Horror

I Am Legend (2007)

Regie: Francis Lawrence
Original-Titel: I Am Legend
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Drama, Thriller, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: I Am Legend


Es ist irgendwie deppert, wenn man der einzige Überlebende in New York ist, das ansonsten nur von ungustiösen Zombies bevölkert wird. Und es noch depperter, wenn man es als Wissenschaftler in der Hand gehabt hätte, das Schlamassel zu verhindern, aber daran gescheitert ist. Und noch dazu die ganze Familie verloren hat. Nur noch die treue Schäferhündin Samantha hält die Stellung in Robert Nevilles Kampf gegen die Dämonen – die eigenen und die da draußen. Will Smith spielt diesen zerrissenen Survival-Experten gewohnt charismatisch, auch wenn ihm der Schäferhund immer wieder die Show stiehlt. Aber so ist das eben mit Hunden am Set, dagegen hast du selbst als Superstar keine Chance. „I Am Legend“ ist dennoch lange Zeit eine Will Smith-Soloshow, ehe der Film gegen Ende hin ein paar nötige Kapriolen schlägt, um die Geschichte vorwärts und zu einem Ende zu bringen. Über dieses lässt sich dann trefflich streiten, aber der Weg dahin ist spannend inszeniert. Insgesamt zementiert „I Am Legend“ den Legendenstatus von Will Smith wohl weniger, als er das im Sinn gehabt hätte, aber als spannender Unterhaltungsfilm ist er schon in Ordnung. Und das verwahrloste New York, das von Hirschen und anderen Wildtieren zurückerobert wird, ist ein Hingucker und atmosphärisch dicht umgesetzt. Allein dafür lohnt sich die Sichtung schon mal.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die Rache des Würgers (1955)

Regie: Ed Wood
Original-Titel: Bride of the Monster
Erscheinungsjahr: 1955
Genre: Horror, Science Fiction
IMDB-Link: Bride of the Monster


Ach, Ed Wood! So viel Leidenschaft fürs Kino, so viel Enthusiasmus, so viel Ausdauer und Beharrlichkeit und so wenig Talent – man muss den Mann lieben. Kein Wunder, dass es heute noch eine treue Ed Wood-Fangemeinde gibt, die seine B-Movies in Ehren hält. In „Bride of the Monster“ (bzw. „Die Rache des Würgers“ auf Deutsch – beide Titel haben im Übrigen so gut wie nichts mit dem Inhalt des Films zu tun) fährt Ed Wood sogar noch geballte Star Power in Form von Altstar Bela Lugosi auf. Der Mann, der einst Dracula verkörpert hat, war zu diesem Zeitpunkt schon am Ende seiner Kräfte. Pleite und drogenabhängig war „Bride of the Monster“ seine letzte Hauptrolle. Immerhin konnte er auf langjährige Schauspielerfahrung zugreifen – ein Asset, das ihn von allen anderen seiner „Schauspiel“-Kolleginnen und Kollegen im Film unterscheidet. Besonders lustig: Der ehemalige Wrester Tor Johnson als Monstergehilfe Lobo, dessen größtes Talent darin besteht, planlos im Set herumzustehen, bis ihn für alle merkbar eine Regieanweisung erreicht, woraufhin er beginnt, mit ausgestreckten Armen, aufgerissenen Augen und lautem Knurren durch die Kulisse zu schlurfen. Auch sehr schön: Der Gummikraken, mit dem etliche Figuren in diesem Film zu ringen haben – was weniger Schrecken erzeugt als vielmehr die Lachmuskeln trainiert. Die Story selbst? Ähm … diese einigermaßen kohärent wiederzugeben fällt mir sehr schwer. Aber die Story ist im Grunde auch wurscht. Insgesamt ist „Bride of the Monster“ ein irrsinnig schlechter Film, aber handwerklich noch einen Tick besser umgesetzt als Ed Woods „Meisterwerk“ Plan 9 from Outer Space, „Plan 9 from Outer Space“ holt das in der finalen Kürbis-Bewertung aber wieder auf, da der Film so verhunzt ist, dass es Sympathiepunkte für den höheren Unterhaltungsfaktor gibt, während „Bride of the Monster“ einfach nur ein schlechter Film ist.


