Krimi

Official Secrets (2019)

Regie: Gavin Hood
Original-Titel: Official Secrets
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Krimi, Biopic
IMDB-Link: Official Secrets


Spionagethriller, vor allem, wenn sie auf wahren Begebenheiten beruhen, können eine zähe Angelegenheit sein. Da werden irgendwelche Geheimdokumente, deren Inhalt ohnehin kaum jemand versteht, auf USB-Sticks gespeichert und durch die Weltgeschichte geschickt, man flüstert sich in dunklen Ecken Geheimnisse zu, aber ehrlich: Wer kapiert die schon, wenn man nicht zufälligerweise selbst für einen Geheimdienst arbeitet? Gavin Hoods „Official Secrets“ mit Keira Knightley in der Rolle der realen britischen Whistleblowerin Katherine Gun geht mit der Materie überraschend eingängig um. So komplex der Sachverhalt auch ist, er wird dem Zuseher durchaus nachvollziehbar präsentiert, ohne aber allzu sehr simplifiziert werden so müssen (so jedenfalls mein Eindruck). Unterm Strich ist es eine einfache Geschichte: Haben Großbritannien und die USA die Invasion des Irak 2003 unter Zuhilfenahme illegaler Methoden gegen UNO-Staaten durchgepeitscht, um ihre eigenen Interessen zu wahren? Das Memo, das Katherine Gun der Zeitung The Observer zuspielt, lässt ebendies jedenfalls annehmen. Natürlich möchte man in einem solchen Fall, wenn man es sich mit gleich zwei Weltmächten auf einmal verscherzt, lieber anonym bleiben, aber weil Katherine Gun halt keine Jane Bond ist, sondern nur eine einfache Geheimdienstmitarbeiterin, die noch dazu recht frisch dabei ist, fliegt sie bald auf. Natürlich sind George W. Bush und Tony Blair keine Blofelds, also wird Katherine Gun nicht an einen Stuhl gefesselt, der langsam in ein Haifischbecken abgesenkt wird, während Bush und Blair fies grinsend die letzten Details ihres perfiden Plans verraten, aber auch der Rechtsstaat findet unangenehme Druckmittel, um ein bürgerliches Leben ungemütlich zu gestalten. Da hilft dann nur Rechtsbeistand in Form von Ralph Fiennes. „Official Secrets“ ist ein angenehm gedrosselter, auf das Wesentliche reduzierter Spionagethriller mit echten Figuren und echten Problemen. Er geht nicht tief genug, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben, aber für die Dauer der Sichtung unterhält er spannend und ist handwerklich gut erzählt. Wie wir Österreicher sagen: Passt schon.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Genus Pan (2020)

Regie: Lav Diaz
Original-Titel: Lahi, Hayop
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Krimi, Drama
IMDB-Link: Lahi, Hayop


