Satire

Mel Brooks‘ Spaceballs (1987)

Regie: Mel Brooks
Original-Titel: Spaceballs
Erscheinungsjahr: 1987
Genre: Komödie, Satire, Science Fiction
IMDB-Link: Spaceballs


Willkommen in meiner Kindheit! Was habe ich mich zerkugelt über die Abenteuer von Lone Starr (Bill Pullman) mit seinem getreuen Möter, halb Mensch, halb Köter Waldi (John Candy) bei dem Versuch, die eingebildete Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) aus den Klauen der bösen Spaceballs (Rick Moranis als Lord Helmchen und Mel Brooks himself als Präsident Skroob) zu befreien. Ich hätte damals wohl einen ganzen Tag nur mit Spaceballs-Zitaten bestreiten können. „Durchkämmt die Wüste!“, „Möge der Saft mit dir sein!“, „Ich wusste es. Ich bin von Arschlöchern umgeben.“ und so weiter. Für mich war diese Parodie auf die Star Wars-Filme, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal kannte, der witzigste Film aller Zeiten. Nun, im aktuellen Alter wiedergesehen muss ich sagen, dass entweder der Zahn der Zeit entweder dem Film oder mir nicht allzu gut getan hat. Die Gags bringen mich auch heute noch zum Schmunzeln, doch ist da mittlerweile viel Sentimentalität dabei. Würde ich den Film heute zum ersten Mal sehen, müsste ich wohl zu einer niedrigeren Bewertung greifen. Denn objektiv betrachtet, ist die Gagdichte zwar hoch, aber leider gehen viele dieser Witze auch daneben, da sie zu albern, zu klamaukig, zu weit unter der Gürtellinie sind und sich zum Teil auch wiederholen. Echte Schmankerl sind immer noch die Instant-Videokassetten („Wann ist jetzt?“ – „Jetzt ist jetzt!“), die zunehmend verzweifelten Versuche des Pfarrers, Prinzessin Vespa unter die Haube zu bringen, oder der von Michael Winslow gespielte Radartechniker und seine Geräusche. Der Rest der 7-Kürbis-Bewertung speist sich aus den Lachanfällen, die ich in meiner Kindheit hatte. So wird der Film für mich auch die nächsten drei Jahrzehnte funktionieren, und zu dieser Bewertung kann ich mit ruhigem Gewissen stehen – aber würde ich den Film jemanden, der ihn noch nicht kennt, uneingeschränkt empfehlen? Das wäre ernsthaft zu hinterfragen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Quelle http://www.imdb.com)

The Interview (2014)

Regie: Evan Goldberg und Seth Rogen
Original-Titel: The Interview
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Satire
IMDB-Link: The Interview


Wenn ein Film beinahe zu einer Staatskrise und zumindest zu Verstimmungen zwischen zweier Staaten führt, hat er entweder sehr viel richtig oder sehr viel falsch gemacht. Im Falle von „The Interview“, einer grellen Satire von Evan Goldberg und Seth Rogen mit Letzterem in einer der beiden Hauptrollen neben einem komplett überdrehten James Franco, lässt sich nicht so leicht beurteilen, auf welche Seite das Pendel ausschlägt. Denn viele Szenen sind schlicht grandios und (aber)witzig, werden aber im nächsten Moment von wirklich misslungenen Gags unter der Gürtellinie torpediert. Man kann den Film durchaus als bipolar bezeichnen. Zwei Gesichter zeigt auch der von Randall Park gespielte nordkoreanische Diktator Kim Jong-un, dem es an den Kragen gehen soll. Denn der debile Boulevardreporter und sein Produzent, die die einmalige Chance eines Interviews mit Kim Jong-un erhalten, sollen im Auftrag der CIA denselben mittels Verabreichung eines hochdosierten Giftes über den Jordan befördern, bekommen aber Zweifel (zumindest der debile Möchtegern-Starreporter), als sich der Diktator als überraschend zugänglich und jovial zeigt. Und eine Einladung, in einem Panzer ein paar Runden zu drehen, dabei Katy Perry zu hören und Bäume in die Luft zu sprengen, schlägt man nicht gerne aus. Also wird die Mission deutlich komplizierter, als sie zu Beginn ohnehin schon geklungen hat. „The Interview“ lebt von seiner frechen Grundidee und ein paar wirklich bösen Hieben gegen die nordkoreanische Diktatur sowie einem sympathisch spielenden Seth Rogen, verhaut es sich aber, indem er den Regler zu weit aufdreht. Subtilität ist nicht die Sache des Films. Vor allem James Franco personifiziert das Problem, das der Film mit seinem schrillen Zugang hat. Immerhin unterhält der Film recht kurzweilig, und ein paar herzhafte Lacher sind auch dabei. Allerdings kann er auch als Musterbeispiel für verschenktes Potential herhalten.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Ed Araquel – © 2013 CTMG, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Die entfesselte Silvesternacht (1998)