3,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Crimson Peak (2015)

Regie: Guillermo del Toro
Original-Titel: Crimson Peak
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Horror, Fantasy
IMDB-Link: Crimson Peak


Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess’res findet. Die fantasiebegabte junge Schriftstellerin Edith Cushing (Mia Wasikowska) hätte das lieber mal beherzigen sollen. Denn sonst hätte sie sich vielleicht nicht Hals über Kopf in den schottischen Adeligen und Pleitegeier Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) verguckt. Na ja, verguckt vielleicht schon, aber dann gleich beim ersten Heiratsantrag schwach werden und ihm in ein baufälliges Haus in die Einöde folgen, das zumindest hätte sie sich ersparen können. Denn in diesem Haus gehen die Probleme erst so richtig an. Auch fällt die stete Gegenwart von Thomas‘ Schwester Lucille (Jessica Chastain) eher unter Erschwerniszulage, aber so ist es halt: Die Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, auch nicht, wenn sie angeheiratet ist. Also mal lieber schnell auf Mami hören, die zwar schon seit einiger Zeit tot ist, aber trotzdem noch viel zu sagen hat, und auf der Hut sein! „Crimson Peak“ trägt ganz klar die Handschrift von Guillermo del Toro, der ein Faible hat für das Übernatürliche und Monströse, verbunden mit großen Emotionen. Mit The Shape of Water hat er es damit sogar bis zu Oscar-Würden gebracht. „Crimson Peak“ stelle ich etwa auf eine Stufe mit seinem vielbejubelten Oscarfilm – was jetzt nicht heißt, dass ich „Crimson Peak“ als absolutes Meisterwerk erachte, dann dafür halte ich „The Shape of Water“ auch nicht. Beide Filme bieten aber sehr gute, spannende und atmosphärisch dichte Unterhaltung, wie sie typisch ist für del Toro-Filme. „Crimson Peak“ ist da eindeutig auf der düsteren Seite, insgesamt erwachsener und verhält sich zu „The Shape of Water“ ein wenig wie Tom Hiddleston zu Charlie Hunnam, der in „Crimson Peak“ den etwas naiven, unbedarften zweiten Love Interest geben darf. Wen von den beiden Schauspielern und Filmen man nun ansprechender findet, das sei jedem selbst überlassen, aber ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Kerry Hayes – © Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Gremlins – Kleine Monster (1984)

Regie: Joe Dante
Original-Titel: Gremlins
Erscheinungsjahr: 1984
Genre: Komödie, Horror, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Gremlins


Ich denke, diese goldenen Regeln sind allseits: „Setze sie niemals dem Licht aus! Bringe sie nie mit Wasser in Berührung! Und vor allem – die wichtigste Regel: Füttere sie nie nach Mitternacht“. Die Rede ist natürlich von meiner Katze Clarisse. Zufälligerweise passen diese drei Regeln auch sehr gut auf die putzigen Mogwais, die bei Nichtbeachtung zu weniger putzigen Gremlins mutieren. Das muss auch bald Billy (Zach Galligan) erfahren. Der hat von seinem Vater den kleinen Gizmo geschenkt bekommen, aber weil man halt verantwortungsvolle Aufgaben auch verantwortungsvollen Leuten übertragen sollte, ploppen nur wenige Tage nach dem Bonding zwischen Gizmo und Billy garstige Gremlins aus dem wuscheligen Kerlchen hervor, die fortan danach streben, möglichst viel Chaos zu verbreiten und die Kleinstadt, in der Billy lebt, in Schutt und Asche zu legen. Die Art und Weise, wie sie an diese große Aufgabe herangehen, ist auch heute noch wahnsinnig komisch. Klar, der Film ist veraltet, die Special Effects rufen bei allen Filmfans, die im neuen Jahrtausend geboren wurde, bestenfalls ein Stirnrunzeln hervor, und der beste Schauspieler der ganzen Truppe ist Hund Mushroom, aber dennoch versprüht „Gremlins – Kleine Monster“ von Joe Dante auch heute noch unglaublich viel Charme und unterhält bestens. Als Zuseher hat man mindestens genauso viel Spaß wie die Gremlins bei ihrer Tour der Verwüstung. Fast ist es schade, wenn diese am Ende ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Others (2001)