Für seine Verhältnisse hat Lav Diaz mit „Genus Pan“ (im Original: „Lahi, Hayop“) einen Kurzfilm gedreht. In flotten 157 Minuten ist man durch. Seine Filme können auch schon mal die 8-Stunden-Marke überschreiten. Bei einem achtstündigen „Lahi, Hayop“ wäre ich allerdings ausgestiegen, hat der Film ja auch jetzt schon seine Längen. Die Geschichte kann nämlich recht einfach zusammengefasst werden: Drei Minenarbeiter schlagen sich von der Insel, auf der sie arbeiten und ausgebeutet wurden, durch den Dschungel in ihr Heimatdorf durch. Einer von ihnen ist finanziell besonders gebeutelt, denn das wenige Geld, das ihm bleibt, reicht nicht aus, um die Medikamente der kranken Schwester zu bezahlen. Nach einem langen, beschwerlichen Weg kommt nur er im Dorf an. Was ist passiert? Dass er den Dorfbewohnern von seinem Geld nichts abgeben möchte, macht die Menschen noch misstrauischer. „Lahi, Hayop“ bringt unter allen Figuren das Schlechteste hervor. Man ist nicht besser als der vom Instinkt geleitete „Pan“, also Menschenaffe. Es gibt wenig Hoffnung auf Läuterung – trotz eines starken Beginns, der den beschwerlichen Weg der drei Männer minutiös nachzeichnet und die drei ungleichen Typen auch zueinanderfinden lässt. Aber was bleibt davon übrig im Angesicht der Not? „Lahi, Hayop“ ist eine finstere Reise an die dunkelsten Stellen der Herzen. Allerdings fällt der Film nach einer starken ersten Hälfte stark ab, wird mühsam und zieht sich wie ein alter Kaugummi. Erst das bittere Ende lässt den Zuseher wieder mitfiebern und rettet den Film über die letzte Kurve. Die 157 Minuten Laufzeit sind aber mehr als üppig bemessen für den Inhalt, der damit trotz der kürzeren Laufzeit deutlich mühsamer zu sehen ist als der grandiose The Woman Who Left aus dem Jahr 2016. Wie schon gesagt: Acht Stunden lang hätte ich hier nicht durchgehalten. 


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Shirley (2020)

Regie: Josephine Decker
Original-Titel: Shirley
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Krimi, Thriller
IMDB-Link: Shirley


Shirley (Elisabeth Moss) ist eine renommierte Schriftstellerin, die an einer Schreibblockade und einer Depression leidet. Ihr Ehemann Stanley (Michael Stuhlbarg), Dozent an der Uni, bringt seinen neuen Assistenten Fred (Logan Lerman) und Rose (Odessa Young) ins Haus. Rose soll Shirley im Haushalt unter die Arme greifen, dafür bekommt das junge Paar Kost und Logis. Zwischen den beiden Frauen entspinnt sich eine zarte Freundschaft, und über den realen Fall einer verschwundenen Studentin, die Shirley fiktional aufarbeitet, findet sie auch wieder zum Schreiben. Doch wie sehr greifen Realität und Fiktion ineinander, und was macht das mit den Betroffenen? „Shirley“ von Josephine Decker spielt diese Frage auf mehrere Ebenen durch. Vordergründig ist der Film eine Biographie der Horror- und Mystery-Autorin Shirley Jackson, doch werden reale Kernelemente des Biographischen ausgespart und durch Inhalte ersetzt, die eher an Jacksons fiktive Geschichten erinnern. Gleichzeitig verschmelzen Rose und die verschwundene Studentin Paula, die junge Rose wird zum Inhalt von Shirleys Geschichte. Und auch die Beziehung zwischen Shirley und Stanley wirkt oft dramatisch überhöht und inszeniert. Ein Fest für großartige Schauspieler/innen wie eben Michael Stuhlbarg und Elisabeth Moss, die zur Hochform auflaufen. Beide spielen sich damit in den Vordergrund für die großen Schauspielpreise der kommenden Monate. Und dieser Aspekt macht den Film auch wirklich sehenswert, während die Story selbst dann doch recht beliebig und ziellos bleibt. 


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Kajillionaire (2020)

Regie: Miranda July
Original-Titel: Kajillionaire
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Komödie, Krimi
IMDB-Link: Kajillionaire