Regie: Marco Risi
Original-Titel: L’ultimo capodanno
Erscheinungsjahr: 1998
Genre: Komödie, Satire, Episodenfilm
IMDB-Link: L’ultimo capodanno


Hach, der Jahreswechsel. In wenigen Stunden ist es wieder soweit, und ganz Österreich folgt seinen Traditionen: Fondue / Raclette essen, die Mundl-Silvesterepisode schauen, Dinner for One schauen, Donauwalzer tanzen, dabei zusehen, wie wortwörtlich Geld verpulvert wird und sich dermaßen einen hinter die Binde kippen, dass man es am nächsten Morgen frühestens zum Radetzkymarsch, eher aber zum zweiten Durchgang des Neujahrsspringens aus dem Bett schafft. Auch die Italiener:innen können das. Während es bei uns eher die vielen Bierchen und der Zirbenschnaps sind, die uns in die Horizontale verabschieden, hat man unsere südlichen Nachbarn in Verdacht, den gleichen Effekt mit Wein und Grappa zu erzielen. Ansonsten sind die Unterschiede aber marginal, wenn man Marco Risi Glauben schenken darf. Da wie dort pures Chaos und Anarchie. „Die entfesselte Silvesternacht“ könnte genauso gut im Schöpfwerk oder im Marxerhof stattfinden. Da ist die betrogene Ehefrau, die während der Silvesterfeier mit Freunden auf Rache sinnt. Da ist die ältere Dame, in diesem Fall eine vermögende Baronin, die sich einen Gigolo leistet. Da ist die Frau, deren Mann vor Jahren verschollen ist, und die nun zu Silvester Schluss machen möchte, als sie eine unerwartete Nachricht erhält. Da sind die beiden bekifften Teenager, die eine Stange Dynamit im Rucksack versteckt haben. Da sind der besoffene, grölende Fußballclub, die Gangster, der Familienvater und Anwalt, der sich mit einer Domina vergnügt, die spießige Familie, die sich in einen Kleinkrieg hineinziehen lässt – der ganz normale Wahnsinn eben. Gut, vielleicht ein bisschen überspitzt, denn so viel sei verraten: „Die entfesselte Silvesternacht“ steht durchaus in der satirischen Tradition des österreichischen Kultfilms „Muttertag“, der auch die Absonderlichkeiten der Bewohner:innen eines Häuserblocks ans Tageslicht fördert, wenngleich die italienische Variante wie auf Speed wirkt und das Thema statt mit der schönen, österreichischen Hinterfotzigkeit auf eine brachiale Holzhammerweise angeht. Leider aber vergisst die Komödie dabei auf den Witz. Eine gute Komödie erkennt man daran, dass sie uns zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln bringt. Eine schlechte Komödie ist dann per definitionem das Gegenteil davon. Und damit haben wir es hier zu tun. Da reißt auch eine bildhübsche Monica Bellucci als gehörnte Ehefrau nichts mehr raus. Dass sie dafür mit dem renommierten italienischen Schauspielpreis Globo d’oro bedacht wurde, passt irgendwie zu einem Film, bei dem fast nichts wirklich passt.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Don’t Look Up (2021)

