Komödie

Stichtag (2010)

Regie: Todd Phillips
Original-Titel: Due Date
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Komödie, Roadmovie
IMDB-Link: Due Date


Der Mann: Ein erfolgreicher Architekt in Atlanta. Die Frau: Hochschwanger, nur wenige Tage vor der Geburt, in Los Angeles. Das Problem: Der völlig verpeilte Möchtegern-Schauspieler Ethan Trembley, der nicht nur dafür sorgt, dass der arrogante Architekt von allen Airlines Flugverbot bekommt, sondern diesen im Zuge der Zwangs-Fahrgemeinschaft, die die beiden fortan bilden, an den Rande des Wahnsinns bringt. Das ist dann auch schon der ganze Film. Es geht darum, dass sich Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis Nettigkeiten an den Kopf werfen und in möglichst absurde Situationen geraten. So ein Buddy-Movie wieder Willen kann ja sehr amüsant sein, wenn sich anfangs komplett konträre Charaktere im Verlauf des Films zusammenraufen müssen, doch sollte in einem solchen Fall die Chemie zwischen den Darstellern stimmen und beide Charaktere verständliche Motivationen für ihre Handlungen und Handlungsweisen mitbringen. Die vielfältigen Probleme von „Stichtag“ sind, dass beide Charaktere hochgradig unsympathisch sind (da hilft nicht einmal das Charisma von Robert Downey Jr.), es keinerlei Chemie zwischen den beiden gibt, die erkennen lässt, warum sich die beiden am Ende der Reise nicht noch einmal kräftig anschreien und dann für immer getrennt ihrer Wege gehen (sorry für den hier enthaltenen Spoiler, der aber kaum jemanden, der mit diesem Genre vertraut ist, sonderlich überraschen wird), und die Figur von Zach Galifianakis komplett over the top dämlich agiert. Ja, es gibt skurrile Personen, doch die sollten dennoch eine Herkunft unter der Spezies der Menschen erkennen lassen. Zach Galifianakis‘ Figur kann man im besten Fall als „abgespaced“ beschreiben. Abgesehen von einigen vereinzelten, wirklich lustigen Szenen, die aber komplett für sich stehen, funktioniert somit der Film überhaupt nicht.


4,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Melinda Sue Gordon – © 2010 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Amsterdam (2022)

Regie: David O. Russell
Original-Titel: Amsterdam
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Krimi, Drama, Komödie
IMDB-Link: Amsterdam


David O. Russell macht es mir nicht einfach. Für mich ist der renommierte Regisseur ein Überraschungsei. Oder, um es mit Forrest Gump zu sagen, eine Schachtel Pralinen. „Three Kings“ gehört zu den wenigen Filmen, die ich abgebrochen habe. Dann kam „The Fighter“, den ich richtig gut fand. Über „Silver Linings“ habe ich mich wieder geärgert. Zwar ein guter Film, aber hey, verdammt noch mal, der Oscar für die beste weibliche Hauptrolle gehörte Emmanuelle Riva für „Amour“. (Sorry, JLaw. Ich mag dich ja trotzdem, solange du keine russischen Spioninnen spielst.) Über „American Hustle“ konnte man sich hingegen gar nicht ärgern. Ein grandioser Film. Und dann „Joy“, wieder Jennifer Lawrence, diesmal aber in einem richtig miesen Film. Was ist nun „Amsterdam“ – Top oder Flop? Geht man nach den meisten Kritiken, hat hier David O. Russell eine veritable Bruchlandung hingelegt. Und ja, ich verstehe, wie man dazu kommt, den Film nicht zu mögen. „Amsterdam“ springt in der Tonalität recht erratisch umher, versucht, Komödie, Drama, Krimi und Thriller zu vereinen, um am Ende relativ unspektakulär auszulaufen. Und doch hat der Film etwas, das über die (erneut) überragende Darstellung von Christian Bale hinausgeht: Der Film will so erratisch sein. In einer chaotischen Zwischenkriegszeit (der letzte Krieg hat noch sichtbare Narben hinterlassen, der kommende ist zwar noch nicht greifbar, aber es brodelt sich etwas zusammen in der Weltpolitik) läuft eben nicht alles in einem klaren Bogen ab. Da gibt es Raum für Leid genauso wie für Hoffnung. „Amsterdam“ ist auch mehr an der Geschichte dreier durch das Schicksal verbundenen Freunde (Bale, Margot Robbie und John David Washington) interessiert als an der Krimi-Handlung, die die drei nach vielen Jahren wieder zusammenführt. Es geht mehr um die Frage, wie eng Freundschaften sein können, die aus gemeinsamem Schmerz geboren wurden. Und das ist vielleicht der hoffnungsvollste Aspekt des Films: Auch wenn die Welt durchzudrehen scheint, solange man sich auf seine Freunde verlassen kann, gibt es immer einen Grund, jeden Tag aufzustehen und weiterzumachen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy of 20th Century Studios/Courtesy of 20th Century Studio – © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved, Quelle http://www.imdb.com)