Es gibt sie ja, die Menschen, die sich vom Kapitalismus nicht vereinnahmen möchten und nicht mitmachen beim Prinzip „Geld gegen Leistung“. Was, wenn man aber bei diesem Spiel nicht mitmachen möchte, aber dennoch alle Energie aufbringt bzw. aufbringen muss, um Geld zusammenzubringen, das für das Leben eben unabdingbar ist? In Miranda Julys „Kajillionaire“ geht es um eine solche Familie (Debra Winger, Richard Jenkins und Evan Rachel Wood), die nach außen hin dem bösen System trotzen, indem sie sich aufgrund kleiner Gaunereien am Geld anderer Leute bedienen. Das Familienleben selbst liegt aber im Argen. Das Misstrauen gegen die Welt ist so ausgeprägt, dass selbst interfamiliäre Zuneigungen nicht möglich erscheinen – alles nur Schein und Trug, wenn man dem Kind zum Geburtstag ein Geschenk macht, oder? Die Tochter Old Dolio (allein die Namensgebung beweist, dass manche Menschen einfach keine Eltern werden sollten) ist dementsprechend nicht mit allzu großer Sozialkompetenz ausgestattet. Als eines Tages eine Zufallsbekanntschaft (Gina Rodriguez) zu diesem seltsamen Trio stößt, bringt die eine neue Dynamik in dieses Gefüge hinein, und Old Dolio lernt, dass ihre Lebensrealität vielleicht nicht die einzig wahre ist, auch wenn ihr Vater versichert, dass sie selbst die Gesunden sind, während alle anderen Menschen nur danach streben, „Kajillionäre“ zu werden. Gemäß des alten Witzes: „Verkehrsfunk: Achtung, ein Geisterfahrer auf der A1″ – Autofahrer: Was? Einer? Das sind Hunderte!“. Miranda Julys Film wirkt an vielen Stellen etwas gar aufgesetzt und übertrieben, die von Evan Rachel Wood mit viel Fragilität gespielte Old Dolio zu naiv und unbedarft – da schießt der Film vielleicht ein bisschen am Ziel vorbei. Aber geschenkt, wenn man dennoch so gut unterhalten wird, mit Witz, aber auch viel Herz. Die Verwundungen der Seele werden nicht direkt thematisiert, sind aber stets zu spüren. So ist der Film zwar nur in Teilaspekten gut gelungen, aber das reicht aus für einen lohnenden Kinobesuch.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

The Devil All the Time (2020)

Regie: António Campos
Original-Titel: The Devil All the Time
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: The Devil All the Time


Grimmig geht’s in Donald Ray Pollocks Roman „Das Handwerk des Teufels“ zu. Menschen fügen sich gegenseitig Leid zu, religiöser Fanatismus trifft auf arme Seelen, die sich nur mit Gewalt zu helfen wissen – das alles ist im Buch eindrücklich geschildert. Glaube ich. Gelesen habe ich es, nur erinnern konnte ich mich nicht mehr daran. Meine Amnesie in litteris, wie Patrick Süskind diesen Zustand beschrieben hat, geht so weit, dass ich nicht mal mehr wusste, ob ich das Buch gelesen habe oder nicht, bis ich es im Regal der gelesenen und nicht in jenem der ungelesenen Bücher entdeckt habe. In gewisser Weise ging also frisch an den Film. Der protzt gleich mal mit einer saustarken Besetzung (Tom Holland, der Rolle des nerdigen Teenagers entwachsen, Jason Clarke, Mia Wasikowska, Bill Skarsgard, Robert Pattinson, Riley Keough uvm.) und authentischen Kleinstadt-Kulissen der 50er-Jahre, vor denen sich das Ingrimm seinen Weg bahnt. Der Teufel schläft nicht, er ist hellwach und treibt seine Sünder vor sich her. Wenn ein Film den Satz homo homini lupus est („Der Mensch ist des Menschen Wolf“) je konsequent dargestellt hat, dann „The Devil All the Time“. Es ist eine finstere Reise, auf die sich der Zuseher begibt. António Campos, der mit der Netflix-Serie „The Sinner“ große Erfolge feierte, nimmt sich Zeit für die episodenhaft ineinander greifenden Geschichten. Das Schlimme daran ist: Man begreift recht früh, dass es keine Erlösung geben kann, aber anders als bei einem Pflaster, das man schnell herunterreißen kann, wird hier der Weg in den Abgrund zelebriert. „The Devil All the Time“ ist kein angenehmer Film, aber er ist auf seine Weise gründlich und konsequent. Und vielleicht sollte ich das Buch doch noch einmal lesen. Es scheint gut gewesen zu sein.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Im Schatten des Zweifels (1943)