Regie: Adam McKay
Original-Titel: Don’t Look Up
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Satire
IMDB-Link: Don’t Look Up


In Adam McKays Satire „Don’t Look Up“, dieser Tage auf Netflix erschienen, reden sich Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence als Astronomen den Mund fusselig, als sie einen Kometen entdecken, der direkt in Richtung Erde angerauscht kommt. Das Erstaunliche an dem Film ist vor allem sein Timing. Geschrieben 2019, also noch vor der Pandemie und damit verbundenen Massenverblödung durch Covidioten und Verschwörungstheoretiker, greift die Story ziemlich akkurat den Entwicklungen der vergangenen beiden Jahre vor. Präsidentin Orlean (Meryl Streep) ist dabei so etwas wie ein weiblicher Trump, an der die Stimmen der Vernunft abprallen wie die Wellen an der Küste von Dover. Generell konnte man für den Film eine Art Hollywood-Allstar-Cast gewinnen. Jonah Hill, Cate Blanchett (bis zur Unkenntlichkeit als Fernsehtussi aufgeschminkt), Mark Rylance, Timothée Chalamet, Ariana Grande, Ron Perlman, Melanie Lynskey, Tyler Perry, Rob Morgan – niemand wollte es verpassen, seinen Beitrag zu diesem Rundumschlag gegen die Auswüchse von Ignoranz und Dummheit zu leisten. In seinen besten Momenten ist „Don’t Look Up“ eine sehr schwarzhumorige, zynische Abrechnung mit der durch Medienhysterie, Desinformation und politischen Machtspielchen fehlgeleiteten Gesellschaft, die sich rasant zurückentwickelt in Richtung Mittelalter und der damit verbundenen Wissenschaftsleugnung. Die Scharfsinnigkeit McKays kann man schon fast als prophetisch bezeichnen. Mehrmals bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Allerdings ist der Film – bei aller Hellsichtigkeit – nicht rundum gelungen, und es gibt genug Raum für Kritik. So passt zum Beispiel das Erzähltempo nicht. Vor allem im Mittelteil schleichen sich etliche Längen ein, und der Film wirkt manchmal etwas unentschlossen, was er mit seiner Vielzahl von Figuren überhaupt anfangen möchte. Auch hätte man interessante Aspekte wie die Spaltung der Gesellschaft angesichts der drohenden Apokalypse noch mehr beleuchten können. Aus leidvoller Erfahrung wissen wir nun, dass die Gräben in einer solchen Situation noch tiefer sind, als es McKay beim Schreiben seines Drehbuchs vermutet hat. Als Fazit lässt sich sagen: „Don’t Look Up“ ist der richtige Film zur richtigen Zeit (auch wenn er nicht das richtige Publikum finden wird), und die Relevanz des Themas bügelt so einige handwerkliche Schwächen glatt.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Cabin in the Woods (2011)

Regie: Drew Goddard
Original-Titel: The Cabin in the Woods
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Horror, Satire
IMDB-Link: The Cabin in the Woods