Codename U.N.C.L.E. (2015)

Regie: Guy Ritchie
Original-Titel: The Man from U.N.C.L.E.
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: The Man from U.N.C.L.E.


Guy Ritchie hat eine Nische für sich gefunden: Er dreht Guy Ritchie-Filme. Was ich damit sagen will: Der britische Regisseur pflegt einen derart einzigartigen Stil, dass er nicht Gefahr läuft, irgendwann einmal durch halbgare Copycats vom Thron der lakonischen schwarzhumorigen Thriller gestoßen zu werden, die allesamt im Zwielicht zwischen Legalität und Illegalität (immer ein wenig mehr in Richtung zweiteres geneigt) spielen. Im Grunde dreht er fast immer den gleichen Film, und nur selten wagt er sich in andere Genres vor wie beispielsweise in Aladdin. Sein Metier bleiben eben die Agenten- und Ganoven-Thriller. Harte Kerle mit perfekten Manieren, die selbst während gewagten Stunts immer noch einen lockeren Spruch auf den Lippen haben. Kommt euch bekannt vor? Klar, James Bond tickt genauso. Kein Wunder, dass Henry Cavill, der in „Codename U.N.C.L.E.“ neben Armie Hammer die Hauptrolle geben darf, immer wieder als nächster James Bond-Kandidat in den Ring geworfen wird. Aber James Bond ist zwar ein sarkastischer Bastard mit Manieren, gerät aber nie in derart schräge Bredouillen wie die Helden aus Ritchies Filmen. In diesem Fall müssen sich am Höhepunkt des Kalten Krieges ein amerikanischer und ein russischer Geheimagent zusammentun, um einem finsteren Weltuntergangsszenario Einhalt zu gebieten. Nun ja, raffiniert ist der Plot nicht. Aber die sich zart entwickelnde Bromance zwischen Cavill und Hammer macht vieles wett – sogar das überraschend hölzerne Spiel von Alicia Vikander, die es eigentlich besser kann, in diesem Film aber schnell in Vergessenheit gerät. „Codename U.N.C.L.E.“ gehört nicht zu Ritchies stärksten Filmen, ist aber ein typischer Ritchie. Wer dessen sehr eigenwilligen Stil mag, wird hier gut bedient.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Daniel Smith – © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Weißes Rauschen (2022)

Regie: Noah Baumbach
Original-Titel: White Noise
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: White Noise