Regie: Alfred Hitchcock
Original-Titel: Shadow of a Doubt
Erscheinungsjahr: 1943
Genre: Krimi, Thriller
IMDB-Link: Shadow of a Doubt


Gemäß des alten Spruchs „Besuch bereitet immer Freude – entweder beim Kommen oder beim Gehen“ wird das Kleinstadtleben der Familie Newton in Santa Rosa, Kalifornien, gründlich auf den Kopf gestellt, als sich der Bruder der Mutter, Charlie (Joseph Cotten), zu einem überraschenden Besuch einfindet. Dieser lebt eigentlich in New York, aber da ihm zwei finstere Gestalten auf den Fersen sind, richtet er es sich erst einmal bei seiner Schwester ein – sehr zur Freude der nach dem Onkel benannten ältesten Tochter (Teresa Wright). Die hat nämlich das Kleinstadtleben satt – und wenn dann so ein waschechter und manierlicher New Yorker Onkel vorbeischaut, tut sich endlich mal was. Aber sein nervöses und teils abweisendes Verhalten lässt bald erste Zweifel aufkochen. Was, wenn der nette Onkel ein paar Probleme von der Ostküste mitgebracht hat? „Im Schatten des Zweifels“ ist ein grundsolider Thriller, der davon lebt, wie Kleinstadtidylle und großstädtische Kriminalität aufeinanderprallen. Die heile Welt wird von Alfred Hitchcock nach und nach genüsslich demontiert, was der Zuseher durch die Augen der unglaublich naiven Charlie verfolgen kann. Dabei gibt es – wie für Hitchcock üblich – einige herausragende Kamerafahrten zu bewundern, vor allem gleich zu Beginn, als Charlie in New York vor seinen beiden Verfolgern flüchtet. Aus heutiger Sicht mag der Plot nicht mehr ganz so taufrisch wirken, da haben sich andere Klassiker von Hitchcock aus meiner Sicht besser gehalten, aber dennoch versteht es der Meister des Suspense, das Interesse am Film aufrecht zu halten. Ein Großteil der Ehre gebührt dabei auch Teresa Wright, deren Charisma jeden Film sehenswert machen kann. Wie gut für uns alle, dass sie in die Zeitmaschine gestiegen ist, um 1985 in „Zurück in die Zukunft“ Martys Mutter zu spielen.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Verblendung (2011)

Regie: David Fincher
Original-Titel: The Girl with the Dragon Tattoo
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Krimi, Thriller
IMDB-Link: The Girl with the Dragon Tattoo


David Fincher und Thriller, das passt wie Sachertorte und Schlagobers, wie Birkenstock-Schlapfen und Duftkerzen, wie blaue Spitzenpolitiker und Ibiza. A Match Made in Heaven. Und auch wenn der Meister der gepflegten Spannungsunterhaltung mal nicht auf der absoluten Höhe seiner Kunst ist, beweist der Mann zumindest eine solche Handfertigkeit, dass das Resultat seiner Bemühungen jedenfalls als gelungen zu bezeichnen ist. So auch bei dem Remake der Verfilmung des ersten Teils der Millennium-Thriller-Reihe des schwedischen Bestseller-Autors Stieg Larsson. Und nein, dafür gibt es keine Kreativitätspunkte, wenn man das Recycling vom Recycling in die Welt wirft, aber unter der wie immer konzentrierten Regie von David Fincher kann man sich auch so einen Film einmal gönnen, zumal er mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer und Stellan Skarsgård eine illustre Besetzung aufweisen kann, die sich auch ordentlich ins Zeug legt. Wenn man dann, so wie ich, weder die Buchvorlagen noch die erste schwedische Verfilmung kennt, ist ohnehin alles wunderbar frisch und damit noch besser genießbar. Für alle Anderen ist der neuerliche Aufguss, der mit einer Laufzeit von über 2,5 Stunden auch recht viel Sitzfleisch abverlangt, zugegebenermaßen vielleicht irrelevant, aber die können dann immerhin nach Sichtung des Films trefflich darüber streiten, ob nun Rooney Mara oder Noomi Rapace die bessere Lisbeth Salander abgibt. Da ich nur Mara in der Rolle kenne, klinke ich mich aus dieser Diskussion aus und halte einfach fest: Die extrem wandelbare Rooney Mara ist auch in dieser Rolle gut aufgehoben. Ansonsten bleibt zu sagen: Der Film ist solide Thriller-Kost, die jetzt nicht unbedingt mit großen Überraschungen glänzt, aber mit einem klaren Fokus auf die Figuren (was ja sehr positiv hervorzuheben ist) inszeniert ist, was den Zuseher auch über einige Leerstellen in der Handlung gut hinweg hebt. Wie gesagt, Fincher und Thriller – da kann prinzipiell nicht viel schiefgehen.