Einer der 1001 Filme, die man gesehen haben sollte, bevor das Leben vorbei ist, ist „The Cabin in the Woods“ von Drew Goddard, der gemeinsam mit Joss Whedon auch das Drehbuch geschrieben hat. Und ja, auch wenn der Film unter Horror-Fans vielleicht zwiespältig aufgenommen wird, so befindet sich diese Meta-Horror-Komödie meiner Ansicht nach zurecht auf dieser Liste. Denn „The Cabin in the Woods“ ist nicht bloß ein unterhaltsamer Horrorfilm, sondern er zerlegt mit Freude die gängigsten Klischees des Genres und baut aus diesen selbstironisch einen eigenen Plot. Darin fahren einige befreundete Studenten gemeinsam auf Urlaub zu einer entlegenen Waldhütte – und natürlich ist diese unheimlich und düster, und natürlich machen die spaßsüchtigen jungen Leute gleich mal alles falsch, was man falsch machen kann – Warnungen in den Wind schlagen, in fremden Kellern herumstierln, eben genau das, was in Horrorfilmen mit Sicherheit ins Verderben führt. Die Meta-Ebene des Films wird aber schnell aufgeblättert, und so ist „The Cabin in the Woods“ mehr ein Kommentar auf das aktuelle Horrorfilmgenre als Horrorfilm per se. Das alles ist wahnsinnig witzig und temporeich inszeniert. Der Film hat so gut wie keine Längen. Die Horrorelemente sind so gut dosiert, dass auch ein Hosenschisser wie ich ohne Herzinfarkt durch den Film kommt. Von mir eine klare Empfehlung, vom oben genannten Büchlein mit den 1001 Filmen ebenfalls.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Diyah Pera – © 2011 – Lionsgate, Quelle http://www.imdb.com)

Die Simpsons – Der Film (2007)

Regie: David Silverman
Original-Titel: The Simpsons Movie
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Animation, Satire
IMDB-Link: The Simpsons Movie


Was für ein weltweites popkulturelles Phänomen die gelben Springfielder mit den 4 Fingern sind, muss man wohl niemandem mehr erklären, der nicht die vergangenen drei Jahrzehnte Jahre im Koma gelegen ist. Die Simpsons sind Kult – so einfach ist das. Und auch wenn ich selbst bei weitem nicht alle Folgen gesehen habe, schon gar nicht in der Reihenfolge ihrer mittlerweile 33 Staffeln, so bleibe ich dennoch immer wieder gerne hängen, wenn ich im Fernsehen mal auf eine Episode stoße. Keine andere Serie davor hat den American Way of Life so pointiert auseinandergenommen. In ihrem ersten (und bislang einzigen) großen Kinoabenteuer bleiben die Macher der Simpsons ihrem Stil treu – der Film könnte auch eine einzige lange Episode sein, und das ist keinesfalls schlecht. Interessant ist, dass die Story (die Folgen einer großen Umweltverschmutzung in Springfield) auch heute, 14 Jahre später, noch relevant wirkt. Leider. In diesem Sinne machen die Simpsons ihrer prophetischen Begabung, die man ihnen gerne zuschreibt, wieder alle Ehre. Rund um diese an sich finstere, fast schon apokalyptische Geschichte haben die Schreiber aber ein paar der besten Gags in der Geschichte der Simpsons eingebaut. Ein Beispiel: Im Angesichts der drohenden Katastrophe sieht man die Menschen aus der Kirche und Moe’s Bar strömen, die nebeneinander gelegen sind – und panisch rennen sie in die jeweils andere Seelsorginstitution. Dieser schön eingesetzte subtile Humor entschädigt für manche kleinere Längen oder Nebenstränge, die vielleicht ein klein wenig infantil ausfallen. Durch die Zeitlosigkeit des Films und die vielen bösen Gags, die uns allen einen Spiegel vorhalten, bleiben die Simpsons aber weiterhin relevant und extrem unterhaltsam.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © The Simpsons TM and 2007 Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

Lapsis (2020)

Regie: Noah Hutton
Original-Titel: Lapsis
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Science Fiction, Satire
IMDB-Link: Lapsis


