Horror

10 Cloverfield Lane (2016)

Regie: Dan Trachtenberg
Original-Titel: 10 Cloverfield Lane
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: 10 Cloverfield Lane


Eine junge Frau (Mary Elizabeth Winstead). Ein junger Mann (John Gallagher Jr.). Ein Gastgeber (John Goodman). Eine nette, gemütliche Wohnung mit einer Jukebox, jede Menge Gesellschaftsspiele, Puzzles – so kann man die Zeit verbringen. Muss man auch, denn nach Ansicht von Howard (Goodman) ist die Erde aktuell nach einer Attacke nicht bewohnbar. Die Wohnung befindet sich daher in einem Bunker unter der Erde. Und während Emmett (Gallagher Jr.) freiwillig die Gastfreundschaft von Howard angenommen hat, ist Michelle (Winstead) nicht aus freien Stücken hier. Und sie zweifelt an Howards Aussagen über die Luftqualität da draußen. „10 Cloverfield Lane“ baut sehr lose auf dem Horror-Sci Fi-Film „Cloverfield“ von Matt Reeves auf, geht aber komplett eigene Wege, indem er als Kammerspiel-Thriller inszeniert ist. Die Besetzung besteht so gut wie ausschließlich aus den drei genannten Darstellern, und 90 Prozent des Films spielen in der Bunkerwohnung. Als Zuseher darf man mit Michelle fröhlich mitraten, ob sie nun in die Fänge eines Psychopathen geraten ist oder Howard tatsächlich Recht hat und da draußen seltsame Dinge vor sich gehen. Lange lässt der Film diese Frage unbeantwortet. Daraus bezieht er seine Spannung. Wie befriedigend man nun das tatsächliche Ende empfindet, bleibt den persönlichen Präferenzen überlassen – ich selbst fand es gut und stimmig. Aber das ist wohl jener Aspekt des Films, an dem sich die Geister am meisten scheiden. Am besten macht man sich selbst ein Bild und bildet sich sein Urteil.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Interview mit einem Vampir (1994)

Regie: Neil Jordan
Original-Titel: Interview with the Vampire: The Vampire Chronicles
Erscheinungsjahr: 1994
Genre: Horror, Drama
IMDB-Link: Interview with the Vampire: The Vampire Chronicles


Zwei Emos mit wallender Mähne frönen dem Hedonismus und dem Saft des Lebens, lachen sich eine 11jährige an und werden älter, als ihnen gut tut. Das ist „Interview mit einem Vampir“, das Referenzwerk für emotional gestörte Vampire, ehe diese zu glitzern lernten. Doch anders als in der Twilight-Serie geht es hier tatsächlich auch mal zur Sache. Diese Vampire beißen zu. Tom Cruise und Brad Pitt geben dabei ein kongeniales Duo ab, das die Mädchenherzen der in den frühen 80ern Geborenen höherschlagen lässt, während die 11jährige Kirsten Dunst eine erste grandiose Talentprobe aufs Parkett legt. Antonio Banderas und Stephen Rea dürfen auch die spitzen Beißerchen zeigen, und Christian Slater ist der arme Tropf, der sich die ganze Story anhören darf. Und die ist lang, denn immerhin beginnt sie im späten 18. Jahrhundert und zieht sich bis in die Jetztzeit. Und die Geschichte fühlt sich auch so lang an. Kaum zu glauben, dass der Film gerade mal zwei Stunden dauert. Aber das langsame Erzähltempo, die vielen vielsagenden Blicke bei Kerzenschein, diese viktorianische Opulenz, die sich durch den Film zieht, erfordern durchaus etwas Sitzfleisch vom geneigten Publikum. Dieses bringt man allerdings gerne auf, denn der Film ist auch heute noch, 25 Jahre nach seinem Entstehen, wunderschön anzusehen. Vielleicht haben die damals schockierenden Horrorszenen heute nicht mehr die gleiche Wucht, vielleicht sind die gut geföhnten Mähnen heute nicht mehr zeitgemäß, und Brad Pitt mag heute ein interessanterer und besserer Schauspieler sein als damals, aber der Film funktioniert dennoch. Vampire glitzern halt einfach nicht. Schreibt euch das hinter die Ohren.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Warner Bros./Getty Images – © 2012 Getty Images, Quelle imdb.com)

Plan 9 aus dem Weltall (1959)

Regie: Ed Wood
Original-Titel: Plan 9 from Outer Space
Erscheinungsjahr: 1959
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: Plan 9 from Outer Space