 


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

The Nice Guys (2016)

Regie: Shane Black
Original-Titel: The Nice Guys
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Krimi, Komödie
IMDB-Link: The Nice Guys


Das sind richtig nette Kerle: Ryan Gosling als leicht vertrottelter Privatdetektiv mit Alkoholproblem und einem Pornoschnauzer, der Burt Reynolds neidisch blicken lässt, und Russell Crowe als Schläger ohne Gewissen, aber mit zumindest ein paar grauen Gehirnzellen übrig. Ein seltsamer Fall einer toten Pornodarstellerin und einer verschwundenen Politikertochter führt die beiden zusammen. Wie es halt so ist: Jeder hat ein paar Teile des Puzzles, zusammensetzen müssen sie das Bild aber gemeinsam. Was nicht einfach ist, denn die Gegner stellen sich als äußerst mächtig heraus. Noch dazu kann man von den beiden Nice Guys nicht unbedingt sagen, dass sie sich sofort verstehen. „The Nice Guys“ ist ein lakonischer Spaß, der irgendwo zwischen Coen-Brüder-Filmen und „Inherent Vice“ angesiedelt ist, aus meiner Sicht aber aus beiden Ansätzen das Beste vereint. Klar, diese Lakonie, die Melancholie, die in den Figuren angelegt ist und immer wieder von Situationskomik durchbrochen wird, muss man mögen. Wenn man aber einen Draht für solche Filme hat, wird man hier bestens unterhalten mit einigen denkwürdigen Szenen, die auch nach Jahren noch frisch im Gedächtnis hängen. Russell Crowe und Ryan Gosling funktionieren wunderbar zusammen, allerdings hat der gesamte Cast eine unheimlich gute Chemie. Den Trailer habe ich übrigens eingebettet, weil ich das immer tue, aber ich würde euch empfehlen, diesen nicht anzusehen, wenn ihr den Film nicht schon kennt. Wie leider heutzutage fast schon üblich, sind die besten Stellen, Gags und auch Wendungen darin fein säuberlich eingearbeitet, sodass man sich nach dem Trailer den Film eigentlich sparen könnte. Also, tut es nicht, wenn ihr unvoreingenommen mit dieser Achterbahn fahren möchtet.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Daniel McFadden – © 2014 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle: imdb.com)

Der schwarze Diamant (2019)

Regie: Josh und Benny Safdie
Original-Titel: Uncut Gems
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi, Thriller, Drama
IMDB-Link: Uncut Gems