Regie: Alejandro Amenábar
Original-Titel: The Others
Erscheinungsjahr: 2001
Genre: Horror, Thriller
IMDB-Link: The Others


Im vergnüglichen Tierfilm „The Otters“ folgen wir einer herzigen Otter-Familie (Mutter und zwei Jungtiere), die in ihrem neuem Revier auf die Ankunft des Otter-Papas wartet. Die beiden Jungtiere haben aber eine tragische Erkrankung: Sie dürfen auf keinen Fall an Land gehen, sondern müssen immer im Wasser bleiben. Doch etwas Seltsames passiert: undefinierbare Geräusche halten die Familie wach, zerbrochenes Holz wird angeschwemmt – ist da am Ende gar ein Biber in ihr Revier eingedrungen? Doch halt! Falscher Film! Oder doch nicht? Ich wollte ja über Alejandro Amenábars „The Others“ schreiben. Blöder Tippfehler. Aber so weit vom Inhalt des Gruselthrillers sind wir gar nicht entfernt. Nicole Kidman sieht besser als aus der durchschnittliche Otter, aber ob Homo Sapiens oder Tribus Lutrini – niemand mag, wenn da etwas im eigenen Revier vor sich geht, was man nicht versteht und als Bedrohung wahrnehmen muss. „The Others“ ist ein Horrorfilm für Menschen mit schwachen Nerven. Die Spannung wird zwar ständig hochgehalten, aber es wird mehr Wert auf Atmosphäre denn auf Schockeffekte gesetzt. Der Schock kommt am Ende, aber in einem großartigen Plot-Twist, der so gut ist, dass man diesen Film unbedingt sehen sollte, ohne den Inhalt zu kennen. Gut, wer dem Film aufmerksam folgt, kann schon früh erahnen, wohin die Reise geht, aber dennoch gilt die Auflösung von „The Others“ zurecht als cineastisches Highlight. So mag ich Horror – subtil, hintergründig und intelligent umgesetzt.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2011 – Sony Pictures Classics, Quelle http://www.imdb.com)

Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (2007)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Musical, Horror
IMDB-Link: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street


Gleich mal die Warnung vorweg: Ja, sie singen! Sowohl Johnny Depp als auch Helena Bonham Carter. Und das klingt gar nicht mal so übel, auch wenn sie natürlich auf dem zweiten Bildungsweg keine Opernhäuser füllen werden. Aber dafür können beide ganz ausgezeichnet schauspielern, und das ist ein Asset, das Tim Burton sehr zu schätzen weiß – ist doch ein Tim Burton-Film ohne Johnny Depp und/oder Helena Bonham Carter kaum vorstellbar. „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ ist so sehr Tim Burton, wie Tim Burton Tim Burton sein kann, und weist gleichzeitig eine pure Dosis Johnny Depp auf, wie nur Johnny Depp Johnny Depp sein kann, ergänzt durch eine Helena Bonham Carter, die so sehr Helena Bonham Carter ist, dass sie selbst beim Anblick dieses Films vor Neid erblassen würde. Apropos Blässe: Diese haben alsbald die Kundschaft des rachsüchtigen Barbiers, allerdings handelt es sich dabei weniger um die noble Blässe der Aristokratie, sondern schlicht und ergreifend um Blutarmut. Im Kern ist „Sweeney Todd“ eine Liebes-Rache-Geschichte im viktorianischen Setting. Aber Tim Burton wäre nicht Tim Burton, zelebrierte er nicht die Grauslichkeiten mit einer Hingabe, die jede gute Halloween-Party in ein Tollhaus verwandeln würde. Dass in dem Film viel gesungen wird, daran muss man sich halt gewöhnen. Aber auch darin unterscheidet sich „Sweeney Todd“ kaum von den besagten Halloween-Feiern. Wer’s mag, wird hier exzellent bedient.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Planet Terror (2007)

Regie: Robert Rodriguez
Original-Titel: Grindhouse: Planet Terror
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror, Satire, Action
IMDB-Link: Grindhouse: Planet Terror