Orson Welles. Ingmar Bergman. Federico Fellini. Stanley Kubrick. Steven Spielberg. Fritz Lang. John Hughes. Akira Kurosawa. Martin Scorsese. John Ford. Keine Frage – all diese Regisseure haben ihre Fußstapfen in der Filmgeschichte hinterlassen, doch keiner dieser Gräben war so tief wie jener von Ed Wood. Der Mann hatte Visionen, wie sie die stärksten Drogen für gewöhnlich nicht hervorbringen können. Zur großen Freude aller Film-Aficionados fand er tatsächlich Wege, diese auf die Leinwand zu bringen. Unter einem verantwortungsvollen Produzenten hätte dies ja gar nicht passieren dürfen, aber Ed Wood war ein Wunderwuzzi, der nicht nur seine eigenen Filme schrieb und drehte, sondern eben auch finanzierte und produzierte. So fand er beispielsweise Geldgeber in einer Baptistengemeinde, denen er als Folgeprojekt einen religiösen Film versprach, weshalb sich alle Crewmitglieder kurzfristig taufen lassen mussten, um die Geldgeber zufrieden zu stellen. Nur deshalb kann man heute das Meisterwerk „Plan 9 from Outer Space“ bewundern. Und was wäre die Filmgeschichte ohne dieses konfuse, irre, völlig planlose und miserabel gedrehte Stück Kino? Der absolute Tiefpunkt in Bela Lugosis Filmkarriere, in dem sich Tag und Nacht abwechseln wie Geschlechtskrankheiten bei einem Gangbang, trägt völlig zurecht den Titel als schlechtester Film aller Zeiten (um den er im Übrigen mit „The Room“ von Tommy Wiseau rittert – ein ewiger Streitpunkt unter Cinephilen, der in diesem Jahrhundert wohl nicht mehr beigelegt werden kann). Wirklich alles an diesem Film ist komplett missglückt. Die Dialoge machen keinen Sinn, die Handlung ist völlig durch den Wind, die Darsteller sind so schlecht, dass es fast schon wieder gut ist, und jeder einzelne technische Aspekt des Films ist so amateurhaft umgesetzt, dass man schon Absicht dahinter vermuten muss. Das Irre daran: Ed Wood war von seinem Werk überzeugt und sah sich auf einer Stufe mit Orson Welles. Einzug in die Filmgeschichte hat er jedenfalls gehalten, also Hut ab vor diesem Mann und seinen Ambitionen. Ein Kürbis für den Film zwei zusätzlich für die unfreiwillige, trashige Komik. Ein Werk, das man als Filmliebhaber mal gesehen haben sollte. So sehr konnte ich einen 3-Kürbisse-Film noch nie zuvor empfehlen.


3,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Blair Witch Project (1999)

Regie: Daniel Myrick und Eduardo Sánchez
Original-Titel: The Blair Witch Project
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Horror
IMDB-Link: The Blair Witch Project


Ein Produktionsbudget von 60.000 USD, ein Einspielergebnis von 248.000.000 USD an den Kinokassen, da muss es doch mit Hexerei zugegangen sein! Was natürlich hilft: Ein geschicktes Marketing, das Gerüchte in die Welt setzt, bei dem gefundenen Aufnahmen von drei im Wald verschollenen Studenten handle es sich um einen realen Fall. So simpel, aber so clever! Was daraufhin folgte, war ein unfassbarer Hype, der „Blair Witch Project“ zum Film mit der besten Umsatzrentabilität aller Zeiten machte (wenn man den Porno „Deep Throat“ außer Acht lässt). Und tatsächlich ist an diesem Film nicht nur die Idee gut, sondern auch – mit Abstrichen – die Umsetzung. Wenn wir nämlich als Zuseher drei verpeilten Studenten folgen, die mit Wackelkamera durch den Wald laufen, ist das erst einmal fad. Und paradoxerweise bezieht der Film genau daraus seine Spannung. Er wiegt den Zuseher erst mal in Sicherheit. Da baut sich keine dramatische Hintergrundmusik auf, da sind keine Jump-Scares (hach, wie ich diese Dinger hasse!) zu erwarten, nein, es laufen einfach nur drei Vollidioten durchs Gemüse. Und weil sie wirklich strunzdumm sind, verirren sie sich auch noch. Doch immer wieder tauchen einzelne Bilder oder Momente auf, die einen stutzen lassen. Hinter der Harmlosigkeit von zufällig aufgehäuften Steinen oder seltsam zusammengebundenen Ästen lauert etwas, das sich nicht zeigt und das nicht benannt werden kann. Fast unmerklich ziehen Daniel Myrick und Eduardo Sánchez die Daumenschrauben fester. Reimen sich da drei Vollhonks einfach etwas zusammen und betrachten wir sie dabei, wie sie langsam durchdrehen, oder ist da tatsächlich etwas in den Wäldern, vor dem man sich fürchten muss? Der Film hält zwischen diesen beiden Gedanken gut die Balance. Und genau deswegen funktioniert er. Dass man dadurch auch Leerläufe und viel Kameragewackel in Kauf nehmen muss, gehört zum Konzept. Dadurch ist Blair Witch Project“ nicht immer einfach anzusehen, aber stimmig und in sich geschlossen. Ein konsequenter Film.


