Komödie

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2010)

Regie: Edgar Wright
Original-Titel: Scott Pilgrim vs. the World
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Komödie, Musikfilm, Liebesfilm, Fantasy
IMDB-Link: Scott Pilgrim vs. the World


Scott Pilgrim (Michael Cera) ist ein verhuschter, 22jähriger Nerd, arbeitslos, Bassist in einer Band, er datet ein High School-Girl und trauert seiner Ex nach. Dann trifft er auf die geheimnisvolle Ramona (Mary Elizabeth Winstead). Alles könnte gut sein, wäre da nicht die Liga der bösen Ex-Freunde, die Scott nach und nach besiegen muss. Anders als bei vielen Comic-Verfilmungen wirkt der Film selbst wie ein Comic. Da gibt es keine Übersetzung von einem Medium zum Anderen, keine Reduktion des übertriebenen Comic-Stils, da dieser in 90 Minuten Bewegtbildern vielleicht auf die Nerven gehen könnte – nein, Edgar Wright entscheidet sich für einen ganz anderen Ansatz: Der Film IST ein Comic. Wenn das Telefon läutet, steht fett „Rrrrring!“ auf dem Bildschirm, wenn Scott Wasser lässt, leert sich der Pinkel-Balken rechts oben, Schlägereien werden sowohl akustisch als auch schriftlich entsprechend begleitet, und alles ist bunt und knallig. Auf einen solchen Film sind, denke ich, exakt zwei Reaktionen möglich: Entweder man ist davon genervt. Oder man feiert jede einzelne Szene. Ich gehöre glücklicherweise zu der zweiten Gruppe. Für mich gehört „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ zu den aberwitzigsten, liebevoll kreativsten und eigenständigsten Filmen, die jemals gemacht wurden. Ganz gleich, wie mies meine Laune ist – ich muss nur den Film einlegen und eineinhalb Stunden später bin ich der fröhlichste Mensch der Welt. Insgesamt wurde der Film sicherlich unter Wert geschlagen, als er 2010 erschien. Und vielleicht mag er heute, zehn Jahre später, auch in dieser Hinsicht schon wieder überholt sein, da die Geeks von heute andere Dinge feiern als die Geeks, für die der Film vor zehn Jahren gedreht wurde. Aber für mich bleibt „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ein zeitloser Klassiker, der verliebten Nerds auf der ganzen Welt ein Denkmal setzt.


9,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

The Gentleman (2019)

Regie: Guy Ritchie
Original-Titel: The Gentlemen
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi, Thriller, Komödie
IMDB-Link: The Gentlemen


Guy Ritchie ist ein lässiger Typ. Für seinen „King Arthur“ mit Charlie Hunnam in der Hauptrolle wurde er zurecht abgewatscht. Zwei Filme später ist Hunnam wieder als Hauptfigur in einem Guy Ritchie-Film zu sehen, und beide – Ritchie wie Hunnam – nutzen die Chance, sich zu rehabilitieren. Ein feiner Zug von Madonnas Ex-Mann, will ich meinen. In „The Gentlemen“, bei uns ab 27. Februar zu bestaunen, besinnt sich Guy Ritchie auf seine Wurzeln. „Snatch – Schweine und Diamanten“ war ja damals eines seiner Meisterwerke, die knallharte Actionthriller mit brillanter Komik verbinden konnten. Diesen Weg schlägt er nun mit seinem neuesten Film wieder ein – zum Glück. Denn ein Ritchie in dieser Form ist tatsächlich die europäische Antwort auf Quentin Tarantino in dessen Gangster-Tropos, das er in den letzten Jahren ja auch verlassen hat. Also muss Ritchie die Fahne hochhalten, wenn es um halbseidene Ganoven geht, die sich in ungute und letztlich lebensbedrohliche Verwicklungen verstricken. Dabei möchte Marihuana-Produzent Mickey Pearson (Matthew McConaughey, mal wieder so cool wie eine Leiche im Gefrierfach) ja eigentlich nur sein Business verkaufen und sich zur Ruhe setzen, um seine Frau (Michelle Dockery) zu vögeln. Aber da die Übergaben in einem solchen Geschäftsfall ja selten notariell beglaubigt und juristisch wasserdicht erfolgen, stapeln sich schon bald die Probleme. Zwar ist rasch ein Käufer gefunden (Jeremy Strong), doch spucken ihm asiatische Gangster (Tom Wu, Henry Golding), boxende Halbstarke, die von ihrem Coach (Colin Farrell, der gnadenlos jede Szene stiehlt) in die Schranken gewiesen werden müssen, ein missgünstiger Herausgeber (Eddie Marsan) sowie ein neugieriger Privatdetektiv (Hugh Grant in einer für ihn ungewöhnlichen Rolle, die er bravourös meistert) in die Suppe. Mickeys rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) hat schon bald alle Hände voll zu tun, um den Laden am Laufen zu halten. Der Rest sind coole Action-Sequenzen, staubtrockene Dialoge, die Physik der Schwerkraft, wortwörtliche Schweinereien und jede Menge Coolness. Das ist alles brillant durchexerziert, jeder Schnitt sitzt, jede Figur hat ihre Momente, Sympathien wechseln beständig, die Story ist vielschichtig und voller Energie, aber so klug aufgebaut, dass man ihr trotzdem leicht folgen kann (was man von „Snatch“ trotz aller Qualität, die der Film hat, nicht immer behaupten kann) – kurz: „The Gentlemen“ ist in meinen Augen Guy Ritchies Meisterwerk. Unbedingt ansehen!