Wenn sich zwei hochbegabte Freunde zusammentun, um gemeinsam ein Werk zu erschaffen, kann das Resultat richtig episch werden. Im Fall von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez kamen dabei zwei Filme im Stil der alten Grindhouse-Double Features heraus, also zwei Filme im Stile von 70er-Jahre-Trashfilmen, die in billigen Absteige-Kinos im Doppelpack gezeigt wurden. Robert Rodriguez hat das Konzept für sein „Planet Terror“ mal gleich bis ins kleinste Detail übernommen – sein Film wirkt tatsächlich so, als hätte man in irgendeiner staubigen Garage noch ein paar alte Filmrollen gefunden und die mehr schlecht als recht zusammengestückelt. Allein dieses Konzept macht den Film schon sehenswert. Dazu kommt ein gut aufgelegter Cast (u.a. Josh Brolin, Rose McGowan, Michael Biehn, Marley Shelton, Bruce Willis, Michael Parks, Freddy Rodriguez und Quentin Tarantino himself), die mit sichtlich Freude Blut, Eiter und sonstige Körperflüssigkeiten verlieren oder dafür sorgen, dass ihre Gegenüber diese Flüssigkeiten verlieren. „Planet Terror“ ist ein grindiger Film auf allen Ebenen, aber gerade dadurch, dass er so komplett over the top ist, eine sehr spaßige Angelegenheit und gerade das Richtige für eine Filmparty mit Freunden, die allerdings allesamt über einen Saumagen verfügen sollten. Die Geschichte selbst? Zombies halt. Was wurscht ist, es hätten auch Marsianer sein können oder Werwölfe – Hauptsache, die Gedärme spritzen. Und damit ist meine Rezension gleichermaßen Empfehlung wie Warnung. Viel Spaß mit dem Ding!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Conjuring – Die Heimsuchung (2013)

Regie: James Wan
Original-Titel: The Conjuring
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Horror
IMDB-Link: The Conjuring


Um mich zur Sichtung eines Horrorfilms zu überreden, braucht man gute Argumente. Oder Halloween. Meine Freundin hatte das Datum auf ihrer Seite, und so kam ich zu „The Conjuring“ wie die Jungfrau zum Dämonenbaby. Einen Monat später habe ich das Gesehene so weit verdaut, dass ich darüber schreiben kann. Auch die Rechnungen für die Psychotherapie sind mittlerweile bezahlt. Nur meine Freundin regt sich über unseren Stromverbrauch auf, seit ich in der Nacht alle Lichter brennen lasse und jeden Abend Bubblegumfish von den Harvest Moon Brothers zum Einschlafen brauche. Aber was soll man machen? Alles besser als ein Herzinfarkt. Den erleiden Vera Farmiga und Patrick Wilson als Experten für übernatürliche Phänomene fast im Haus der Familie Perron (Lily Taylor und Ron Livingston plus die obligatorischen Kids). Denn irgendwas Böses passiert hier. Die Familie Perron scheint nicht erwünscht zu sein, doch anstatt einfach freundlich zu bitten und an die menschliche Vernunft zu appellieren, zieht die Präsenz des Hauses gleich mal harte Bandagen auf. Gemein ist ja, dass das Böse immer mit fiesen Tricks spielt, während sich die menschlichen Gegner in der Regel auf Fairplay beschränken. Klar, dass das nicht sonderlich gut ausgeht. Aber irgendwie packt die Figuren in diesen Filmen ja auch immer dieser unnötige Ehrgeiz, den angefangenen Kampf auch zu Ende zu bringen anstatt sich einfach ins nächste Flugzeug zu setzen und so weit wie möglich wegzufliegen. Das hätte jedenfalls ich gemacht. Und wenn die Familie Perron das auch so gehalten hätte, wäre ich jetzt nicht Kunde des Jahres des örtlichen Energieversorgers. Fazit: Auch wenn „The Conjuring“ objektiv der deutlich bessere Film ist – was James Wan betrifft, bleibe ich doch lieber bei Aquaman.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Michael Tackett – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

REC (2007)

Regie: Jaume Balagueró und Paco Plaza
Original-Titel: REC
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror
IMDB-Link: REC