In einer alternativen Realität sind Quantencomputer der neue heiße Scheiß, den jeder haben muss. Für das Verlegen der Quantenkabeln braucht es jedoch die neue Berufsgruppe der Kabelverleger. Die rennen mit Kabelrollen auf fest vorgegebenen Routen durch den Wald und stöpseln die Kabeln an Hubs an. Je länger und aufwendiger die Route, desto mehr Kohle gibt es. Gleichzeitig marschieren quasi als Ansporn kleine Roboter die gleichen Routen entlang – und wer von einem solchen Roboter überholt wird, bekommt kein Geld ausgezahlt. Ray (Dean Imperial) nimmt, auch wenn er nicht sonderlich gut in Form ist, diesen Job an, um die teure Behandlung seines kranken Bruders zahlen zu können. Auf dem Weg lernt er andere Kabelverleger kennen, die aber seltsam reagieren, wenn er seinen Usernamen nennt. Während sich für gewöhnlich jeder selbst einen Namen aussuchen kann, wurde Ray der Name zugeteilt – und der Name scheint eine Vergangenheit zu haben. Erst die Gespräche mit der Kabelverlegerin Anna (Madeline Wise) bringen allmählich Teile dieser Vergangenheit ans Tageslicht. „Lapsis“ ist ein gemütlicher Film. Die meiste Zeit über hatschen Ray und seine Kompagnons durch die Landschaft, während sie Kabelrollen hinter sich herziehen, oder sie campieren pfadfindermäßig in Zeltlagern. Im Detail und zwischen den Zeilen offenbart sich aber eine subtile Gesellschaftskritik, die die alternative Realität nur so weit entfremdet, dass diese Kritik nicht mit dem Holzhammer, sondern mit der feinen Klinge geübt wird. Das ist vielleicht gleichzeitig auch der größte Schwachpunkt des Films: Gerade dieser subtile Zugang ist halt nicht wahnsinnig aufregend anzusehen. Allerdings steckt inhaltlich schon einiges drinnen (Ausbeutung der Arbeiter durch Großkonzerne, Verdrängung durch Automatisierung, das Sozial- und Medizinwesen der USA) – man muss nur ein Stück weit unter das Offensichtliche tauchen.


7,0 Kürbisse

(Foto: Slash Filmfestival)

The Wolf of Wall Street (2013)

Regie: Martin Scorsese
Original-Titel: The Wolf of Wall Street
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Biopic, Satire, Drama
IMDB-Link: The Wolf of Wall Street


Manche Geschichten sind so irre, dass sie nur vom Leben selbst geschrieben werden können. Die Geschichte von Jordan Belfort, der mit viel Chuzpe, noch mehr Drogen und einer völligen Ignoranz gesellschaftlicher Spielregeln, auch „Gesetze“ genannt, zu unverschämt viel Reichtum gekommen ist. In gewisser Weise ist Jordan Belfort in Leonardo DiCaprios Filmografie die logische Weiterentwicklung des Hochstaplers Frank Abagnale aus Catch Me If You Can. Doch während Abagnale noch ein gewitzter Lausbub mit Gewissen war, ist Jordan Belfort quasi ein Virus unserer Zeit. Geld regiert die Welt, und Geld hat man nie genug. Der FBI-Agent Patrick Denham (Kyle Chandler) als moralischer Gegenentwurf steht da von Anfang an auf verlorenem Posten. Es sind die Schurken, die im Gedächtnis bleiben: Belfort selbst natürlich, aber auch seine Entourage, die von einem entfesselt aufspielenden Jonah Hill als Donnie Azoff angeführt wird. Und ganz ehrlich: Auch wenn DiCaprio eine der besten Leistungen seiner Karriere abliefert, so stiehlt im Matthew McConaughey als Mentor Mark Hanna in nur fünf Minuten die ganze Show. Der ganze Film und all seine Darstellerinnen und Darsteller wirken so, als hätte Scorsese sich selbst und seiner Crew an jedem Drehtag morgens eine ordentliche Dosis Marschierpulver eingeworfen und dann einfach die Kamera eingeschaltet und auf das ganze Chaos draufgehalten, bis die Filmrolle leer ist. Ein Energieanfall des Altmeisters, der berechtigterweise zu den denkwürdigsten Filmen der letzten zehn Jahre zählt. Über Moral und Anstand braucht man da nicht mehr diskutieren. Und genau deshalb ist der Film auch ein so guter Kommentar auf unsere Zeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Mary Cybulski – © 2013 Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Mars Attacks! (1996)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Mars Attacks!
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Science Fiction,Komödie, Satire
IMDB-Link: Mars Attacks!