Die Safdie-Brüder sind gerade der heißeste Scheiß in Hollywood. Mit ihrem Thriller „Uncut Gems“ haben sie Adam Sandler mal wieder die Möglichkeit geboten, abseits flacher Blödeleien als Schauspieler wahrgenommen zu werden – und eines muss man gleich festhalten: Sandler hat diese Steilvorlage dankbar verwertet und bietet eine großartige Leistung als windiger und spielsüchtiger Juwelier Howard Ratner, der für einen Tag einen gigantischen Opal an den Basketball-Star Kevin Garnett verleiht und damit eine bemerkenswerte Abwärtsspirale in Gang setzt. Fortan hechelt er von einem Ort zum nächsten auf der Suche nach Geld, einer Gelegenheit und dem verdammten Edelstein. Vor den Oscars 2020 munkelte mancher sogar, dass Sandler die höchste Anerkennung in Form einer Oscar-Nominierung hätte einfahren können, und es wäre nicht unverdient gewesen. Sein Howard Ratner ist eine denkwürdige Figur, ein Besessener und Getriebener, der Dinge zu kontrollieren versucht, die weit außerhalb seiner Möglichkeiten liegen, nur um nach der einen großen Gelegenheit im Leben zu suchen, mit deren Nutzung alles anders wird. Die Rastlosigkeit dieses Charakters wird von Sandler mühelos getragen. Generell wirkt der ganze Cast sehr authentisch und gut geführt. Dass der Thriller bei mir (anders als bei den meisten anderen Kritikern) dennoch nicht zündet, liegt vor allem am Stil der Safdie Brothers. Der Film ist ruhelos, laut und chaotisch. Jede Einstellung scheint in Bild und Ton zu vibrieren, es gibt keinen ruhigen Moment. Natürlich passt das prinzipiell sehr gut zur Geschichte, aber dieser extrem konsequent verfolgte Stil führt eben auch dazu, dass der Film rasch zu einer Belastung für die Nerven wird. Auf Verschnaufpausen wartet man vergebens. Und am Ende ist man einfach froh, wenn nach zwei langen Stunden der Abspann läuft. Ich glaube, von den Safdie-Brüdern werde ich kein Fan mehr, wenn sie diesem Stil treu bleiben, auch wenn ich ihr Können durchaus anzuerkennen weiß.


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Game Night (2018)

Regie: John Francis Daley und Jonathan Goldstein
Original-Titel: Game Night
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Komödie, Krimi
IMDB-Link: Game Night


„Game Night“ von John Francis Daley und Jonathan Goldstein hätte das Zeug zu einem absolut nervigen Film, denn dass der Film auch nur irgendeine Neuigkeit bringt, darauf wartet man vergebens. Hier entpuppt sich plötzlich ein Krimispiel mit Freunden als reales Abenteuer, und die hysterischen Spieler finden sich in Verfolgungsjagden mit Mafia-Gangstern wieder mit all den erwartbaren Verwechslungs-Slapstick-Momenten. „The Game“ von David Fincher lässt grüßen, nur dass der seinen Stoff gleich konsequent als Thriller angelegt hat und nicht als seichte Krimikomödie. Ob Rachel McAdams und Jason Bateman, die sich generell eher dem leichteren Unterhaltungsfach zugehörig fühlen (vor allem letzterer), unter der Regie von Fincher geglänzt hätten? Man kann darüber nur spekulieren. Aber in „Game Night“ funktioniert die Mischung aus spießigen Spielesüchtlern und Mafia-Action erstaunlich gut. Zwar ist der Plot wie zu erwarten sehr vorhersehbar und nicht alle Gags zünden, zumal viele von ihnen mit Ansage kommen, aber die Hauptfiguren sind sympathisch, gut besetzt und haben eine gute Chemie miteinander, das Tempo wird konsequent hoch gehalten und die Macher schrecken nicht vor dem Einsatz von Kunstblut zurück, wenn es das für die Geschichte braucht. Und plötzlich findet man sich kichernd vor dem Fernseher wieder und hat einfach eine richtig gute Zeit. Für einen Popcorn-Filmabend sicherlich nicht die schlechteste Wahl.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat:  © 2017 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle: imdb.com)