6,5
von 10 Kürbissen

Saw (2004)

Regie: James Wan
Original-Titel: Saw
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Thriller, Horror
IMDB-Link: Saw


Es gibt Filme, die ein ganzes Genre prägen oder gar begründen. „Saw“ von James Wan ist so ein Fall. Mit dem Erfolg des Films erlebte das Genre des Torture Horror seinen Aufschwung. Worum es in diesem Filmgenre geht? Blut und Beuschel und das altbekannte „homo homini lupus“ – der Mensch ist des Menschen Wolf. Das müssen auch der Arzt Lawrence (Cary Elwes) und der Fotograf Adam (Leigh Whannell) feststellen, die an Eisenrohre angekettet in einem ziemlich grindigen Raum erwachen und dort zum ultimativen Escape Room-Spiel eingeladen werden. Zu gewinnen gibt es immerhin das eigene Leben, das ist förderlich für die Motivation der Spieler. Lawrence weiß auch schon bald, woher der Wind kommt. Er hat nämlich bereits vom „Jigsaw-Killer“ gehört. Diesem wiederum ist der Polizist David Tapp (Danny Glover) auf den Fersen. Der Killer spielt nämlich seine Spielchen schon eine ganze Weile. Wir als Zuseher werden also einerseits Zeugen davon, wie Lawrence und Adam versuchen, sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien (und gleichzeitig zu eruieren, wie und warum sie überhaupt da hineingeraten sind), und andererseits von der Jagd nach dem Mastermind hinter dem blutigen Rätselraten. Das alles ist spannend inszeniert – und tatsächlich hält sich der Splatter-Faktor in Grenzen. Den Magen umgedreht hat es mir jedenfalls nicht, aber vielleicht habe ich auch einfach schon einen cineastischen Saumagen. Allerdings kann man dem Film nicht attestieren, wahnsinnig gut gealtert zu sein. Handwerklich ist er nicht auf dem allerhöchsten Niveau angesiedelt – seien es das teils hölzerne Schauspiel oder Details wie die Beleuchtung, die schon arg nach 90er-Videos aussieht (auch wenn der Film tatsächlich in den 0er-Jahren gedreht wurde). Ein Film, den man aus filmhistorischer Perspektive durchaus einmal ansehen kann. Aber die vielen Fortsetzungen danach braucht es meines Erachtens dann nicht mehr unbedingt.


6,0
von 10 Kürbissen

Der Leuchtturm (2019)

Regie: Robert Eggers
Original-Titel: The Lighthouse
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Horror, Drama, Fantasy
IMDB-Link: The Lighthouse