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Christopher Raphael, Quelle: imdb.com)

Die rechte und die linke Hand des Teufels (1970)

Regie: Enzo Barboni
Original-Titel: Lo chiamavano Trinità
Erscheinungsjahr: 1970
Genre: Western, Komödie, Action
IMDB-Link: Lo chiamavano Trinità


Seit November 2016 gibt es nun den Filmkürbis online. Das sind 39 Monate und über 700 Filmbesprechungen. Und in keinem einzigen Monat wurde einmal ein Film von Terence Hill und Bud Spencer (selig) besprochen. Mögen mir die Filmgötter gnädig sein, denn verdient habe ich die Aufnahme in den Olymp damit nicht. Denn Filme mit Terence Hill und Bud Spencer sind nichts anderes als Weltkulturerbe. Sie gehören in einem Atemzug genannt mit den Opern von Mozart, den Gemälden von Van Gogh, den Stücken von Shakespeare und den Dribblings von Messi. Ausgangspunkt für eine jahrzehntelange Karriere, die auf Betonwatschen und trockenen Sprüchen basierte, war „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ von Enzo Barboni aus dem Jahr 1970. Die knochentrockenen Italo-Western wurden erstmals gewürzt mit einer prächtigen Prise Humor und G’nackwatschen, die den Boden vibrieren lassen. Einen großen Anteil am Erfolg dieser Filme im deutschsprachigen Raum hatte auch die Synchronisation, die zum Teil Texte, die nicht im Script standen, hinzufügte, um den Humor noch zu bekräftigen. Aber was wären diese Filme ohne Bud Spencer und Terence Hill gewesen – dem mürrischen Stoiker mit den müden Augen, und der blonden Rotzpippn mit dem überbordendem Selbstbewusstsein. In „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ geben sie ein ungleiches Brüderpaar von Ganoven, die in einem Konflikt von siedelnden Mormonen mit mexikanischen Viehdieben ihre guten Seiten entdecken und den Siedlern beistehen. Dieser Beistand führt zu einigen der denkwürdigsten Prügelorgien der Filmgeschichte, bei denen man auch nach der zehnten Sichtung noch wunderschöne neue Details erkennen kann. Und wenn sich am Ende Terence Hill von seinem Pferd durch die Wüste ziehen lässt auf dem Weg zu neuen Abenteuern, weiß man wieder, warum man als Kind so gerne Cowboy gespielt hat. Denn im Wilden Westen musste man nicht auf die Hygiene achten und täglich brav duschen und Zähne putzen, nein, hier durfte man stinken, die Bösen verprügeln und Bohnen mit Speck direkt aus der Pfanne löffeln. Das ist Freiheit!


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Jojo Rabbit (2019)

Regie: Taika Waititi
Original-Titel: Jojo Rabbit
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Satire, Komödie, Drama
IMDB-Link: Jojo Rabbit