Die frohe Kunde: Wir sind nicht allein im Weltall! Preiset die Marsianer, die sich herablassen zu uns Erdlingen und uns Erleuchtung bringen. Zu Ehren dieser weitgereisten Weisen gibt es den Rest meiner Rezension auf Marsianisch: Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Noch Fragen? Ja? Nein? Auf jeden Fall einfach mal Film ab und Tim Burton dabei zusehen, wie er genüsslich zu unserem größten Vergnügen seine grünen Männchen Chaos stiften lässt und fast seinen gesamten Cast wortwörtlich verpulvert. Der Cast hat es überhaupt in sich. Nicht weniger als 31 Oscar-Nominierungen für Schauspiel finden sich darunter, die prominentesten davon sicherlich Jack Nicholson, Glenn Close, Natalie Portman, Pierce Brosnan, Annette Bening, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Danny DeVito, Rod Steiger, Christina Applegate, Jack Black, Pam Grier, Martin Short und nicht zuletzt Tom Jones, der die Ehre hat, am Ende eine neue Ära einzusingen. Und was man auch noch festhalten muss: Selbst Jodeln hat seine Daseinsberechtigung. Ack ack ack!


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

American Psycho (2000)

Regie: Mary Harron
Original-Titel: American Psycho
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Thriller, Satire
IMDB-Link: American Psycho


Man kennt das: Langweilige Geschäftsessen, die Kollegen versuchen, sich gegenseitig mit noch schöneren, eindrucksvolleren Visitenkarten zu übertrumpfen, es wird über Abwesende hergezogen, die sich keine tollen Maßanzüge leisten können – der übliche Schwanzvergleich unter großkotzigen Geschäftsmännern, die viel zu jung und viel zu ahnungslos und nur dank ihrer Selbstverliebtheit in die oberen Etagen gekommen sind. Da kann einem schon auch mal der Kragen platzen, und was liegt näher als den ungeliebten Kollegen mit einer Axt den Schädel einzuschlagen? Willkommen in der Welt von Patrick Bateman (Christian Bale der mit seiner ohnehin etwas arroganten Miene eine Traumbesetzung für diese Rolle ist), willkommen in der Welt des American Psycho. Er ist einerseits ein Soziopath erster Güte, andererseits aber auch ein Symptom unserer Zeit, in der in der Welt von Reich & Schön der Schein immer die Überhand über das Sein behält. Es zählt nur, in welchen Restaurants man isst. Gelegentlich fühle ich mich selbst dabei auch ertappt, wenn ich daran denke, was ich schon an Geld für (zugegeben: exzellente) Weinflaschen ausgegeben habe. Aber das ist dann auch die Qualität des Films bzw. des Romans von Bret Easton Ellis: So absurd die Handlung auch sein mag, so satirisch überspitzt sie erzählt wird, irgendwie kann man sich da trotzdem verdammt gut hineinfühlen. Denn wir alle kennen diese Art von Leuten, deren größte Angst es ist, dass ein Vogel auf ihren Porsche kackt, die ihren Ehefrauen protzige Ringe kaufen, um sie am Tag darauf mit ihren Sekretärinnen zu betrügen, die nicht „arbeiten“, sondern „Deals abschließen“, die die bemühte und sichtlich nervöse Kellnerin an ihrem zweiten Arbeitstag zur Sau machen, nur weil sie stilles statt prickelndes Mineralwasser gebracht hat. Und gleichzeitig wollen wir insgeheim ja doch dazugehören, nur dass wir VW statt Porsche fahren würden, auf eine Sekretärin verzichten und mit unseren Jobs etwas Gutes bewirken würden und nett zu Kellnerinnen wären, nicht wahr?


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Hulton Archive/Getty Images – © 2013 Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)