Noah Baumbach hat eine sehr eigene, durchaus lakonische Sicht auf die Dinge. Unter seiner Regie sind einige bemerkenswerte Filme wie Marriage Story oder „Frances Ha“ entstanden, letzterer mit seiner nunmehrigen Lebensgefährtin Greta Gerwig in der Hauptrolle, die wiederum ihrerseits sehr umtriebig ist (auf ihre Barbie-Verfilmung mit Margot Robbie und Ryan Gosling in den Hauptrollen freue ich mich schon besonders). Das neueste Werk, „Weißes Rauschen“, ist mit Sicherheit Baumbachs ambitioniertestes. Die Millionen, die Netflix in den Film gepumpt hat, werden in einen überragenden Cast (Adam Driver, Don Cheadle, natürlich Greta Gerwig und in einer Nebenrolle am Schluss Lars Eidinger) und überzeugende Spezialeffekte investiert, und doch bleibt der Film zuallererst ein typischer Baumbach-Film. Es passiert nicht viel, Menschen reden aneinander vorbei und treffen sich in Supermärkten. Für die literarische Vorlage hat Don DeLillo gesorgt, doch ist „Weißes Rauschen“ mehr Baumbach als DeLillo. Adam Driver spielt ein kurioses Mash-Up aus Woody Allen und Jeff Goldblum (die Dialogzeilen und die verhuschten Blicke scheinen von Woody Allen zu stammen, der körperliche Stoizismus, der die Dialoge begleitet, von Jeff Goldblum), und Greta Gerwig ist mit 80er-Jahre-Locken kaum wiederzuerkennen. Als Oberhäupter einer Patchwork-Familie müssen sie sich mit den Folgen eines Chemie-Unfalls auseinandersetzen, der das Familienleben auf eine harte Belastungsprobe stellt. Die scheinbare Nahtod-Erfahrung legt Risse frei, die sich unterhalb der Oberfläche durch die Familie ziehen. Das alles wird aber dermaßen nüchtern und beiläufig erzählt, dass es schwer ist, eine Bindung zu den Figuren aufzubauen. Schlimmer noch: Abgesehen von ein paar wirklich gelungenen Szenen plätschert der Film dermaßen ereignisarm vor sich hin, dass man Gefahr läuft, auf dem Sofa friedlich einzubüseln. „Weißes Rauschen“ macht es dem Zuseher nicht leicht. Wenn der Abspann mit einer witzigen Tanzeinlage der gefühlte Höhepunkt des ganzen Films ist, dann läuft in den zwei Stunden davor etwas grundlegend falsch. Es gibt zugänglichere Baumbach-Filme.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von WILSON WEBB/NETFLIX © 2022/WILSON WEBB / NETFLIX ©2022 – © 2022 NETFLIX, Quelle http://www.imdb.com)

Clueless – Was sonst! (1995)

Regie: Amy Heckerling
Original-Titel: Clueless
Erscheinungsjahr: 1995
Genre: Komödie, Satire, Liebesfilm
IMDB-Link: Clueless


Es gibt Filme, die zünden nicht beim ersten Ansehen, sondern es braucht ein paar Durchläufe. Fand ich „Clueless“ als Teenager noch mäßig unterhaltsam, kann ich diese Perle erst jetzt im zarten Alter von 40 Jahren so richtig schätzen. Aber gut, als Teenager ist man sowieso erst mal anti, egal, worum es geht. Außer man ist so reich und gut behütet wie Cher (Alicia Silverstone), dann ist man auch cool ohne aufmüpfige Attitüde. Das Geldbörserl richtet es. Und so kann die liebe Cher den ganzen Tag lang mit ihrer besten Freundin Dionne shoppen oder den Neuzugang der Schule (die viel zu früh verstorbene Brittany Murphy) in die wichtigen Belange des Lebens einführen, nämlich die Frage, welches Shirt man mit welchem Rock kombiniert. Doch etwas nagt schon an der beliebten Cher: Während ihre Freundinnen schon in den Genuss sexueller Ekstase gekommen sind, ist sie selbst noch Jungfrau, Die Versuche, dies zu ändern, erweisen sich zunächst als wenig erfolgreich. Und auch ihr Irgendwie-Stiefbruder Josh (Paul Rudd, dieser Vampir, der im Jahr 2022 genauso aussieht wie 1995), der Sohn einer Frau, mit der Chers Vater kurz mal verheiratet war, trägt zu den dunklen Wolken an ihrem Himmel bei, weiß der smarte Weltverbesserer ihre tief liegenden Probleme nicht richtig zu würdigen. Auf den ersten Blick ist „Clueless – Was sonst!“ von Amy Heckerling eine überdrehte Teenager-Komödie über eine verzogene Göre. Tatsächlich ist der Film aber so viel mehr. Er ist saukomisch, temporeich erzählt und hat trotz aller Oberflächlichkeit sein Herz am rechten Fleck. Am Ende zählen halt nur die echten Gefühle, und die siegen immer über den Kommerz. Halleluja! Und jetzt mach‘ ich ’n Schuh.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1995 Paramount HE. All rights reserved, Quelle http://www.imdb.com)

Glass Onion: A Knives Out Mystery (2022)

Regie: Rian Johnson
Original-Titel: Glass Onion: A Knives Out Mystery
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Krimi, Komödie
IMDB-Link: Glass Onion: A Knives Out Mystery