Was Spanier alles gut können: Rotwein machen. Siesta halten. Fußball spielen. Und Basketball. Kirchen bauen (auch wenn sie manchmal die geplante Bauzeit arg überschreiten.) Die Kunstwelt mit dadaistischen und kubistischen Werken verblüffen. Und meinen Puls auf die Flügelschlaggeschwindigkeit von Kolibris hochjagen. Das Konzept von „REC“ ist so watscheneinfach wie wirkungsvoll: Wir folgen einer karrieregeilen Moderatorenschnepfe und ihrem debilen Kameramann, wie sie für das Nachtfernsehen eine Reportage über eine Feuerwehreinheit in Barcelona drehen. Welch Glück für die beiden: Schon bald kommt ein Notruf rein, und die Einheit rückt aus, Schnepfe und Dumpfbacke im Gepäck. In einem Wohnhaus sollen laute Schreie aus der Wohnung einer alten Dame gekommen sein. Die Mitbewohner sind angesichts der nächtlichen Ruhestörung erst mal angepisst und versammeln sich im Stiegenhaus. In dieser Hinsicht ist der Film herrlich Wienerisch – ein halbes Dutzend genervter Leute steht zusammen und regt sich fürchterlich auf, aber niemand weiß was und niemand unternimmt was. Also müssen Feuerwehr und die ebenfalls eingetroffene Polizeieinheit die Wohnung aufbrechen und nachsehen, was da los ist. Und alle Beteiligten – inklusive mir als bekanntem Hosenschisser – wünschen sich bald, sie hätten das nicht getan. „REC“ reiht sich in die Tradition kostengünstig gedrehter „Homemade“-Horrorfilme a la Blair Witch Project oder „Paranormal Activity“ ein. Man braucht dabei nicht viel – eine wackelige Handkamera und eine gute Idee genügen. Diesem Prinzip folgt der Film von Jaume Balagueró und Paco Plaza bis in die letzte Konsequenz, was den Horror vor allem gegen Ende hin umso tiefer unter die Haut gehen lässt. Das Setting ist natürlich fies: Alles spielt sich in einem unscheinbaren Wohnhaus in unscheinbaren Wohnungen ab. Der Grusel ist also nur eine Tür weiter, da muss man gar nicht groß die Fantasie bemühen. Dennoch: Wenn man das Spiel erst mal durchschaut hat, kann man sich auch einigermaßen entspannt darauf einlassen, denn die Story an sich, die sich entfaltet, ist dann wieder recht klassischer Horror und damit recht vorhersehbar.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2007 Castelao Productions, Quelle http://www.imdb.com)

The Intruder (2020)

Regie: Natalia Meta
Original-Titel: El prófugo
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Thriller, Horror
IMDB-Link: El prófugo


Argentinier machen schon interessante Filme, wie ich auf diversen Festivals mittlerweile feststellen durfte. Filme, die sich einer klaren Genre-Definition entziehen und gerne schwarzen Humor mit Psychothriller- oder Horror-Sujets vereinen. „El prófugo“ von Natalia Meta reiht sich hier wunderbar ein. Die Synchronsprecherin und Chorsängerin Inés (Érica Rivas) macht eine dramatische Erfahrung und scheint in sich seltsame Geräusche zu tragen, die sich recht störend auswirken auf ihre Arbeit. Die überspannte Mutter, die kurzerhand bei ihr in der Wohnung einzieht, trägt nicht wirklich viel Positives zur Situation bei. Einzig ihre neue Bekanntschaft Alberto, der die Orgel im Konzertsaal stimmt, scheint ihr etwas Halt zu geben. Doch schon bald verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Und was ist die wahre Bedrohung für Inés? Natalia Meta vermeidet es fast schon zwanghaft, Antworten zu geben oder zumindest anzudeuten. Bis zur letzten Einstellung bleibt die Haupthandlung im Unklaren. Das reduziert aber nicht das Vergnügen der Sichtung. Geschickt hält die Regisseurin in ihrem zweiten Langfilm die Zuseher bei Laune, indem sie humorvolle Einlagen mit Momenten diffuser Bedrohung abwechselt. Am Ende ist man vielleicht keinen Deut schlauer, aber wurde zumindest eineinhalb Stunden lang gut unterhalten. Und das ist doch schon mal was. Ein durchaus sehenswerter erster Viennale-Film, der noch Luft nach oben lässt, mich aber schon mal gut in Festival-Stimmung gebracht hat. So kann’s weitergehen.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)