sich eine freundschaftliche Zuneigung – vielleicht das bisschen Licht in dieser dunklen Welt, das es in diesem Moment braucht. Aber: Das iranische Regieduo macht seine Sache gründlich, und was ein Haneke kann, können die beiden auch. Also geht mal lieber nicht davon aus, dass am Ende alle happypeppy sind, der verstorbene Ehemann als fröhlicher Geist Stepptänze aufführt und die ganze Familie glücklich ins Disneyland fährt. Wäre natürlich auch eine Variante gewesen, den Film ausklingen zu lassen, aber das Ende passt schon so, wie es ist. Die Welt ist eben mancherorts und manchmal so deprimierend. Und damit ist die „Ballade von der weißen Kuh“ ein konsequenter Film, über den man noch lange diskutieren kann. Eine Empfehlung von mir. Und der Haneke zuckt wohl auch schon ganz nervös im Kinosessel.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Amin Jafari, Quelle http://www.imdb.com)

Das geheimnisvolle Porträt (1899)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Le portrait mystérieux
Erscheinungsjahr: 1899
Genre: Kurzfilm, Fantasy
IMDB-Link: Le portrait mystérieux


Als Film, rein in der Frage nach dem Unterhaltungswert beurteilt, ist „Das geheimnisvolle Porträt“ von Georges Méliès eine recht durchschnittliche Angelegenheit. Der Kurzfilm, der nur 1,5 Minuten dauert, zeigt Méliès, wie er einen Bilderrahmen aufstellt, der durch Magie zum Leben erweckt wird. Künstler und Porträt sitzen plötzlich von Angesicht zu Angesicht. Viel mehr passiert hier nicht. Aber schaut mal auf das Jahr, aus dem der Film stammt. Wir schreiben noch nicht einmal das zwanzigste Jahrhundert, das Medium Film steckt noch nicht mal in den Kinderschuhen, sondern hängt noch an der Brust ihrer Mütter (der Brüder Lumière und eben Georges Méliès), und doch zeigt Méliès in diesem frühen Werk fast schon Perfektion in der Ausübung der (teils von ihm entwickelten) Spezialeffekte, die ihn schließlich weltberühmt machen sollten. Er war ein früher Meister des Stopptricks und der Doppelbelichtung – das zeigt dieser Beitrag aus dem Jahr 1899 sehr deutlich. Andere frühe Regisseure und Regisseurinnen mögen das narrative Erzählen des Films stärker vorangetrieben haben, aber Méliès, der Zauberkünstler, der zum Film fand, war derjenige, der die Magie des Kinos als erster begriffen hat.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Tannöd (2009)

Regie: Bettina Oberli
Original-Titel: Tannöd
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Drama, Krimi, Historienfilm
IMDB-Link: Tannöd


Auf dem Land geht es zuweilen finster zu – Geheimnisse werden in den Schatten dichter Wälder begraben, die eng miteinander verwobene Dorfgemeinschaft belauert sich gegenseitig, und Abgründe der Menschen treten hervor, die andernorts verborgen geblieben wären. In Perfektion umgesetzt hat diese düstere Atmosphäre Andreas Prochaska in dessen Bauernwestern Das finstere Tal, doch auch Bettina Oberlis „Tannöd“ bleibt nicht weit davon entfernt. Vorlage für Roman und Verfilmung war ein realer Mordfall in den 20er Jahren in Bayern, der nie aufgeklärt werden konnte. Als zwei Jahre später eine Magd stirbt, reist deren Tochter in das Dorf und wirbelt dort alten Staub auf. Was nach dem schrecklichen Mehrfachmord an der Familie Danner und deren Magd in der Dorfgemeinschaft unausgesprochen blieb, kommt nun an die Oberfläche. Und auch alte Geheimnisse bahnen sich ihren Weg ans Licht. „Tannöd“ ist ein langsamer, atmosphärisch unglaublich dichter Film, der nur am Rande an dem Mordfall interessiert ist. Vielmehr beschäftigt sich Oberli mit den seelischen Abgründen der Familie Danner, dem verkommenen Vater, der Lieblosigkeit und Härte, mit denen er allen Menschen begegnet ist, und das Ergebnis daraus: dass die Familie Danner von allen im Dorf gehasst wurde. Es sind diese sozialen Geflechte und ihre Risse darin, die Oberli besonders interessieren. Und so ist „Tannöd“ weniger ein spannendes Krimispektakel als eine Erforschung der sozialen Strukturen einer Zwangsgemeinschaft, wie man sie eben im Dorf findet. Wenn man mit der entsprechenden Erwartungshaltung an den Film herangeht, wird man reich belohnt. „Tannöd“ ist ein düsterer, gut gespielter Anti-Heimatfilm. Was der Film hingegen nicht ist: Ein nervenaufreibender Thriller.


7,0 Kürbisse

Pleasure (2021)

Regie: Ninja Thyberg
Original-Titel: Pleasure
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Erotik
IMDB-Link: Pleasure


Es soll ja, habe ich mir sagen lassen, so Filme geben, in denen Darstellerinnen und Darsteller tatsächlich, also nicht simuliert, miteinander Liebe machen. Und am Ende wird dann immer geheiratet. Pornos sollen diese Filme heißen, und anscheinend gibt es richtig viele davon, und vor allem die Darstellerinnen sind manchmal so richtig bekannt und in ihrem Metier absolute Stars. Das alles weiß ich natürlich nur vom Hörensagen. So ein kreuzbraver Kürbis hat damit keine … ähm … Berührungspunkte. Jedenfalls erzählt „Pleasure“ von der schwedischen Regisseurin Ninja Thyberg (Namenswitze in 3, 2, 1 …) die Geschichte eines jungen schwedischen Mädels, das auszieht (im konkreten Fall nach Kalifornien, wo die Filmindustrie zuhause ist), um den großen Reibach zu machen. Die Unschuld vom Lande lässt es gleich so richtig krachen, doch der Weg zur Spitze ist hart, die Luft oben wird dünner, und man muss vielleicht auch mal die eine oder andere unliebsame Entscheidung treffen, um sich durchzusetzen. Berühmt werden wollen schließlich alle, doch nur wenige werden es. Wie das dann mit Anstand und Gewissen zu vereinbaren ist, ja, das ist eben die gute Frage. Subtrahiert man aus „Pleasure“ die Brüste, die vulgäre Sprache und den einen oder anderen sichtlich erregten Schwanz, ist der Film im Grunde eine recht klassische Künstler-Biografie. Ersetze das Porno-Starlet durch eine junge Musikerin oder Schauspielerin, und der Film funktioniert genauso gut. Und genau das ist in diesem Fall die Stärke des Films. Weder suhlt er sich im Reiz des Verruchten, noch steht er moralisierend über seinem Thema, sondern es ist einfach die Geschichte einer jungen Frau, die berühmt werden will, und die auf ihrem Weg gute wie schlechte Momente erlebt und deren Entscheidungen sie als Mensch weiter prägen. Das wird herrlich unaufgeregt erzählt. Und so ist „Pleasure“ keine Nabelschau, sondern ein ziemlich ehrlicher Film (soweit man das von außen überhaupt beurteilen vermag) über eine Protagonistin in einer recht unehrlichen Branche. Hey, it’s show business!


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)