Der Preis für den größten Scheiß-drauf-Film des Jahrzehnts ist hiermit offiziell bereits vergeben. An Taika Waititis Satire „Jojo Rabbit“ kommt nichts Anderes ran. Allein die Eröffnungssequenz zeigt schon, wohin die Reise geht, wenn Aufnahmen von Naziaufmärschen und Hitler zujubelnden Menschenmengen unterlegt werden mit einer deutschsprachigen Version von „I Want to Hold Your Hand“ der Beatles. Bäm! Ein bisschen zieht’s da schon in der Magengegend, aber der subversive Witz, der da so schamlos vorgetragen wird, setzt sich dann doch über die eigenen Grenzen des guten Geschmacks hinweg, und man beginnt, hemmungslos zu kichern. Und das zieht sich dann die meiste Zeit des Films auch so durch. Warum nicht über Hitler lachen und damit das Gespenst vertreiben, das über dem vergangenen Jahrzehnt hängt und in Zeiten des Rechtspopulismus immer wieder hinter gutbürgerlichen Fassaden hervorschaut? Vielleicht mag der Film seine Geschichte der Annäherung eines fanatischen Nazi-Jungen (Roman Griffin Davis mit einer makellosen Vorstellung) an eine in seiner Wohnung versteckte Jüdin (Thomasin McKenzie, die ich seit ihrer furiosen Darstellung in Leave No Trace auf dem Zettel habe) ein bisschen gar plump erzählen und die Mittel der Satire ein wenig missbrauchen, um es sich an der einen oder anderen Stelle einfach zu machen. Vielleicht wirkt Taika Waititi als imaginärer Freund Adolf an einigen Stellen deplatziert und ist für die Story selbst im Grunde belanglos. Vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig, Stars wie Scarlett Johansson, Sam Rockwell oder Rebel Wilson (die allesamt herausragend sind in ihren Rollen, vor allem die völlig zu Recht oscarnominierte Johansson) mit einem übertriebenen deutschen Akzent sprechen zu hören. Und vielleicht werden manche Schrecken ein bisschen zu sehr verniedlicht, während andere einen aus den Schuhen kippen lassen (eine Szene im Speziellen, die so unvermutet daherkommt, dass für eine Weile kein Witz mehr zünden kann). Aber was soll’s. „Jojo Rabbit“ ist kein perfekter Film, aber er ist mit seiner Fuck-it-Attitüde eine grandiose und saukomische und gleichzeitig stellenweise tieftraurige Erfahrung, die man nicht missen sollte.


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2018 – Fox Searchlight, Quelle imdb.com)

Ich glaub‘, ich steh‘ im Wald (1982)

Regie: Amy Heckerling
Original-Titel: Fast Times at Ridgemont High
Erscheinungsjahr: 1982
Genre: Komödie
IMDB-Link: Fast Times at Ridgemont High


Zugegeben, wenn ein Film „Ich glaub‘, ich steh‘ im Wald“ heißt, vermutet man nicht erst mal besondere Qualität dahinter. Da ist der Originaltitel „Fast Times at Ridgemont High“ schon mal unverfänglicher. Dennoch ist Amy Heckerlings Teenie-Komödie aus dem Jahr 1982 einer der 1001 Filme, die man laut Steven Jay Schneider gesehen haben sollte, bevor das Leben vorbei ist. Und auch wenn man dem Film sein Alter mittlerweile überdeutlich ansieht, so hat die Aufnahme in diesen illustren Kreis durchaus ihre Berechtigung, ist Amy Hecklerings Regie-Debüt nach einem Drehbuch von Cameron Crowe (der später mit Almost Famous einen meiner Allzeit-Lieblingsfilme gedreht hat) quasi die Mutter aller Highschool-Komödie und damit die Vorlage für Filme wie „American Pie“. Es geht natürlich immer nur um das Eine: Sex. Es ist aber Crowes witzigem Drehbuch und Heckerlings einfühlsamer Regie zu verdanken, dass der Klamauk trotz des Themas nie zu Lasten der Hauptprotagonisten unter die Gürtellinie geht. Ja, die Teenies sind allesamt hormongesteuert, verantwortungslos, manchmal peinlich bis dämlich, aber sie haben ein gutes Herz, wollen nichts Böses und schaffen es auch (zum größten Teil), sich ihren Konflikten zu stellen und daran zu wachsen. In den Rollen der liebestrunkenen Halberwachsenen einige spätere Weltstars: Jennifer Jason Leigh in der Hauptrolle der Stacy. Sean Penn als verpeilter Kiffer Jeff Spicoli. Judge Reinhold als erfolgshungriger Brad. Dazu Brian Backer als Sympathieträger der Geschichte und Robert Romanus als sein Kumpel Mike. Außerdem hüpfen die blutjungen Forest Whitacker, Eric Stoltz und Nicolas Cage durch den Film – in teils so kleinen Rollen, dass man ihr Mitwirken erst mit dem Abspann bemerkt.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) 1982 Universal Studios, Quelle imdb.com)

Wet Woman in the Wind (2016)

Regie: Akihiko Shiota
Original-Titel: Kaze ni nureta onna
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Erotik, Drama, Liebesfilm, Komödie
IMDB-Link: Kaze ni nureta onna