Sein Name ist Blanc. Benoit Blanc. Daniel Craig hat nach der Abgabe des 007-Staffelstabes eine neue Rolle gefunden, die sich wunderbar auf viele Jahre ausdehnen lässt. Ähnlich wie Kenneth Branagh, der kurzerhand seinen Schnurrbart hochgezwirbelt hat, um in Neuauflagen berühmter Agatha Christie-Krimis als Hercule Poirot auf launige Verbrecherjagd zu gehen. Daniel Craigs Figur des smarten Südstaaten-Detektives hat zwar (noch) keine dermaßen langlebige popkulturelle Vorgeschichte wie sein belgisches Pendant Poirot, doch ist Benoit Blanc ganz in der Tradition smarter Gentleman- und Lady-Ermittler geschrieben. Rian Johnson, Autor und Regisseur der nunmehr zwei Knives Out-Filme, lehnt sich stark an seine legendären Vorbilder an. Der erste Knives Out-Film war ein großes Vergnügen, nicht zuletzt dank eines grandiosen Casts, der sichtlich Freude an dem familiären Verwirrspiel hatte. Das zweite mordslustige Abenteuer rückt Benoit Blanc mehr in den Fokus. Zwar hat er wieder eine Reihe prominenter Verdächtiger an seiner Seite (Edward Norton, Kate Hudson, Dave Bautista, Janelle Monáe, Leslie Odom Jr. und Kathryn Hahn), doch wirken diese Figuren weniger facettenreich als der Kreis der Tatverdächtigen im ersten, dichten Landhaus-Krimi. Dafür darf Daniel Craig eben groß aufspielen, was ihm prompt eine Golden Globe-Nominierung eingebracht hat. Die Kritiken überschlagen sich aktuell mit Lob für das stimmungsvolle Whodunit in exotischem Setting mit (erneut) sozialkritischer Komponente, doch mich persönlich hat dieses Versteckspiel weniger mitgerissen als der erste Film. Dieser war raffinierter, hintergründiger und dichter. Mit dem Versuch, in allen Belangen noch mal eine Schippe draufzulegen, hat sich Johnson keinen Gefallen getan. Immerhin ist der Film schön anzusehen und immer noch unterhaltsam. Doch die Qualität seines Vorgängers erreicht er nicht.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Guardians of the Galaxy Holiday Special (2022)

Regie: James Gunn
Original-Titel: The Guardians of the Galaxy Holiday Special
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Kurzfilm, Komödie, Science Fiction, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: The Guardians of the Galaxy Holiday Special


Kennt jemand von euch „Das Fest des Huhnes“? In dieser absurden Mockumentary aus dem Jahr 1992 erforscht ein afrikanischer Stamm das ungewöhnliche Verhalten oberösterreichischer Eingeborener. Und so wie sich diese Wissenschaftler aus fernen Ländern keinen Reim auf unser Brauchtum machen können, geht es den Außerirdischen, die sich dem Erdling Star-Lord (Chris Pratt) angeschlossen haben. Vom Weihnachtsfest auf der Erde haben sie schon gehört, doch man kann nicht sagen, dass sie es so richtig durchdringen. Doch im Kern haben sie mitgenommen, dass es darum geht, seinen Liebsten Geschenke zu machen. Und weil Star-Lord down ist, nachdem seine geliebte Gamora das epische Avengers-Finale nicht überlebt hat, beschließen Mantis und Drax (Pom Klementieff und David Bautista), Star-Lord ein Weihnachtsgeschenk zu machen. Der schwärmt ja immer von Kevin Bacon, Held seiner Kindheit. Was liegt also näher, als den verdutzten Schauspieler als Geschenk zu verpacken und in ferne Galaxien zu entführen? Wenn sich die beiden Geistesgrößen Mantis und Drax auf den Weg zur Erde machen, um nach Kevin Bacon zu suchen, hat das schon eine gewisse Komik. Der Blick ähnelt jenem aus dem „Fest des Huhnes“: Mit entzückender Naivität werden seltsame irdische Bräuche kommentiert, und Drax stellt fest, dass er nichts dringlicher braucht als einen aufblasbaren Elfen. Doch auch wenn die Laufzeit mit 45 Minuten recht ökonomisch ist und die Zeit schnell vergeht, so trägt die Idee keinen ganzen Film. „The Guardians of the Galaxy Holiday Special“ fühlt sich an wie ein etwas zu lang geratener Treppenwitz. Und so absurd die Ausgangslage auch ist, so drängt sich doch der Gedanke auf, dass man daraus mehr hätte herausholen können. Das Vergnügen wirkt doch recht schaumgebremst. So ist der Film nichts, was der geneigte Marvel-Fan unbedingt gebraucht hätte, und nichts, was jemals in den Verdacht gerät, in die Liste der Weihnachtsklassiker aufgenommen zu werden, die man sich jedes Jahr in der Adventzeit einmal geben muss.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Office Christmas Party (2016)