Liebe Leserinnen und Leser, verneigt euch vor Robert Pattinson! Ja, ihr habt richtig gelesen. Der Glitzervampir aus der Twilight-Reihe mit dem – laut Filmpartnerin Kristen Stewart – schlechten Mundgeruch. Aber gut, diesen wird ja mit Pfefferminz und Kaugummi gut los. Das Stigma des Glitzervampirs bleibt hingegen länger haften. In Robert Eggers‘ „Der Leuchtturm“ sollte er sich aber an der Seite von Willem Dafoe, der ohnehin über jeden Zweifel erhaben ist, freigespielt haben von derartigen Sünden der Vergangenheit. Dieser Film ist eine Offenbarung. Man stecke zwei bärtige Typen aus dem 19. Jahrhundert in einen Leuchtturm und lasse Wind, Wellen, Seemannslieder und wuchtige Verse in körnigem Schwarz-Weiß auf sie einprasseln. Die meiste Zeit über empfand ich den Film als brutale Tour de Force in die Finsternis der menschlichen Seele und als einen Ritt in den Wahnsinn – wobei lange Zeit nicht klar ist, wer von den beiden diesen Höllenritt nun tatsächlich antritt. Diese Ambiguität ist – neben den außergewöhnlich archaischen Bildern in fast quadratischem Format und dem grandiosen Schauspiel zweier ebenbürtiger Widersacher, die sich nichts schenken – die größte Stärke des Films. Und schon war ich geneigt, das Ganze als Ritt in den Wahnsinn abzutun, als der Film am Ende eine letzte Kapriole schlug und ich mit offenem Mund und einer wortwörtlichen Erleuchtung in den Kinosessel gedrückt wurde. „Der Leuchtturm“ ist ein Film, der sowohl die Urinstinkte als auch den Verstand gleichermaßen anspricht – und damit ein seltener Glücksfall. Dass er überhaupt funktionieren kann, liegt an einer überragenden Inszenierung und der schon erwähnten Schauspielkunst. Hätte hier nur ein Rädchen nicht gegriffen, wäre der Film in sich zusammengefallen. So steht er aber als festes Monument in der cineastischen Landschaft wie ein Leuchtturm in rauer See. Ein Film, der bleibt. Und vielleicht Robert Pattinsons endgültige Emanzipation vom Vampirschmafu.


8,5
von 10 Kürbissen

(Foto: A24 Films)

Es Kapitel 2 (2019)

Regie: Andrés Muschietti
Original-Titel: It Chapter Two
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Horror
IMDB-Link: It Chapter Two


Send in the Clowns! Pennywise (Bill Skarsgård) kehrt 27 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils wieder nach Derry zurück und tut das, was ein Clown eben so tut. Leute erschrecken. Und gelegentlich auffressen. (Gut, das ist vielleicht nicht typisch für Clowns.) Also muss Mike (Isaiah Mustafa) die alte Gang, den Club der Verlierer (James McAvoy. Jessica Chastain, Bill Hader, Jay Ryan und James Ransome), reaktivieren, um Es ein für alle Male dorthin zu treten, wo’s richtig weh tut. Unter der Führung von Bill Denbrough, der eine persönliche Rechnung mit dem Clown offen hat, geht es nun also in den finalen Endkampf. Und der ist – gemessen am ersten Film – dann doch eher eine Enttäuschung. Ich bin ja bekanntermaßen eher ein Hosenschisser, was Horrorfilme betrifft, auch wenn ich die Bücher von Stephen King liebe, und auch Es großartig fand. Der zweite Teil der Verfilmung des vielleicht bekanntesten Werkes von Stephen King, der im Übrigen einen herrlich schrägen Chameo-Auftritt im Film hat, ist aber weniger Horror als mehr ein übersinnliches Action-Abenteuer. Zwei- oder dreimal hat es mich schon aus dem Sitz gehoben mit dem anschließend dringenden Bedürfnis, eine Blutdruckmanschette anzulegen, aber im Großen und Ganzen ist Andy Muschiettis Film eher zahm – was Horrorfans vermutlich noch saurer aufstoßen mag als mir. Ich selbst bin ja eher ein Freund der ruhigen Töne und der atmosphärischen Spannung, und daher fand ich Teil 1 auch so gut. Leider versinkt das Finale allerdings in einem ziemlichen Krawall, der zudem stellenweise arg ins Klamaukige abdriftet. Natürlich – das Problem beim Horror ist, dass er gut funktioniert, solange man das Monster nicht sieht und die eigene Fantasie die ärgsten Vorstellungen ausspucken kann (auf diesem Grundgedanken basiert ja auch Stephen Kings Buch), aber wenn man die Tür schließlich öffnet (und man muss sie auf jeden Fall irgendwann mal öffnen) und das Monster dahinter sichtbar wird, verliert es oft seinen Schrecken und wird im schlimmsten Fall lächerlich. Genau das passiert in Es. So bleibt der Film zwar unterhaltsam und ist auf seine Spieldauer von fast drei Stunden auch nicht langatmig (was ich ihm hoch anrechne), aber im Vergleich zum ersten Film, der die Atmosphäre viel besser aufgebaut hat, wirkt er arg zerstückelt, ein bisschen laut und irgendwie unentschlossen. Das wäre besser gegangen. Aber gut, der größte Horror spielt sich dann doch immer im eigenen Kopf ab.


6,0
von 10 Kürbissen