Ganz ehrlich: Wegen solchen Filmen geht man doch auf Film-Festivals. Ich muss zugeben, bei der Ankündigung im Programmheft einer wilden Vögelei bin ich anno dazumal auf der Viennale 2016 mit der Erwartungshaltung in den Film gegangen, beim Viennale-Bingo meine wohlverdienten Kreuzchen bei den Feldern „Mehr als zwei Sexszenen“, „Brüste“ und „Penis“ setzen zu können. Bekommen habe ich „Mehr als zwei Sexszenen“, „Brüste“ und ein fettes Kreuz bei „WTF?“. Murakami im Wald meets Softporno-Parodie (inkl. der obligatorischen Jazzmusik). Ein Schriftsteller und Womanizer hat sich wegen einer nicht näher bezeichneten Frauengeschichte in eine Hütte im Wald zurückgezogen. Dort trifft er auf eine sehr ansehnliche und … ähm … seltsame, okay, nennen wir das Kind beim Namen: völlig durchgeknallte junge Frau, die ihn verführen will. Er weist sie ab, dann will er sie doch, sie weist ihn ab, dann kommt seine Exfreundin dazu samt Entourage (vier Milchbubis und eine verhuschte Sekretärin), und es endet, wie es enden muss: Alle stürzen sich aufeinander und die Ankündigung im Programmheft bewahrheitet sich (ist ja auch nicht immer so). Hunde heulen, ein größeres Tier röhrt im Wald, der Protagonist röhrt auch, das alles ist sehr witzig, aber irgendwie auch pointless. Ich habe das Gefühl, dass man statt der ganzen Vögelei auch einen sinnvolleren Film hätte drehen können. Ist halt nicht passiert. Aber Spaß macht es irgendwie trotzdem.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) Nikkatsu, Quelle imdb.com)

Knives Out – Mord ist Familiensache (2019)

Regie: Rian Johnson
Original-Titel: Knives Out
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi, Komödie
IMDB-Link: Knives Out


Auf den Papst der Filmkritiker, Roger Ebert, geht die Stanton-Walsh-Regel zurück. Diese besagt, dass kein Film, in dem M. Emmet Walsh oder Harry Dean Stanton mitwirken, völlig schlecht sein kann. Nun, Harry Dean Stanton weilt leider nicht mehr unter uns, aber Walsh, der dieses Jahr seinen 85. Geburtstag feiert, ist noch im Geschäft. Zwar muss er sich in Rian Johnsons „Knives Out“ mit einer Minirolle begnügen, aber das reicht aus, um die Gültigkeit von Eberts Regel weiterhin zu untermauern. In diesem Film hat Rian Johnson ein ganzes Star-Ensemble versammelt. Don Johnson. Christopher Plummer. Toni Colette. Jamie Lee Curtis. Chris Evans. Michael Shannon. (An dieser Stelle ein Aufruf an die Academy, der sich jedes Mal, wenn ich den Namen Shannon nenne, automatisch wiederholt: Gebt dem Mann endlich seinen Oscar, verdammt!) Diese bilden eine schrecklich nette (und reiche) Familie. Die leider das unerwartete Ableben des Familienoberhauptes (Plummer) zu betrauern hat. Da dieses Fragen aufwirft und die Suizid-Theorie schon bald ins Wanken gerät, wird Star-Ermittler Benoit Blanc (Daniel Craig als Südstaaten-Poirot für Arme – was hier ausdrücklich als Kompliment zu verstehen ist, da er diese Karikatur von Ermittler zum Schreien komisch anlegt) eingeschaltet. Und der hat schon bald alle im Verdacht – mit Ausnahme der Pflegerin des Patriarchen, die Südamerikanerin Marta (Ana de Armas, die damit endgültig ihren Durchbruch geschafft haben sollte). Diese hat nämlich eine Eigenschaft, die sie über jeden Verdacht erhebt: Wenn sie lügt, muss sie kotzen. Dies nutzt Blanc natürlich für seine Ermittlungen im Haushalt aus. Und die Geschichte, die sich dabei entfaltet, schlägt so wundervolle Kapriolen, wie sie sich Agatha Christie selbst in ihren besten Momenten kaum hätte ausdenken können. Vielleicht ist „Knives Out“ keine komplette Neuerfindung des Whodunit-Genres, aber ein witziger, unterhaltsamer und großartig gespielter Beitrag dazu, der einfach Spaß macht und dem Genre neues Leben einhaucht.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)