Regie: Josh Gordon und Will Speck
Original-Titel: Office Christmas Party
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Office Christmas Party


Mit Firmenweihnachtsfeiern ist es ja so eine Sache. Der Sollzustand, der so gut wie nie erreicht wird, ist, dass man mit den Kolleg:innen eine nette, ungezwungene Zeit auf Firmenkosten außerhalb der Arbeitszeit hat, das eine oder andere gute Glaserl Wein trinkt und mit dem zugeknöpften Kollegen aus dem online-Marketing aufs Du anstößt. Am nächsten Morgen kommen alle mit einem Lächeln ins Büro und tauschen Fotos aus. Wenn dieser Sollzustand den Mittelpunkt einer Waage darstellt, schlägt der Istzustand meistens aber klar auf einen dieser gegensätzlichen Pole und Endpunkte der Waage aus: Variante 1 ist, dass man stundenlang bei einem stinklangweiligen Abendessen, das man sich beim besten Willen nicht interessant saufen kann, der Kollegin in der Strickweste zuhören darf, wie grandios ihre Gschrappen sind, da sie mit 14 schon allein über den Zebrastreifen gehen können. Variante 2 ist hingegen der totale Exzess, wenn beim kollektiven Besäufnis herauskommt, dass die Chefin schon seit Monaten den Praktikanten vögelt, während das minderjährige Lehrmädel sturzbetrunken auf den Christbaum kotzt. In „Office Christmas Party“ (Alternativtitel: „Dirty Office Party“) läuft es auf eine (noch exzessivere) Spielart der zweiten Variante hinaus. Um einen wichtigen Kunden zu beeindrucken, ehe Jennifer Aniston in einer biestigen Rolle den Laden dicht macht, müssen TJ Miller und Jason Bateman eine Weihnachtsfeier organisieren, die schon binnen kürzester Zeit trotz gestrenger Blicke der Personalchefin (Kate McKinnon in einer wirklich witzigen Rolle) komplett aus dem Ruder läuft. Das ist dann auch schon die gesamte Handlung des Films, der nur darauf abzielt, die Exzesse immer wahnwitziger werden zu lassen. Teils ist das auch echt lustig und unterhaltsam, doch der Schmäh nutzt sich schon bald ab, und das Ende ist dann sehr wirr. Doch wer noch nie komplett besoffen und zugedröhnt auf Koks während der Firmenweihnachtsfeier seinen Hintern kopiert hat, während einem die Sekretärin aus dem Nachbarbüro einen geblasen hat, werfe den ersten Bildschirm.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Photo Credit: Glen Wilson – © 2016 PARAMOUNT PICTURES. All Rights Reserved, Quelle http://www.imdb.com)

Das Wunder von Manhattan (1994)

Regie: Les Mayfield
Original-Titel: Miracle on 34th Street
Erscheinungsjahr: 1994
Genre: Komödie, Drama, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Miracle on 34th Street


Manche Menschen sind dazu geboren, Santa Claus zu spielen. Richard Attenborough mit seinem rundlichen Gesicht und dem eindrucksvollen weißen Bart gehört in diese illustre Runde. Im Remake des Weihnachtsklassiker „Das Wunder von Manhattan“ spielt er Kriss Kringle, der als Weihnachtsmann von einem Kaufhaus angestellt wird, um den Spielzeugabsatz vor Weihnachten zu steigern. Die recht zugeknöpfte Dorey Walker (Elizabeth Perkins), Marketingchefin des Kaufhauses, hält das für eine glanzvolle Idee, und Kriss macht seinen Job so gut, dass sie ihm sogar ihre Tochter Susan (Mara Wilson) anvertraut, damit sie nach einem romantischen Abend ihren Freund Bryan (Dylan McDermott) abblitzen lassen kann, als ihr dieser einen Heiratsantrag macht. Blöd wird es erst, als Kriss Kringle von sich selbst felsenfest behauptet, der Weihnachtsmann höchstpersönlich zu sein. Kurzerhand wird ihm der Prozess vor Gericht gemacht, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Ist der nette Herr mit dem Rauschebart tatsächlich Santa Claus oder einfach nur ein verwirrter, älterer Mann, der gerne Kinder auf seinem Schoß sitzen hat? „Das Wunder von Manhattan“ lebt vor allem von Richard Attenborough, der den zuckersüßen Kitsch durch seine charmante Präsenz glaubwürdig(er) macht, als es das Drehbuch eigentlich hergibt. Dazu hat er eine gute Chemie mit Mara Wilson, damals eine der begehrtesten Kinderschauspielerin, die auch Matilda getragen hat. Über den hintergründigen Konsumterror, der hier naiv verherrlicht wird, sei mal mit wohlwollenden Blicken hinweggesehen, das ist generell ein Problem vieler Weihnachtsfilme. Wenn man das ausblenden und sich auf die Geschichte und ihren Eskapismus einlassen kann, wird mit einer der vollkommendsten Santa Claus-Darstellungen ever belohnt, und das ist zu Weihnachten schließlich das, worauf es ankommt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Verwünscht nochmal (2022)

Regie: Adam Shankman
Original-Titel: Disenchanted
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Fantasy, Komödie, Musical
IMDB-Link: Disenchanted


Was passiert nach dem Happy End im Märchen? Nun, im Fall von Giselle und Robert (Amy Adams und Patrick Dempsey) aus Verwünscht nimmt das Leben seinen erwartbaren Verlauf: Kinder, Pubertät, der Umzug in den Vorort mitsamt beruflichem Pendeln und der Erkenntnis, dass solch große Veränderungen nicht immer nur reibungslos verlaufen. Vor allem Morgan (Gabriella Baldacchino), die grumpy Teenager-Tochter, nimmt die neue Situation, die ihr ihre Stiefmutter eingebrockt hat, nicht sonderlich gut auf. So weiß sich die desillusionierte Giselle bald nur noch mittels Magie zu helfen, doch der Zauberstab nimmt ihren Wunsch, ein Leben wie im Märchen zu führen, etwas zu wörtlich, was zu ungeahnten Komplikationen führt. Ich muss an dieser Stelle (nochmal) eine Lanze für „Verwünscht“ brechen. Das fantasievolle Abenteuer rund um eine Disney-Prinzessin, die es in das New York der Realität verschlägt, glänzt durch unerwartete Selbstironie des Mäusekonzerns, absurden Humor und eingängigen Songs. Die Fortsetzung „Verwünscht nochmal“ hat von alldem so gut wie nichts mehr. Stattdessen wird eine breiige Geschichte aufgetischt, die nicht weiß, wohin sie möchte; alles fühlt sich aufgewärmt wie ein Gulasch an, nur dass aufgewärmtes Gulasch schmackhaft ist. Die Songs sind langweilig und stören in den schlimmsten Fällen sogar den Film (Idina Menzel, ich schaue dich an!), der dadurch noch länger wird. Amy Adams ist bemüht, aber auch ihr gelingt es nicht, den Zauber des ersten Films wieder greifbar zu machen. Patrick Dempsey spielt auch nur mit, weil er sichtlich Geld brauchte – seine Figur trägt zur Story etwa gleich viel bei wie ein Kugelfisch zum Weltfrieden. Ob er dabei ist oder nicht, ist genaugenommen wurscht. Der Fokus auf die Stieftochter Morgan ist eine dadurch unausweichliche Notwendigkeit, auch wenn Gabriella Baldacchino ihre Sache gut macht. Aber nichts hilft gegen die gähnende Langeweile und die dümmliche, allzu vorhersehbare Story. Wenn man genau die wichtigsten Zutaten des ersten Films, nämlich die augenzwinkernde Selbstironie, das flotte Erzähltempo und die tollen Songs, aus dem Rezept entfernt, bleibt halt nur eine wässrige Suppe übrig, die man runterwürgt, weil man vergessen hat, einkaufen zu gehen und der Kühlschrank nicht mehr hergibt.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy of Disney/Courtesy of Disney – © 2022 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved, Quelle http://www.imdb.com)